Michael Jackson ist seit über zwei Jahren tot, doch für seine Kinder stirbt er in diesen Tagen ein weiteres Mal. Täglich gelangt im Zuge des Strafprozesses um Jacksons Leibarzt Conrad Murray eine Flut an neuen Informationen über das Sterben, die Sucht und den Verfall ihres Vaters an die Öffentlichkeit.

Fotos, Audio-Dateien, detaillierte Berichte: Die Staatsanwaltschaft und die Verteidigung scheinen gewillt, die ganz schweren Geschütze aufzufahren, um festzustellen, ob der King of Pop starb, weil sein Arzt ihn fahrlässig behandelte oder weil er sich die tödliche Injektion des Narkosemittels Propofol selbst spritzte.

Angestellte schildern, wie Paris und Prince ihren Vater leblos in seinem Bett vorfinden. Wie sie zusammenbrechen, als Murray hektisch mit Wiederbelebungsversuchen beginnt. Die Fahrt ins Krankenhaus, die Todesnachricht. Andere beschreiben Jacksons schlechten körperlichen und seelischen Zustand. Seine Abhängigkeit von Medikamenten, die die Polizei zuhauf in seinem Haus fand, seine Zusammenbrüche, den Druck, der auf ihm lastete, bei den 50 angesetzten "This Is It"- Konzerten das erwartete Pop-Feuerwerk abzubrennen.

Prince, 14, (l.) und Paris, 13, mit ihrem Bruder Blanket, 9, Anfang Oktober in Montreal. Durch den Prozess werden sie erneut mit den Erlebnissen am Todestag ihres Vaters konfrontiert.
Prince, 14, (l.) und Paris, 13, mit ihrem Bruder Blanket, 9, Anfang Oktober in Montreal. Durch den Prozess werden sie erneut mit den Erlebnissen am Todestag ihres Vaters konfrontiert.
(Foto: © Reuters)

Der Prozess ist Tagesgespräch in den USA. Vor dem Haupteingang des Superior Courts in Downtown L. A. warten täglich Fans, Schaulustige und Kamerateams auf Neuigkeiten und die Oberhäupter des Jackson-Clans. Die Sitzungen werden live im Fernsehen übertragen, die Zeitungen, das Internet sind voll davon. Es dürfte unmöglich sein, diese Bilder und Berichte von Paris, Blanket und Prince fernzuhalten: Irgendwas läuft auf den vielen TV-Kanälen immer. Einer ihrer Schulfreunde, Prince’ Freundin Niki oder jemand aus Paris’ Schauspielklasse fragt vielleicht, was da gerade passiert. Oder Jermaine Jacksons Söhne, mit denen die drei viel unternehmen, plappern etwas aus. Solche Dinge finden immer ihren Weg.

Die Kinder scheinen den Verlust ihres Vaters gut verkraftet zu haben, so präsentieren sie sich jedenfalls in der Öffentlichkeit. "Unverwüstlich" seien sie, lobte La Toya in einem Interview. Doch nun wird das Drama um ihren Dad vor aller Augen neu verhandelt. Neu untersucht. Neu bewertet. Alles ist plötzlich wieder präsent.

Ist Jacksons Arzt Conrad Murray schuld am Tod des Sängers? Die Anklage zeigte u.a., welche Mengen des Narkosemittels Propofol der Kardiologe für seinen Patienten gelagert hatte. Ein Bodyguard Jacksons sagte aus, Murray habe ihn dazu aufgefordert, Ampullen verschwinden zu lassen.
Ist Jacksons Arzt Conrad Murray schuld am Tod des Sängers? Die Anklage zeigte u.a., welche Mengen des Narkosemittels Propofol der Kardiologe für seinen Patienten gelagert hatte. Ein Bodyguard Jacksons sagte aus, Murray habe ihn dazu aufgefordert, Ampullen verschwinden zu lassen.
(Foto: © Reuters)





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