Starporträt

Jan Böhmermann

36 Jahre

Dank des Skandals um das Schmähgedicht und seinem kontroversen Humor wurde Jan Böhmermann vom Nischenkomiker zur Staatsaffäre

  • Geboren , Bremen / Deutschland
  • VornameJan
  • Name Böhmermann
  • Grösse 1.9 m
  • Sternzeichen Fische
  • Partner verheiratet 

Biografie von Jan Böhmermann

"Fußball ist wie Schach – nur ohne Würfel!" - mit diesem sinnfreien Spruch aus seiner Lukas-Podolski-Satire "Lukas' Tagebuch" gelang das Kunststück, dass manch einer das Zitat sogar dem legendären Fußballspieler selbst zuschreibt. Immer wieder sorgt mit kontroversen Aktionen und polarisierenden Behauptungen für Aufsehen, aber auch Gelächter - und avanciert so zum Showmaster, der Erbe antreten kann.

Vom Journalist zum Entertainer

Der gebürtige Bremer startete 1997 seine Karriere als Journalist bei der Bremer Tageszeitung "Die Norddeutsche", bevor er zwei Jahre später zu "Radio Bremen" wechselte und sich als Moderator versuchte. Hier kam sein komödiantisches Talent zum Vorschein, das er später auch beim "WDR", "hr3", "RTL" und bei "1live" nutzte, um an Popularität zu gewinnen. Sendungen wie "echt Böhmermann", "TV Helden" und "Lateline" katapultierten den "sympathischen Frauenflüsterer" - wie er sich selbst nennt - in die oberen Ränge der deutschen Entertainer-Szene und brachten ihm unter anderem den "Deutschen Fernsehpreis" in der Kategorie "Beste Comedy" ein. Den Grimme-Preis erhielt Jan Böhmermann gleich dreimal: 2014 für das "Neo Magazin", mit dem er im ZDF die Gemüter sowohl belustigt als auch erhitzt, 2016 in der Kategorie "Unterhaltung/Spezial/Innovation" für den #Varoufake und im Jahr darauf für #Verafake/Einspielerschleife.
 

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Harald Schmidt ist sein Vorbild

Jan Böhmermann lernte sein Metier von einem der Besten: Harald Schmidt, dem König des Late-Night-Entertainments. 2009 durfte er zu dessen Ensemble im Ersten stoßen, und seither ist Schmidt sein großes Idol. Was ihn an ihm so begeistert? "Diese Mischung aus Qualität und unglaublicher Dreistigkeit", zitierte ihn die "Welt". Auch mit machte Böhmermann schon gemeinsame Sache. 2011 stellten die zwei Spaßvögel die Improvisationskabarettshow "Zwei alte Hasen erzählen von früher" auf die Beine, mit der sie durch Deutschland tourten. Außerdem moderierten Böhmermann und Heufer-Umlauf vom November 2011 bis September 2012 eine gleichnamige Sendung auf "Radio Eins". Mit als Kollege machte er seitdem mit "Sanft und Sorgfältig" den deutschen Rundfunk unsicher, ehe er 2016 dem öffentlich-rechtlichen Radio den Rücken kehrte und mit und dem neuen Titel "Fest und Flauschig" bei Spotify anheuerte.

Privat bleibt er geheimniskrämerisch

Was im Privatleben von Jan Böhmermann so passiert, weiß kaum jemand, denn zu dem Thema schweigt er sich - ganz ungewohnt - aus. Ist er verheiratet? Hat er eine Freundin? Oder gar Kinder? Fest steht einzig, dass er bei einer Frau "Umkompliziertheit, Humor, Offenheit" zu schätzen weiß. Was soziale Medien angeht, so ist der Fernseh- und Radiostar derweil sehr engagiert. Auf YouTube sind seine Videos richtige Klick-Köder, bei
Twitter folgen ihm über 1,4 Millionen Fans. Dort stellt er ulkige Beobachtungen rund um die Medien auf und begeistert seine Follower mit allerhand lustigem Zeugs von Quatsch bis Satire.

Nummer sicher? Nichts für Jan Böhmermann

Dank seiner Twitter- und Facebook-Präsenz wird Jan Böhmermann immer öfter als Fachmann in Sachen Medien bezeichnet, er selbst weiß, dass er den Menschen damit seinen "offenen Hals" hinlegt. "Es ist manchmal befreiend, über die private Haltung zu schreiben, anstatt ständig im On-Air-Modus zu sein und auf alles zu achten", sagte er einst "RPonline.de", betonte aber auch, damit sich auch manchmal "eine Schelle" einzufangen.

