Eigentlich ist Sarah Jessica Parker nach Berlin gekommen, um ihren neuen Film "Der ganz normale Wahnsinn" vorzustellen, der im November startet. Doch angesichts des zehnten Jahrestags von 9/11 muss ich sie einfach nach ihren persönlichen Erinnerungen an den Terrorakt fragen. Nichts wäre einfacher für sie, den Medienprofi, als mit einer Betroffenheitsfloskel über das Thema hinwegzugehen. Aber genau das tut sie nicht.

"Mit einem Schlag war alles so relativ. Es war eine schrecklich beängstigende Zeit", setzt sie an, um über den 11. September 2001 zu erzählen, den sie mit ihrem Mann Matthew Broderick in Manhattan erlebte. "Aber vor allem war alles so unfassbar traurig." Parker hatte damals Drehpause von "Sex And The City", der Serie, die sie in der Rolle der Carrie Bradshaw zur globalen Single- und Fashion-Ikone gemacht hatte.

"Bis an mein Lebensende werde ich diesen Tag nicht vergessen, wie jeder, der ihn vor Ort erlebt hat. Je näher man downtown wohnte, desto intensiver fühlte man die Katastrophe. Wir lebten fortan wie betäubt." Sie stockt, ein Schatten hat sich auf ihren klaren, fröhlichen Blick gelegt, dann erzählt sie weiter: "Wir verloren die gesamte Mannschaft der Feuerwehr um die Ecke. Wir kannten die Männer, hatten vorher oft mit ihnen gesprochen, mit Bob etwa. Schon vorher bekam man mit, wenn sie Kollegen bei Einsätzen verloren hatten. Aber diesmal … Es war furchtbar."

Mit Stars wie Tom Hanks und Julia Roberts unterstützte Parker den Spendenaufruf "A Tribute to Heroes": 129 Millionen Dollar kamen so für die Hinterbliebenen der Opfer zusammen. "Wir New Yorker fühlten uns kollektiv chronisch krank in unserer Trauer. Wie unter einer schwarzen Wolke, die sich einfach nicht verziehen wollte. Doch zugleich wollte wohl niemand in dieser Zeit woanders sein als genau da. Ich fühlte mich intensiver mit meiner Stadt verbunden, gerade weil so viel auf dem Spiel stand. Irgendwann pumpte man sich innerlich sogar ein bisschen auf, nach dem Motto: 'Ihr wollt uns vertreiben? Dann versucht's doch mal!'"

Sarah Jessica Parker, 46, gilt seit "Sex And The City" als eine Ikone New Yorks.
Sarah Jessica Parker, 46, gilt seit "Sex And The City" als eine Ikone New Yorks.
(Foto: © WireImage.com)

Mit dem Verlust zu leben, bedeutete eine Umstellung, auch bei Kleinigkeiten: So musste das World Trade Center digital aus dem Vorspann entfernt worden, bevor die "SATC"-Staffel fortgesetzt werden konnte.

Ihre wahre Antwort auf den Terrorakt gab Sarah Jessica Parker, als sie ein Jahr später, am 28. Oktober 2002, ihren Sohn James Wilkie zur Welt brachte. "Es ist verrückt, dass seit damals zehn Jahre vergangen sind", sagt sie am Ende des Gesprächs. Und heute? Die Schatten haben sich verzogen, sie strahlt mich an: "Die Stadt ist meine Heimat, für immer. I love New York."

Roland Rödermund




Weitere Funktionen:

Newsletter abonnieren
Text drucken


Bargeld  iTunes  iPod touch  Wagenfeld Lampe  Gala im Abo: Wählen Sie jetzt Ihr Dankeschön!