Henning Baum
© Sat.1/Martin Rottenkolber Henning Baum

Henning Baum "Bloß kein Schnickschnack!"

Schauspieler Henning Baum über Männer und Ganzkörper-Rasur, seine Dolph-Lundgren-Postkarte und Kinder in Gefahr

Beim Lunch im Essener "Jagdhaus Schellenberg"

zückt Henning Baum, 37, sein mitgebrachtes Messer. "Schneidet einfach besser", murmelt der blonde Hüne und fängt an, sein Steak zu zerlegen. Klar, warum auch nicht? Dass die TV-Zuschauer den Ruhrpott-Schauspieler ins Herz geschlossen haben, liegt aber mit Sicherheit nicht nur am rauen Charme und an den beeindruckenden Oberarmen des Hobby-Boxers und dreifachen Familienvaters. Wie der Macho-Cop Mick Brisgau in "Der letzte Bulle", der nach 20 Jahren aus dem Koma erwacht und sich wieder neu in die Welt einfinden muss, hat Henning Baum das Herz am richtigen Fleck - und besticht als Gentleman alter Schule.

TV-Liebling: Henning Baum spielt den Ruhrgebiets-Cop Mick Brisgau in der Serie "Der letzte Bulle" (montags, 20 Uhr 15, Sat.1).
© Sat.1/Martin RottenkolberTV-Liebling: Henning Baum spielt den Ruhrgebiets-Cop Mick Brisgau in der Serie "Der letzte Bulle" (montags, 20 Uhr 15, Sat.1).

Ihre Rolle hat Ihnen den Spitznamen "Don Johnson aus Rüttenscheid" eingebracht. In den ersten drei Minuten der Serie sagt das eine Krankenschwester zu Mick. Gefällt Ihnen das?
Ich konnte mich mit der Welt von "Miami Vice" nie identifizieren. Und Don Johnson hat mir immer zu pastellige Jacketts getragen. Da passen "Der Fahnder" oder der olle Schimanski schon eher zu mir.

Was glauben Sie - was würde Sie irritieren, wenn Sie heute nach 20 Jahren Koma wieder aufwachen würden?
Dass manche Menschen offenbar das Virtuelle spannender finden als das Reale. Viele verschwenden unheimlich viel Zeit damit, ihren ganzen Kommunikationsfuhrpark zu bedienen. Und mich würde das Bild irritieren, das die Gesellschaft von Männern hat, beziehungsweise wie Männer sein sollen. Männer sind heute verwirrter als früher.

Burt Reynolds oder Sean Connery - die Männerideale der Achtziger waren extrem männlich, behaart, kernig. Heute sind die jungen Männer fast alle ganzkörperrasiert ...
Ich weiß auch nicht, was da passiert ist. Vielleicht zu viele Östrogene im Trinkwasser. Ich halte das für eine absurde Entwicklung. Das sind Trends. Und ich gehöre sicher nicht zu den Leuten, die sich nach der Mode richten. Wer sich rasieren will, soll sich rasieren. Mir wäre das zu aufwendig.

Welche Poster hingen vor 20 Jahren an Ihren Wänden?
Ich fand Poster immer blöd. Bei mir hing ein alter Stich aus dem Familienerbe. Der zeigte Sachsen vor dem Dreißigjährigen Krieg. Und da habe ich eine Postkarte von Dolph Lundgren reingesteckt, die mir eine Freundin damals aus dem Urlaub geschickt hat. Den fand ich ziemlich beeindruckend. Mich hat also immer Dolph Lundgren angeguckt, wenn ich im Bett lag.

Was waren Sie damals - Punk, Popper, Mod?
Eher klassisches T-Shirt und eine Levi’s 501, bloß kein Schnickschnack. Aber ich hatte lange Haare, bis zur Brust. So hatte ich nie Probleme, in Clubs reinzukommen, obwohl ich noch nicht 18 war.

Gibt es Dinge aus dieser Zeit, die Sie sich zurückwünschen?
Super verbleit! (lacht) Jetzt muss ich das teure Ultimate tanken ...

Würden Sie gern noch mal Mitte 20 sein?
Nein, man sollte nie einer bestimmten Zeit hinterherhinken. Jedes Alter hat seine eigene Qualität. Jetzt um die 40 kann ich Dinge, die ich damals noch nicht konnte. Das wird sich hoffentlich so weiterentwickeln.

Weiter zur nächsten Seite
Übersicht zu diesem Artikel
  • Seite 1 / 2
  • Seite 1 "Bloß kein Schnickschnack!"
  • Seite 2
newsletter-bild newsletter-bild newsletter-bild newsletter-bild