Starporträt

Christoph Waltz

Der "Basterd" aus Österreich - Christoph Waltz holt 2010 einen Oscar nach Europa und wird dafür von allen geliebt und verehrt

Bekannt als Christoph Waltz
Vorname Christoph
Name Waltz
Geburtstag 4. Oktober 1956
Alter 57 Jahre
Geburtsort Österreich / Wien
Sternzeichen Waage

Was Sie wissen sollten - Biografie

Ausgerechnet in einer seiner ersten Filmrollen war Christoph Waltz Tristan. Der archetypische junge Held, ein Liebender gegen alle Widerstände. 1982 in "Feuer und Schwert - die Legende von Tristan und Isolde" war das. Doch sein Weg in der Bewegtbildindustrie sollte ein anderer werden.

1982 war Waltz zarte 25 Jahre alt. Kurz zuvor zum ersten Mal Vater geworden. Und an einigen der besten vorstellbaren Schauspielschulen ausgebildet, zunächst am Max-Reinhardt-Seminar in seiner Heimatstadt Wien; später dann am legendären Lee Strasberg Institute in New York. Er hatte in Zürich, Köln, Hamburg, Frankfurt, Wien und Salzburg Theater gespielt - das lag in der Familie, alles Theaterleute da. Nun plötzlich war er ein Sagenprinz aus Cornwall, hübsch gelockt, englisch sprechend, zungenküssend. Schade eigentlich, dass er nicht ein wenig länger in diesem Metier geblieben ist.

Heimisch wurde Waltz jedoch im Fernsehen, in Kriminalfällen von "Ein Fall für zwei" und "Derrick" über "Der Alte" und "Kommissar Rex" bis hin zu "Polizeiruf 110" und "Tatort" war er dabei. Meist als Biedermann mit Brandstifter-Neigung. Sein unauffällig-freundliches Gesicht macht ihn perfekt für die Rolle des im Hintergrund Bösen. Seine zwei ganz großen, Grimmepreis-gewürdigten Auftritte, die hatte er im TV. "Der Tanz mit dem Teufel - Die Entführung des Richard Oetker" sowie die Fernsehbiografie "Du bist nicht allein - Die Roy Black Story" - schaut man sich den intellektuellen Theatermann Christoph Waltz an, so fragt man sich, ob er selbst sein berufliches Highlight ausgerechnet in einer Sat1-Produktion erwartet hätte.

Zum Glück ist Waltz ja noch jung, es war Platz für ein weiteres Highlight: die Bastardisierung des Thespian durch Quentin Tarantino. Als SS-Standartenführer Hans Landa in Tarantinos 2009er Film "Inglourious Basterds" ist Waltz so absolut am richtigen Platz, dass man sich niemals mehr einen anderen in der Rolle vorstellen kann. Er spielt Brad Pitt an die Wand. Er spielt so gut, dass selbst die Wand der Hütte, in der er die ersten 20 Minuten leise, lächelnd und mehrsprachig Bauern in Angst und Schrecken versetzt und Juden sucht, zurückweicht, damit für Waltz mehr Platz auf dem Zelluloid bleibt. Cannes, Venedig, SAG-Awards, Golden Globes, BAFTA-Awards – von 2009 bis 2010 kassiert der Österreicher fast 20 Preise für seinen Landa, badet im weltweiten hysterischen Lob, gibt Interview um Interview, bandelt ein bisschen mit Hollywood an und hält schließlich am 7. März 2010 einen Oscar als bester Nebendarsteller in den Händen. Da ist er wieder, der Held.

Irgendwo auf dieser Strecke ist der blasse Mann mit dem Gesicht einer Vertreters sogar sexy geworden, das macht der Erfolg. Und genau deswegen streckt Hollywood nun auch die grell lackierten Krallen nach unserem Christoph aus. Filme mit Reese Witherspoon, Cameron Diaz und Kevin Costner stehen bevor. Und wenn der Waltz ausgebucht ist, dann erbt auch schon mal ein Viggo Mortensen seine Rolle. Waltz genießt den amerikanischen Enthusiasmus, die Leidenschaft fürs Filmemachen. Der deutsche Krimi und das Burgtheater müssen eben so lange Verzicht üben.

Der Mischung aus Veränderung und Reproduktion macht den Bastard stärker als das Reinrassige, hat Waltz der "Süddeutschen Zeitung" mal im Interview erklärt. Nun kann Hollywood diesen "Basterd" stärker machen. Wir haben alle was davon.

Claudia Fudeus