Gertrud + Peer Steinbrück: Peer Steinbrück, Gertrud Steinbrück
© Nicolas Kantor Peer Steinbrück, Gertrud Steinbrück

Gertrud + Peer Steinbrück "Raus aus den Klamotten!"

Lust auf Pointen, klare Ansagen und Spaß am Diskutieren: Beim "Gala"-Interview zeigten sich Gertrud und Peer Steinbrück als gut eingespieltes Team

Manchmal während unseres Gesprächs im beschaulichen Berliner Tiergarten bekommt Peer Steinbrück den Tunnelblick. Als höre der SPD-Kanzlerkandidat nicht zu, während seine Frau spricht. Doch das täuscht. Er ist hoch konzentriert, wirft plötzlich eine Ergänzung ein, nickt zustimmend oder neckt sie. Klar ist: Hier sind zwei auf Augenhöhe.

Herr Steinbrück, Ihre Kinder waren von der Kandidatur nicht begeistert. Wissen Sie eigentlich, ob die drei Sie wählen werden?

Peer Steinbrück: (lacht laut)

Gertrud Steinbrück: Ich dachte, wir haben ein Wahlgeheimnis. Aber ich würde mal vermuten, ja.

Er: Ja, bei allem Respekt vor dem Wahlgeheimnis (lacht wieder) vermute ich auch, dass sie mich wählen und die SPD.

Ihre beiden Töchter und Ihr Sohn stehen voll im Berufsleben. Wie stolz sind Sie auf die Kinder?

Sie: Erst mal versuche ich, mir das Wort Stolz zu verbieten. Das ist ja nicht unser Werk, sie sind so geworden aufgrund ihrer Persönlichkeit. Aber nachdem wir das offizielle Verbot ausgesprochen haben, platzen wir vor Stolz. Alle drei haben ihren Weg eigenwillig, selbstständig und ohne Vorgaben gemacht. Johannes hatte einmal die Idee, Volkswirtschaftslehre zu studieren, um seinem Vater zu gefallen. Das hat zwei Wochen gedauert, danach hat er das gemacht, was ihm entspricht, und ist Lehrer geworden.

Welches Gefühl überwiegt bei Ihnen, wenn Sie an Ihre Kinder denken?

Er: Dankbarkeit. Weil sie bisher und hoffentlich auch weiter fantastisch durchs Leben gekommen sind und uns sehr viel Freude bereiten.

Wie häufig sehen Sie sich?

Er: Unser Kontakt ist unkompliziert erfreulich und eng. Gestern kam eine Tochter mit ihrem Partner zum Essen, am Sonntag davor war ich mit ihnen in Berlin frühstücken, morgen kommt unser Sohn.

Gertrud + Peer Steinbrück: "Dein Po ist zu dick", witzelt Gertrud Steinbrück, als der Fotograf das Ehepaar auf einen Hocker bittet. "Das hat mir ja lange keiner gesagt", kontert ihr Mann.
© Nicolas Kantor"Dein Po ist zu dick", witzelt Gertrud Steinbrück, als der Fotograf das Ehepaar auf einen Hocker bittet. "Das hat mir ja lange keiner gesagt", kontert ihr Mann.

Sie haben mal gesagt, die Geburten Ihrer Kinder hätten in Ihnen religiöse Gefühle ausgelöst.

Er: Ja, das habe ich als Wunder empfunden. Biologisch kann ich mir das alles erklären, auch wie sie entstanden sind … (lacht)

Sie: ... aber dass sie so perfekt sind!

Woran merken Sie, dass sie einer anderen Generation angehören?

Sie: Sie sind eigenständiger, sie würden sich nie auf eine Partnerschaft einlassen, die ihnen auch nur ein Stück ihrer Autonomie nehmen könnte. Die Frauen heute haben ein eigenes Karrieremuster, und das vertreten die auch nicht krallig, sondern ganz sicher und selbstverständlich. Der Nachteil davon ist, dass wir keine Enkelkinder haben.

Bisher. Ihre Kinder sind jetzt zwischen 30 und 36.

Sie: Ja, wir hoffen, die liefern noch.

Wie haben Sie als Gymnasiallehrerin seinerzeit Job und Nachwuchs organisiert?

Sie: Beim ersten Kind bin ich nach acht Wochen wieder in die Schule gegangen. Damals hat sogar noch meine Großmutter geholfen. Und meine Mutter hat immer dann Urlaub genommen, wenn wir unter Druck kamen. Bis auf einmal, als ich mit meiner Mutter weg war und die drei Windpocken hatten.

Weißt du nicht mehr, oder?

Er: (grinst) Doch.

Sie: Da war ich mit meiner Mutter in Leningrad (heute Sankt Petersburg, Anm. d. Red.). Ich musste neun Stunden auf ein Telefongespräch warten, und dann bekam ich erst mal einen Anpfiff durchs Telefon.

Er: (grinst) Von mir?

Sie: Genau: "Wie kannst du nur abhauen und rufst nicht an und ich sitze hier mit drei Kindern und Windpocken!" Ich war zum Glück weit genug weg, um sagen zu können: "Ich hätt’ jetzt gern was Liebes gehört."

Weiter zur nächsten Seite
Übersicht zu diesem Artikel
  • Seite 1 / 3