Am Anfang trägt er etwas dick auf. Kevin Costner kommt aus dem Raum nebenan, wo er gerade ein TV-Interview gegeben hat, und für die paar Schritte von Zimmer zu Zimmer hat er tatsächlich seine Pilotensonnenbrille aufgesetzt. In seinen löchrigen Jeans, der Lederjacke und den klobigen Boots sieht er aus, als habe er den Weg nach Hamburg auf dem Pferd zurückgelegt. Cowboy Costner fixiert mich, nimmt die Brille ab, schenkt mir zur Begrüßung einen tiefen Blick aus seinen blauen Augen - und zaubert damit erst mal Star- Flair in die Bude.
Seine Augen haben eine ungeheure Strahlkraft. Dazu noch sein verschmitztes Jungs- Lächeln: Damit wurde er zum Sinnbild für den ehrlichen, aufrechten, vielbeschäftigten Kino- Helden. Heute dreht er viel weniger als früher, dafür macht er jetzt mehr Musik mit seiner Band Modern West. Ehrlichen, aufrechten Country-Rock natürlich. "Meine Frau Christine hat das angeschoben. Ich habe als Kind Klavier gelernt, schon früh in Bands gespielt. Vor ein paar Jahren hat sie das alte Material entdeckt und meinte: 'Du hast so viel Spaß dran. Mach das mit deinen Kumpels.' Heute touren wir durch die Welt. Ich bin ihr dankbar dafür, dass sie mir diese Freiheit gibt. Wir haben ja immerhin drei Kinder."
Vermisst er den Nachwuchs sehr, wenn er unterwegs ist? Die Söhne Cayden und Hayes sind vier und zwei, Töchterchen Grave wurde im Juni 2010 geboren. Er nickt und erzählt, wie er ihnen abends am Bett vorsingt. "Die besten Einschlaflieder sind 'Think Of Me' aus 'Phantom der Oper' und 'Somewhere Over The Rainbow'. Dann liegen sie nuckelnd im Bett und wollen im Halbschlaf immer noch eins hören. Meistens kriege ich die Zeilen durcheinander, aber das merken sie ja nicht." Er lehnt sich zurück, man sieht, wie diese Momente mit den Kindern vor seinem inneren Auge ablaufen. Er singt leise "Think of me, think of me fondly when we've said goodbye", schließt die Augen, wie es seine Kinder tun, steckt sich sogar den Daumen in den Mund. Jetzt ist Costner nicht mehr Cowboy. Jetzt ist er ein glücklicher Dad.
Dabei kommen einem die vielen starken Figuren in den Kopf, die er gespielt hat. Ein glatter Posterboy war Kevin Costner nie. Nun wird er im Januar 57, seine Haare sind dünner, die Falten tiefer, das Gesicht ist wettergegerbt, was die nächste Make-up-Dame vom Fernsehen später etwas verzweifeln lässt ("Der ist zu viel in der Sonne!"). Wie viele Antifaltencremes hat er im Bad? Costner kriegt beinahe einen Lachanfall. "Keine einzige. Meine Frau hat mir eines Tages mal Conditioner in die Hand gedrückt. Ich wusste gar nicht, was das ist. Für sie war ich eine Art Höhlenmensch." Er nimmt einen Schluck Tee.









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