"Aber es führt zu nichts, wenn man es nicht riskiert. Es ist schön, den unnahbaren Ironiker zu geben, es ist aber auch manchmal sehr befreiend, es nicht zu tun."

Die Kritik, die ihm entgegenschlägt, lässt ihn zwar nicht immer kalt, ist für ihn aber auch ein Muss. Denn von jedem möchte er nicht gut gefunden werden. Im Gespräch mit dem "Playboy" stellte er klar: "Kannste vergessen, dann ist es vorbei, dann hör ich auf."

Die Böhmermann-Affäre

Einer, der ihn sicherlich ganz und gar nicht gut findet, ist der türkische Staatspräsident Erdoğan. Im Frühjahr 2016 erhitzte Böhmermann in seiner satirischen Late-Night-Show "Neo Magazin Royale"  mit einem Schmähgedicht auf den Präsidenten die Gemüter und heimste sich damit einen äußerst prominenten Feind ein. Dabei wollte Böhmermann mit seinem Gedicht voller Beleidigungen lediglich die Grenzen von Satire aufzeigen – er distanzierte sich mehrfach von den Inhalten und machte deutlich, ab welcher Schwelle man sich in Deutschland strafbar mache. Doch das war wohl zu viel des Guten und ging nach hinten los. Das ZDF entfernte den Beitrag aus seiner Mediathek und ruderte zurück. Neben über 20 Anzeigen von Privatpersonen eröffnete die Staatsanwaltschaft Mainz im April 2016 ein Strafverfahren gegen Böhmermann wegen des Verdachts der Beleidigung von Organen und Vertretern ausländischer Staaten. Einige Tage später stellte selbst der Betroffene Erdoğan einen Strafantrag wegen Beleidigung. Endgültig zur Staatsaffäre entwickelte sich die Causa Böhmermann als die Bundesregierung die Ermächtigung erteilte, ein Strafverfahren nach Paragraf 103 gegen ihn einzuleiten. Wochenlang stand Böhmermann in Folge der Ereignisse unter Polizeischutz, wurde bedroht, zog sich aus der Öffentlichkeit zurück und pausierte seine TV- und Radiosendung. Auch den Auftritt bei der Verleihung des Grimme-Preises 2016 sagte er ab, obwohl er für den genialen "Varoufake" seinen zweiten Grimme-Preis überreicht bekommen sollte. Wie die juristischen Verfahren ausgehen, bleibt abzuwarten. Ebenso wie künftig im deutschen Fernsehen mit Satire umgegangen werden kann und wo die Kunstfreiheit ihre Grenzen finden muss.

Die Abrechnung mit der deutschen Poplandschaft

Doch trotz allem wird Böhmermann nicht müde, sich Feinde zu machen. Im April 2017 legte er sich mit der deutschen Musikindustrie, insbesondere mit Sänger Max Giesinger, an. In einer Ausgabe seines "Neo Magazine Royale" knöpfte er sich anlässlich der anstehenden Echo-Verleihung die deutsche Popszene vor. Die Vorwürfe: Einheitsbrei, Schlager im neuen Gewand, Imitation von Tiefgründigkeit bei kompletter Austauschbarkeit, Product Placement in Musikvideos, Massenware und beliebige Texte – so könnte man Böhmermanns 20-minütige Hasstirade zusammenfassen. Doch ein Jan Böhmermann stänkert nicht nur, am Ende der Kritik präsentierte er sein eigenes, musikalisches Werk. Affen aus dem Gelsenkirchener Zoo wählten zufällig Sätze aus Werbeslogans und Tweets von Youtube-Stars aus und schufen so den Song "Menschen Leben Tanzen Welt" von Jim Pandzko feat. Jan Böhmermann. Ziel der ganzen Aktion ist ein Echo-Gewinn für die niedlichen Äffchen im Jahr 2018. Ob Böhmermann das gelingt, bleibt abzuwarten, doch die Chancen stehen nicht schlecht. Innerhalb kürzester Zeit stürmte der sinnbefreite Track "Menschen Leben Tanzen Welt" die Spitze der iTunes- und Amazon-Charts.

Chapeau, Herr Böhmermann!

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