Als das Intro von "Let Me Entertain You" erklingt, donnert ein Kreisch-Orkan durchs Stadion. Feuerfontänen schießen in die Luft. Dann wird ER mit Seilen auf die Bühne herabgelassen: Robbie Williams! 85000 Fans rasten aus. Und Robbie genießt seinen Rockstar-Moment de luxe - um dann zu beweisen, dass er es immer noch draufhat.
Er tänzelt und stolziert, peitscht die Massen im Londoner Wembley- Stadion auf, druckvoll und energiegeladen. Erst beim finalen Abklatschen mit den begeisterten Fans zeigen sich Risse in der zuvor so perfekten Fassade. Hunderte von Armen recken sich ihm entgegen, und plötzlich wirkt er fast wie ein Getriebener. Sein Blick geht ins Leere. Man spürt, wie sehr die Power-Performance an seinen Kräften zehren muss.
Seit Mai rollt die Reunion-Tour der britischen Kultband Take That durch Europa. Eine gigantische Show, deren Dramaturgie vorsieht, dass Williams auch fünf Solohits wie "Angel" oder "Feel" zum Besten gibt. Ganz allein vor Zehntausenden. Abend für Abend.
Ein Leistungsdruck, der den psychisch labilen Star schon früher regelmäßig an seine Grenzen führte: Sitzen meine Songtexte? Spielt die komplizierte Bühnentechnik mit? Werde ich den hohen Erwartungen gerecht?
Und dann ist da noch die Dauerbeobachtung durch eine manchmal überkritische Presse, die sich zuletzt darüber empörte, dass Williams in den Shows viel zu oft das böse F-Wort benutze und zudem grantelte, dass er nur noch selten den richtigen Ton treffe. Am vergangenen Wochenende gab es dann sogar Gerüchte, Williams’ Lebensmittelvergiftung sei nur ein vorgeschobener Grund für die Konzert-Absage in Kopenhagen gewesen …
Zu viel Stress für Robbie? Prompt werden besorgte Stimmen laut: Der Sänger könne bei diesem Dauerdruck erneut zu Alkohol, Medikamenten und Drogen greifen. So wie 2006, als ihn die Strapazen seiner bis dato letzten Solo-Tour und seine damals schlimme Bühnenangst in die Knie zwangen.
"Mit Robbie ist alles in bester Ordnung", gibt sein Umfeld jetzt Entwarnung - auch wenn ihn, wie jetzt bekannt wurde, der plötzliche Tod von gleich drei Freunden belastet und er zuweilen ausgelaugt wirkt. Dass er heute damit umgehen kann, hat er auch seiner Frau Ayda Field, 32, zu verdanken hat. "Sie gibt Williams endlich den emotionalen Halt, nach dem er jahrelang suchte. Er hat in ihr eine Seelenverwandte gefunden; einen Menschen, auf den er sich hundertprozentig verlassen kann", sagt Borwin Bandelow.
Der Göttinger Psychiater attestierte Williams bereits 2006 in seinem Buch "Celebrities - vom schwierigen Glück berühmt zu sein" eine Persönlichkeitsstörung. Aber die Tatsache, dass Williams mittlerweile seit mehreren Jahren mit derselben Frau zusammenlebt, ist für Bandelow nun der Beweis, wie gut er seine Probleme in den Griff bekommen hat. Früher bezeichnete Robbie Williams sich selbst als beziehungsunfähig, heute macht ihn seine Frau glücklich.









Text empfehlen über:
Weitere Funktionen:
Newsletter abonnierenText drucken