Starporträt

Philip Seymour Hoffman

Philip Seymour Hoffman war das Gesicht von Otto Normalverbraucher. Dass ihm der Wechsel in jede Rolle so nahtlos gelang, lag einzig und allein an seinem Talent

Bekannt als Philip Seymour Hoffman
Vorname Philip Seymour
Name Hoffman
Geburtstag 23. Juli 1967
Todestag 2. Februar 2014
Alter 46 Jahre
Geburtsort USA / New York / New York City
Größe 1,77 m
Sternzeichen Löwe

Was Sie wissen sollten - Biografie

Schauspieler Philip Seymour Hoffman landete durch Zufall in seinem Fach. Auf der Highschool in seiner Heimat Fairport in New York war er zunächst Baseballspieler, wurde dann Ringer - musste aber verletzungsbedingt aufhören. Doch Philip tauschte die Ringermatte gegen die Theaterbühne. Mit Begeisterung! In der Schule hatte er das Stück "All My Sons" gesehen - die Initialzündung für seine Bestimmung. "Ich habe es geliebt", so Hoffman, "Ich dachte, dass Theater das Wundervollste auf der ganzen Welt sein muss." Selbst mitgespielt hat er dann zum ersten Mal in "Tod eines Handelsreisenden", auch an der Schule. Unheilbar infiziert mit dem Schauspiel-Virus studierte Philip Seymour Hoffman an der "Tisch School of the Arts" (der Schauspiel-Fakultät der "New York University") und machte dort seinen Abschluss.

Doch der anschließende Berufsstart war hart. "Nicht nur, dass ich keinen Job als Schauspieler finden konnte - es gelang mir auch nicht, die Nebenjobs zu behalten. Ich wurde als Kellner im Restaurant gefeuert und auch als Bademeister in einem Spa", erzählt Philip Seymour Hoffman. "L.A. war anfangs schrecklich. Ich wusste nicht, welches Skript gut oder schlecht war. Und wenn ich nach einem Vorsprechen nicht angerufen wurde, starb ich tausend Tode." Die Devise? Durchhalten! Eines hat Philip während dieser Zeit gelernt: "Du darfst das nicht wegen des Geldes machen, man muss den Job wirklich lieben." Das tat er - und tut es noch.

"Andere Leute sind anderer Meinung, aber für mich war 'Duft der Frauen' wirklich mein Durchbruch. Ich arbeitete in einem 'Deli', als ich für diesen Film gecastet wurde und musste seither nie wieder einen nicht-schauspielerischen Job machen. Das ist wunderbar", so Philip Seymour Hoffman.

Er wurde zum Herrn der Nebenrolle: "The Big Lebowski", "Patch Adams", "Der talentierte Mr. Ripley", "Unterwegs nach Cold Mountain". Ja, Philip Seymour Hoffman war dabei. Wirklich. Ganz unauffällig. Ein konturloser Formwandler, der in der Rolle aufhört, er selbst zu sein - Hollywoods Chamäleon. "Er macht sich hässlich bis zum Gehtnichtmehr. Ob ihn jemand mag, ist ihm egal. Er sagt das Unaussprechliche, tut das Unmögliche und nimmt die Konsequenzen in Kauf. Er wird zwar nie 20 Millionen Dollar für einen Film bekommen, aber er wird immer Arbeit haben und die faszinierendsten Rollen spielen", sagt Regisseur Joel Schumacher über Philip Seymour Hoffman. Die härtesten Anforderungen stellt der Schauspieler dabei aber an sich selbst. "Schauspielen ist so schwierig für mich, dass ich - so lange ich nicht meine Erwartungen an mich erfüllt habe - unglücklich bin", so Philip.

Seine erste richtig große Hauptrolle übernahm Philip Seymour Hoffman erst 2003 in "Owning Mahowny". Doch der Wechsel vom Neben- ins Hauptfach zahlte sich aus: Als Hauptdarsteller des biografischen Films "Capote" gewann er 2006 einen Oscar. Die Dankesrede widmete er seiner Mutter Marilyn. "Sie hat vier Kinder allein großgezogen", sagte Philip vor Millionenpublikum. Seine Eltern hatten sich scheiden lassen, als er neun Jahre alt war.

Ansonsten hielt er sein Privatleben bedeckt - es war ebenso unauffällig wie er selbst. Man weiß: Seit 1999 war Philip mit der Kostümdesignerin Mimi O'Donnell zusammen. Sie trugen keine Eheringe - bekamen aber drei Kinder. Wie erst nach seinem Tod am 2. Februar 2014 bekannt wurde, trennte sich das Paar kurz vor seinen tragischen Ableben, soll aber weiterhin freundschaftlichen Kontakt gepflegt haben.

Mit seiner Familie lebte Hoffman eher zurückgezogen in Lower Manhattan. "Ich bin am liebsten zu Hause und mache gar nichts", sagte Philip Seymour Hoffman einmal. Mit wenigen Ausnahmen: Er liebte Sportveranstaltungen, spielte gern Tennis und las viel. Drehbücher? Sicher, die auch. Aber eben nicht nur: "Ich arbeite längst nicht so viel, wie ihr glaubt."

Zuletzt konnte er sich über zu wenige Engagements nicht beklagen: 2011 sah man ihn in dem von Brad Pitt produzierten "Moneball", 2012 spielte er in "Die Iden des März" an der Seite von George Clooney und Ryan Gosling. Seine Rolle als Sektenführer "Lancaster Dodd" in dem Drama "The Master" brachte ihm 2013 zahlreiche Filmpreise ein. Seit dem Jahr war er außerdem in der Sci-Fi-Reihe "Die Tribute von Panem" als Spielmacher "Plutarch Heavensbee" zu sehen. Neben Teil 3 der Abenteuerreihe starten 2014 mit "God's Pocket" und "A Most Wanted Man" zwei weitere Filme mit Philip Seymour Hoffman.

Doch es scheint, als seien dem Schauspieler seine zahlreichen Verpflichtungen über den Kopf gewachsen. Seit seinem Abschluss an der "Tisch" war er drogensüchtig, Hoffman hielt damals dem Erfolgsdruck nicht stand. Mit 22 Jahren machte er einen Entzug, lebte danach über 20 Jahre lang clean. Im Mai 2013 wurde bekannt, dass der damals 45-Jährige einen Rückfall erlitten hatte. Erst nahm er rezeptpflichtige Medikamente, Beruhigungs- und Schmerzmittel - so viel, wie er eben bekam. Als die nicht mehr ausreichten, zog er sich Heroin durch die Nase. Das allerdings nur eine Woche lang, bevor er erkannte, dass er Hilfe brauchte, wie er laut "TMZ" erzählte. Er machte erneut einen Entzug - der ihn aber nicht endgültig auf die richtige Bahn gebracht hat: Philip Seymour Hoffman wurde am Morgen des 2. Februar 2014 tot im Badezimmer seiner New Yorker Wohnung gefunden. In seinem Arm soll noch eine Spritze gesteckt haben - die Behörden gehen daher davon aus, dass Hoffman an einer Überdosis Heroin gestorben ist.

Jessica Wagener, Aktualisierung: Deborah Löffler

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