Starporträt

Oscar Pistorius

30 Jahre

Vom umjubelten Sportstar auf die Anklagebank: Der beinamputierte Oscar Pistorius legte eine eindrucksvolle Karriere hin - bis zum großen Skandal: 2013 erschoss er seine Freundin

  • Geboren , Sandton, Johannesburg / Südafrika
  • VornameOscar Leonard Carl
  • Name Pistorius
  • Grösse 1.86 m
  • Sternzeichen Skorpion
  • Partner Reeva Steenkamp (2012-2013)

Biografie von Oscar Pistorius

Sechs Goldmedaillen bei den "Paralympics", mehrere internationale Titel und die Teilnahme an den Olympischen Spielen in London machten den "Blade Runner" berühmt. Der beinamputierte Spitzensportler galt Millionen Menschen als Vorbild, bis seine Erfolgsgeschichte ein jähes Ende nahm. Im Februar 2013 erschoss er seine Freundin , wegen fahrlässiger Tötung sitzt er hinter Gittern.

Sport trotz Prothesen

Oscar Pistorius erblickte in der "Sandton Clinic" im südafrikanischen Johannesburg das Licht der Welt. Doch das Baby litt an einer Fehlbildung: Oscar fehlten die Wadenbeine und die äußere Seite der Füße. Jetzt war es an den Eltern, eine schwere Entscheidung zu treffen. Nach elf Monaten entschieden sie sich für die Amputation. Da Oscar damals noch ein Baby war, konnte er sich recht unproblematisch an die Prothesen gewöhnen. Später versicherte er selbst, dass er nie Probleme damit hatte. Als Kind fuhr er Rollschuh und Fahrrad, kletterte auf Bäume und Berge und liebte es, sich mit seinem jüngeren Bruder Carl zu messen. Für Oscar selbst war es ganz einfach: Er hatte eben keine Unterschenkel, eine Behinderung hätte er das nie genannt. "Ich habe Limits, aber jeder hat irgendwo Limits. Und ich habe Talente." In der Highschool spielte Oscar zunächst Cricket, Rugby und Tennis. Als er sich 2003 beim Rugbyspielen verletzte, fing er in der Reha-Phase mit dem Laufen an. Während ihn als Kind die schweren Prothesen beim Rennen behindert hatten, bekam er dank der fortschreitenden Technik nun ordentliche Geräte an die Beine: seine 'Cheetahs' - Gepardenbeine - wurden später weltberühmt. Am 28. Januar 2004 nahm Oscar erstmalig an einem Rennen für die Schule teil, trat als einziger Behinderter an - und gewann. Die 100 Meter lief er in atemberaubenden 11,72 Sekunden. Von nun an war klar: Auf Oscar wartete eine Karriere im Behindertensport.

Aufstieg in den Sportolymp

Im selben Jahr trat Oscar bei den Paralympics in Athen an und holte sich die Goldmedaille über 200 Meter sowie Bronze über 100 Meter. Ab jetzt feierte der 'fastest man on no legs' einen Erfolg nach dem anderen: Bei den Paralympischen Spielen gewann er insgesamt sechs Goldmedaillen über 100, 200, 400 und 4 x 100 Meter. Damit gab sich der ehrgeizige Läufer aber nicht zufrieden: Oscar wollte bei den Olympischen Spielen antreten. Nachdem ihm der Leichtathletikverband IAAF die Teilnahme zunächst verweigerte, hob 2008 der Sportgerichtshof CAS die Entscheidung auf. Daraufhin ging Oscar im Jahr 2011 im südkoreanischen Daegu als erster beinamputierter Läufer einer WM, der gegen Nichtbehinderte antrat, in die Geschichte ein. Ein Jahr später erfüllte sich der langersehnte Traum: Oscar ging bei den Olympischen Spielen 2012 in London für die '4 x 400 Meter'-Staffel an den Start und erreichte mit seinen Teamkollegen den achten Platz.

Skandal und Absturz

Am Valentinstag 2013 nahm die Erfolgsgeschichte von Oscar ein schreckliches Ende, als seine Freundin mit mehreren Schusswunden tot in seinem Haus aufgefunden wurde. Oscar und das südafrikanische Model Reeva Steenkamp waren seit dem Herbst 2012 ein Paar. In der Nacht zum 14. Februar dann der Skandal: Oscar erschoss seine Freundin durch die geschlossene Badezimmertür. Der Sprinter versicherte, es sei ein Versehen gewesen, er vermutete Einbrecher im Haus. Die Staatsanwaltschaft warf ihm hingegen Vorsatz und Mord vor.

Der Fall Pistorius

Zwar sprach die Richterin den Angeklagten vom Vorwurf der vorsätzlichen Tötung frei, doch verurteilte sie ihn wegen fahrlässiger Tötung an seiner Freundin Reeva Steenkamp. Am 21. Oktober 2014 wurde der frühere Spitzensportler zu fünf Jahren Gefängnis sowie zu drei weiteren Jahren auf Bewährung wegen illegalen Waffengebrauchs verurteilt. Seitdem sitzt der frühere Spitzensportler hinter Gittern. Das reichte der Staatsanwaltschaft aber nicht: Sie fand das Urteil zu milde und ging in Berufung. Im Frühjahr 2015 wurde die Berufung zugelassen, im Dezember desselben Jahres sprach das Berufungsgericht Pistorius des Mordes mit verminderter Tötungsabsicht schuldig. Im Jahr 2016 wurde dann das vorgesehene Strafmaß von 15 Jahren wegen mildernder Umstände auf sechs Jahre Haft herabgesetzt. Die Verteidigung von Pistorius verkündete kurz nach dem Urteil, nicht in Berufung gehen zu wollen.

Selbstmordversuch hinter Gittern?

Im Sommer 2016, nachdem Oscar Pistorius schon mehrere Jahre hinter Gittern verbracht hatte, machte ein angeblicher Selbstmordversuch weltweit Schlagzeilen. Am 6. August wurde der ehemalige Sprinter wegen Schnittverletzungen an den Handgelenken in ein Krankenhaus eingeliefert. Während es von offizieller Seite hieß, Pistorius habe sich die Verletzungen bei einem Sturz aus seinem Bett versehentlich zugezogen, behauptete ein Mitinsasse, er habe sich die Schnitte absichtlich zugefügt. Was tatsächlich geschehen ist, bleibt wohl für immer sein Geheimnis, doch sicherheitshalber wurde er im Krankenhaus von zehn Wärtern bewacht. In Lebensgefahr schwebte er jedoch nicht. Ob es das schlechte Gewissen war, die unsägliche Schuld am Tod seiner Freundin, die Oscar nicht mehr ertragen konnte und mit seinem eigenen Tod entkommen wollte? Selbstmordversuch oder ein gewöhnlicher Unfall? Diese Fragen werden uns wohl nie beantwortet werden, genauso wie wir sicherlich nie erfahren werden, was wirklich in der dramatischen Nacht zum 14. Februar 2013 in Pistorius' Haus in Pretoria geschehen ist: War es ein tragisches Versehen oder ist Oscar Pistorius ein kaltblütiger Killer?