Matthias Steiner: Matthias Steiner, Inge Steiner
© David Maupile für Gala Matthias Steiner, Inge Steiner

Matthias Steiner Starke Argumente

Matthias Steiner hat seine Gewichtheber-Karriere beendet. Mit "Gala" sprach er über die Hintergründe

Er ist unser Mann für die großen Gefühle. Ob beim Olympia-Sieg in Peking 2008 oder in der Schrecksekunde im Sommer 2012, als ihm bei den Spielen in London die 196-Kilo-Hantel in den Nacken krachte: Ganz Deutschland zitterte und fühlte mit Matthias Steiner. Mit nur 30 Jahren hat der Gewichtheber jetzt seine Profikarriere für beendet erklärt - kurz nach der Geburt seines zweiten Kindes.

Herr Steiner, wie fühlt sich die neue Freiheit an?

Ungewiss. Als Sportler hatte ich ja immer ein Ziel vor Augen, die Olympischen Spiele zum Beispiel. Das fehlt nun. Meine Frau und ich sind seit Kurzem selbstständig, wir haben eine Firma gegründet - jetzt geht die Projekt-Findungsphase los. Ich schaue momentan, was ich kann und was mir Spaß macht.

Und was können Sie?

Reden! Auch handwerklich bin ich ganz begabt. Und die Medienlandschaft will ich nicht außer Acht lassen, so lange die Leute mich sehen mögen. Konkrete Pläne, außer der nächsten Sendung "Steiner gegen alle" im Herbst, gibt es aber noch nicht. (In der SWR-Spielshow tritt er mit Kraft und Köpfchen gegen ein ganzes Dorf an; Anm. d. Red.)

Wird Ihnen der Leistungssport fehlen?

Sehr! Aber ich habe mich für die Familie entschieden, daher war Weitermachen keine Option mehr. Ich mache ja trotzdem noch Sport, für mich selbst. Als Typ-1-Diabetiker hätte ich sonst ein Problem. Ich müsste unendlich viel Insulin spritzen und dürfte viel weniger essen.

Sie wiegen derzeit gut 140 Kilo. Werden Sie abnehmen?

Ein paar Projekte als Gewichtheber habe ich noch. Aber in zwei, drei Jahren möchte ich 40 Kilo weniger wiegen. Die Leute denken immer, ich bin so kräftig auf die Welt gekommen. Das stimmt aber nicht. Vielleicht lasse ich mich ja beim Abnehmen begleiten, als eines meiner Projekte.

Matthias Steiner: Schrecksekunde: Bei der Olympiade 2012 fällt Matthias Steiner eine 196 Kilo schwere Hantel in den Nacken.
© ReutersSchrecksekunde: Bei der Olympiade 2012 fällt Matthias Steiner eine 196 Kilo schwere Hantel in den Nacken.

Im Februar ist Ihr zweiter Sohn Max auf die Welt gekommen. Wie hat sich Ihr Leben verändert?

Es hat sich alles verdoppelt, die Freude und die Arbeit. Ich habe schon vor der Geburt von Max gemerkt, dass der Spagat zwischen Familie und Profisport zu groß wurde. Statt bei meiner Familie zu sein, war ich oft wochenlang im Trainingslager - ich habe mein Zuhause vermisst. Jetzt, wo unser zweites Kind da ist, wollte ich das ändern. Meine Frau und die Kinder brauchen mich! Momentan teilen wir uns auf: Inge kümmert sich ums Baby, ich unternehme viel mit Felix. Den üblichen Jungs-Blödsinn: stundenlang im Schnee herumsitzen, irgendwo herunterspringen, im Sand buddeln.

Haben Sie Bammel vor der Zukunft, weil Sie jetzt erst mal kein gesichertes Einkommen haben?

Nein, das wird schon laufen. Wichtig ist, dass wir als Familie über die Runden kommen. Das Glück besteht nicht aus Geld. Geld gibt eine gewisse Ruhe, aber glücklich macht es nicht.

Sind Sie momentan glücklich?

Ja, sehr. Ich habe eine tolle Frau und zwei Kinder. Alles ist gut.

Matthias Steiner: Cover Nr. 31
Service
Hier finden Sie das Inhaltsverzeichnis der aktuellen Ausgabe von Gala. Das Heft ist ab Mittwoch, 16. Juli, am Kiosk erhältlich Zum GALA-Abo Passendes Angebot auswählen und bestellen

Sie haben Ihre erste Frau bei einem Verkehrsunfall verloren. Genießen Sie Glück heute mehr, nachdem Sie erfahren mussten, wie brüchig es sein kann?

Tatsächlich nehme ich alles viel bewusster wahr. Weil ich einfach weiß, wie begrenzt die Zeit für jeden von uns ist.

Wünschen Sie sich weitere Kinder?

Nein, die Familienplanung ist abgeschlossen. Meine Frau hat drei Geschwister, ich bin Einzelkind, und zusammen sind wir bei der Mitte angelangt. Das passt schon.

Im letzten "Gala"-Interview haben Sie gesagt, Sie würden gern ins Grüne ziehen ...

Jetzt haben wir entschieden, wo es hin- gehen soll: ins südliche Bayern, zwischen München und Salzburg. Schön wäre ein rustikales Bauernhäuschen mit viel Charakter. Wer sein Haus verkaufen möchte, kann sich gerne bei uns melden. (lacht)

Könnten Sie sich Ihre Söhne als Gewichtheber vorstellen?

Ich kann mir für meine Söhne alles vorstellen, von Maurer bis Professor. Sie sollen das machen, was sie wirklich wollen. Nur dann werden sie glücklich. Und darum geht es.