Sein schönster Fehler

Mit "Gala" sprach der Musiker Johannes Oerding ganz offen über die zwei großen Lieben in seinem Leben - die Musik und seine Freundin Ina Müller

Ein echtes Schnittchen

- so würde Ina Müller ihren Freund Johannes Oerding wohl selbst bezeichnen. Schmal ist der Sänger, die braunen Haare sind noch leicht verwuschelt von letzter Nacht, als er im kleinen Kreis seine neue CD vorgestellt hat. Trotz offensichtlicher Müdigkeit ist er aufmerksam: Die erste Zigarette des Tages zündet sich Johannes Oerding erst nach zweimaliger höflicher Nachfrage an. Dazu trinkt er Kaffee - Musikerfrühstück. Bekannt wurde er durch eindringliche Songs wie "Engel", auch das neue Album überzeugt mit persönlichen Texten, die im Gedächtnis haften bleiben.

In einem Ihrer neuen Songs heißt es: "Die letzten Jahre waren hart". Was war los?

Es geht ja nicht immer stetig nach vorne, wie man sich das so wünscht. Ich habe viele Höhen und Tiefen erlebt.

Was war ein privates Highlight?

Mein kleiner Kreis aus besten Freunden. Und meine glückliche, entspannte Liebe.

Für immer ab jetzt: heißt Johannes Oerdings neue CD - geradliniger Singer-Songwriter-Poprock mit sinnigen Texten. Ab 14.2. gibt er wieder Konzerte (Termine unter www.johannesoerding.de).
© PRFür immer ab jetzt: heißt Johannes Oerdings neue CD - geradliniger Singer-Songwriter-Poprock mit sinnigen Texten. Ab 14.2. gibt er wieder Konzerte (Termine unter www.johannesoerding.de).

Trotzdem singen Sie auf der neuen Platte: "Du bist mein schönster Fehler".

Stimmt, das ist ein sehr persönliches Lied. Hätte man mir vor fünf Jahren erzählt, was in meinem Liebesleben passieren wird, hätte ich das nie geglaubt. Natürlich habe ich mich gefragt, ob diese Beziehung richtig ist, und war mir bewusst, dass sie durchaus Probleme und nervige Situationen mit sich bringen könnte. Heute schaue ich zurück und denke: Ich hatte gar keine andere Wahl, als diesen Fehler zu machen. Dass er gut war, dass ich genau das Richtige falsch gemacht habe, weiß ich heute.

Welche Vorteile hat es, mit einer Künstlerin liiert zu sein?

Man versteht sich, muss nicht erklären, was es heißt, auf Tour zu sein. Mit jemandem außerhalb der Branche kann es schnell schwierig werden.

Singen Sie zu Hause im Duett?

Auf jeden Fall ist die Liebe zur Musik ein großer Baustein unserer Beziehung. Aber zusammen singen, das machen wir nicht.

Udo Lindenberg rühmt Ihre Stimme: Er sagt, Sie hätten eine goldene Kehle.

Das war ein echter Ritterschlag! Genauso hat mich gefreut, dass Xavier Naidoo meine Stimme gelobt hat. Das ist schon geil, das motiviert unglaublich.

Fühlen Sie sich denn auch selbst wie ein Goldkehlchen?

Dazu sage ich nur: Ich kann nicht viel. Singen, das war's eigentlich schon. Handwerklich hingegen bin ich völlig unbegabt.

Dafür sehen Sie knackig aus, findet zumindest Ina Müller. In einem Lied, das sie über Sie geschrieben hat, heißt es: "Mit Mitte 20 sind die Jungs noch süß, sind nicht so ranzig". Jetzt sind Sie 31. Also ranzig?

Überhaupt nicht! Ich glaube, sie meinte auch nicht, dass man ab 30 gleich ranzig ist. Aber der Song eckt an, das finde ich gut.

Freut man sich, wenn einem die geliebte Frau ein ganzes Lied widmet?

Mich hat es auf jeden Fall gefreut. Mir gefallen Songs sowieso sehr gut, bei denen man weiß, dass der Sänger gerade über seinen ganz speziellen Menschen singt. Ina Müller singt, dass man junge Männer viel besser bemuttern kann. Wobei wollen Sie bemuttert werden? Kochen, Wäsche waschen, putzen? Für Letzteres habe ich meinen Mitbewohner, er putzt immer die Toilette. ( lacht) Wenn ich krank bin, mag ich es aber gerne, wenn sich jemand nur um mich kümmert.

So ganz klappt das aber nicht: Ina Müller hat uns erzählt, dass sie noch nie für Sie gekocht hat. Wer kocht dann?

Ich jedenfalls nicht. Ich kann es einfach nicht. Da sind wir wieder bei den Sachen, die ich nicht beherrsche.

Würden Sie gern zusammenziehen?

Zurzeit ist das absolut keine Option, weil alles sehr gut läuft, wie es ist. Das hat aber auch mit unserer Konstellation zu tun: Wir arbeiten viel zu Hause, und dann stresst man sich sofort mehr, wenn man unter einem Dach lebt. Meine Erfahrung aus anderen Beziehungen ist, dass eine gemeinsame Wohnung oft der Anfang vom Ende war. Unser Modell funktioniert viel besser.

Sie sind ja auch schon drei Jahre glücklich zusammen.

Sogar fast vier! Für mich fühlt es sich aber an, als wäre unser Kennenlernen gerade gestern gewesen.

An Ihrem Album haben Sie ganze zwei Jahre gearbeitet. Sind Sie zufrieden damit?

Ja, sehr. Zum Schluss haben wird die Platte in zwei Wochen im Strandhotel "Glücksburg" ganz konzentriert produziert. Ich hatte meinen Laptop voller Songideen, die wir gemeinsam ausgearbeitet haben.

Im Februar geht's wieder auf Tour, ab Mitte April spielen Sie in großen Hallen als Support von Joe Cocker. Wie ölen Sie Ihre Stimme vor einem Auftritt?

Ich trinke ein Bier, rauche eine Zigarette und lege los. Und es gibt einen Ramazzotti zum Vorglühen, das ist ein festes Ritual. Um mich lange einzusingen, bin ich zu faul.

Was geschieht mit den Mädchen, die nach einem Konzert am Bühnenausgang warten?

Die lassen wir köcheln. (lacht) Nein, das hält sich bei uns in Grenzen. Wir sind ja keine Teenieband, die von kreischenden Fans verfolgt wird. Viel Zeit hätten wir sowieso nicht. Wenn man zweieinhalb Stunden spielt und am nächsten Tag wieder auf der Bühne stehen muss, kann man sich keine durchgemachte Nacht leisten. Schlafentzug ist das absolut Schlimmste für die Stimme. Martina Ochs