Rupert Everett
© Reuters Rupert Everett

Rupert Everett Plötzlich Pilcher

Hollywood? Das war gestern! Mit der Hauptrolle in einer TV-Romanze hat Rupert Everett trotzdem kein Problem. Mit dem Älterwerden schon ...

Er zählte zu den heißesten Schauspielern Hollywoods:

Rupert Everett glänzte neben Stars wie Julia Roberts ("Die Hochzeit meines besten Freundes") und Cate Blanchett ("Ein perfekter Ehemann", 1999) und sorgte dank seiner Busenfreundschaft mit Madonna regelmäßig für Schlagzeilen. Lange vorbei! Mit den Jahren reichte es in den USA nur noch für Jobs als Synchronsprecher ("Shrek 2", 2004) - auch die Queen of Pop wandte sich von ihm ab, weil der 53-Jährige in einer Biografie zu viele Interna über sie ausplauderte.

Jetzt ist Everett, der sich 1989 als schwul outete, erstmals in einer deutschen Produktion zu sehen: Im zweiteiligen Drama "Die andere Frau" (23. und 25. 12., jeweils 20.15 Uhr, ZDF) nach Rosamunde Pilcher spielt er einen intriganten Charmeur. Beim Interview im "Priory"-Hotel in Bath sieht Everett ungut verändert aus. Als hätte ein Beauty-Doc etwas zu viel an ihm herumgeschnippelt. Doch der Brite blockt ab: "Kein Botox, keine OPs!", sagt er mit einem drohenden Unterton, der deutlich ausdrückt: Noch einen Schritt weiter, und das Gespräch ist zu Ende! Also doch lieber erst mal nach der Karriere gefragt …

1997: Als schwuler Buddy von Julia Roberts begeisterte Rupert Everett in "Die Hochzeit meines besten Freundes" Millionen.
© mauritius images1997: Als schwuler Buddy von Julia Roberts begeisterte Rupert Everett in "Die Hochzeit meines besten Freundes" Millionen.

Wie kam es eigentlich zu Ihrer Hauptrolle in einem deutschen TV-Film?

Ganz einfach. Die Produktionsfirma hat bei mir angefragt - und ich hatte Zeit. Es ist ja nicht so, dass man mir mit Rollenangeboten heute noch die Bude einrennt ... (lächelt)

Trauern Sie manchmal alten Hollywood-Zeiten nach?

Warum sollte ich?

Der Glamour-Faktor war bei Julia Roberts oder Madonna höher als bei Ihren jetzigen Filmpartnerinnen.

Alles im Leben hat seine Zeit. Und das Kapitel Hollywood ist für mich ein für alle Mal abgeschlossen. In Europa bekomme ich wenigstens noch akzeptable Jobs.

Also kein Frust, dass Sie nicht mehr besetzt werden?

Nicht mehr. Auch ich musste die Tatsache akzeptieren, dass Hollywood ungefähr so liberal ist wie Al Quaida. Es wimmelt dort nur so von Produzenten, die dich auf die schwarze Liste setzen, wenn du öffentlich verkündest, dass du auf Männer stehst. Aber was soll’s! Es gibt drängendere Themen als Tunten, die in Hollywood keinen Job mehr bekommen.

Heute: mit Natalia Wörner (r.) und Hilary Connell im Rosamunde-Pilcher-Zweiteiler "Die andere Frau".
© Mike Alsford / ZDFHeute: mit Natalia Wörner (r.) und Hilary Connell im Rosamunde-Pilcher-Zweiteiler "Die andere Frau".

Zum Beispiel?

Die Euro-Krise zwingt Europa in die Knie, Energiekrise, Überbevölkerung, Erderwärmung - aber zu viele Menschen kümmert das einen Dreck. Hauptsache shoppen, Facebook und fernsehen ... Wenn ich an die Zukunft denke, wird mir angst und bange.

Was gibt Ihnen in solchen Momenten Halt?

Eine Handvoll sehr enger Vertrauter und mein brasilianischer Freund ...

... den Sie einmal heiraten werden?

Niemals! Ich empfinde Hochzeiten als eine furchtbar deprimierende Angelegenheit.

Aber die sind doch etwas Schönes!

Ich ertrage dieses "Das ist der glücklichste Tag in meinem Leben"-Getue einfach nicht.

So schlimm?

Oh ja! Aber noch furchtbarer finde ich, dass Homos meinen, den Heteros alles nachmachen zu müssen. Ich verspüre keinen Drang, meine Liebe zu einem Menschen in ein gesellschaftliches Korsett zu zwängen.

Ist Älterwerden für schwule Männer härter?

Nicht härter als für Frauen - aber auf jeden Fall härter als für feiste Heten-Typen, die auch noch mit Mitte 60 problemlos blutjunge Dinger erobern können. Sie müssen nur genug Macht und Kohle haben. In Sachen Ästhetik sind wir anspruchsvoller. Und Jugend ist ohnehin alles, was zählt.

Sie machen einem ja richtig Mut.

Ab 40 wird es kritisch. Dann werden Schwule und Frauen langsam unsichtbar. Es ist ein bisschen so, als würde man bei einem Fernseher den Farbregler herunterdrehen.

Gehen Sie trotzdem noch aus und feiern in Clubs wie dem Berliner Berghain wilde Partys?

Das war einmal. Wenn ich heute feiere, dann brauche ich gleich mehrere Tage, bis ich das Sauerstoffzelt wieder verlassen kann.

Was für ein Kick muss jetzt als Ersatz her?

Sie werden es nicht glauben: Schlafen ist meine neue Droge! Alexander Nebe

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