Starporträt

Agyness Deyn

Mode-Muse, Model, Schauspielerin: Die Britin Agyness Deyn kann vieles. Und ist trotzdem anders als alle anderen - und zwar sehr gewollt

Bekannt als Agyness Deyn
Vorname Laura
Name Hollins
Geburtstag 13. Februar 1983
Alter 33 Jahre
Geburtsort Manchester, England, UK
Größe 1,74 m
Sternzeichen Wassermann

Biografie:
Was Sie über Agyness Deyn wissen sollten

"Flick your Bean for Agyness Deyn," meint übersetzt "Machs dir selbst mit Agyness Deyn," und kreischte 2008 in neongrünen Lettern vom hippen "House of Holland"-Partyshirt. Agyness ist Phänomen und Gesicht der auferstandenen englischen Modeszene. Laut und hemmungslos feierte sich Britannien zurück in den Modeolymp - mit Miss Deyn als DocMartens-besohlter Anführerin.

Das Mädchen hinter der Mode-Muse

Haare schwarz, Haare pink, Haare kariert, dann Kahlschlag! Bereits mit 11 Jahren hat Agyness Deyn ihren eigenen Kopf. Altersgenossinnen legen ihr Styling in die mütterlichen Hände, die nordenglische Rotzgöre mit den großen, blauen Augen hat den Blick für das Wesentliche: Karatestunden statt Ballettgehüpfe, The Clash statt Boygroup. Und immer so gestylt, dass man besonders einem gefällt: sich selbst. Zu präpubertären Zeiten heißt Agyness noch Laura Hollins und wächst in Littleborough nahe Manchester im Sandwich zwischen Bruder Greg und Schwester Emily auf. Mama Lorraine ist eine spirituelle Krankenschwester mit Reiki-Kräften. Im Hause Hollins herrschen positive Energien. "Laura wurde spirituell geeicht, als sie 14 wurde", verrät Mutter Lorraine und erklärt die eine Hälfte von Töchterchens Erfolgsgeheimnis: das innere Leuchten. Die andere Hälfte: Ehrgeiz! "Models arbeiten hart für ihren Erfolg und ich will die Beste sein."

Von Persönlichkeit und Wiedererkennungswert

1,78 m, kaum Brust, kantiges Gesicht. Ihr Körper erinnert an Ringkampfbahn, nicht an Runway. Weiblich-wallende Wellen - Fehlanzeige. Stattdessen zunächst ein strahlend blonder Strubbelschnitt und dominante Augenbrauen. Trotzdem oder deshalb: In London, Paris, Mailand, New York wollte man nicht mehr ohne sie. Erst die Brasilianerinnen, dann die Russinnen, daneben Agyness. Ihr Wiedererkennungswert sprengt ihre Gagen, macht sie im November 2007 zum "Model of the Year" und zur neuen Kate Moss. Das "Tatler"-Magazin kürt sie im Januar 2008 zur "Best dressed female of the Year". Die Fashion-Bibel "i-D" widmet ihr im Mai 2008 eine komplette Ausgabe. Sie wird das Gesicht von Hugo Boss, Armani, Mulberry, Burberry. Sie war auf der Vogue, auf der Elle, auf der New York Times. "Es gibt keine andere, die aussieht wie sie. Sie ist die personifizierte Lebenslust. Sie ist genau das, was die Designer wollen. Und sie verpasst allem ihre eigene Persönlichkeit", meint Designerin Anna Sui. "Ich bin zwar nicht so hübsch wie die anderen Mädels, aber ich steche heraus", meint Miss Deyn. Und ihre Oma wusste das schon immer.

Der etwas andere Weg zum Erfolg

Die nervt im Jahr 1996 und nur deshalb macht Laura mit: Sie ist 14, als sie ihren ersten Modelcontest gewinnt. Zwei Jahre später wird sie "Face of Rossendale". Modelagenturen klopfen an, doch Laura macht die Schule fertig. Nebenbei serviert sie fettig-frittierten Fisch in der lokalen Imbissbude und ist trotzdem hungrig nach mehr. 2001 zieht Laura nach London, zum Schauspielern, Musik machen, kreativ sein - Leben eben! Zusammen mit Teenie-Freund Henry Holland wird sie zu Nordlondons Szene-Prominenz: Londons frivoles Traumpaar ist stets da, wo die Bude brennt. Man ernährt sich von Toast und Bohnen und investiert das kellnernd verdiente Geld in Modemagazine und Flohmarktklamotten. 

Lohnt sich und Laura wird entdeckt, beim Shoppen. Ihr erster Agent rät ihr 2002 zur Typveränderung: "Längeres Haar, bitte! Verkauft sich besser!" "Aber ich bin nicht kommerziell", antwortet sie in Oversize-Blazer, Hosenträgern und Ringelsocken. Ihr Look kennt keine Konventionen und braucht eigentlich nur noch einen Namen. Mutter Lorraine und ihre Freundin befragen den Kosmos. Die Antwort: Geschichtsträchtige Familiennamen "Agnes" und "Dean" gepaart mit numerologischen Buchstabenspielereien - AgynessDeyn ist geboren und wird direkt von oberster Hand getauft: "Ihr Stil ist kompromisslos," bestimmt Vogue-Göttin Anna Wintour und beschließt Agyness' Schicksal als modische Must-Have-Muse des Jahrzehnts.

Das Ende der Modelkarriere

Doch dann setzte Agyness Deyn andere Prioritäten. Sie modelt immer weniger, gab es schließlich sogar ganz auf, um mehr Zeit mit ihrem Freund zu verbringen, mit dem sie damals zusammen war, dem Sänger Miles Kane. Die Medien berichteten, das Agyness vom Modeln gelangweilt sei, so sagte sie 2012 etwa zu "The Independent": "Ich glaube, ich habe offiziell mit dem Modeln aufgehört. Ich habe das ja jetzt schon eine ganz schöne Weile nicht mehr gemacht. Ich glaube, vor vier Jahren ungefähr, da haben sich meine Gefühle gegenüber der Branche geändert. Ich habe es nicht gehasst, aber ich wollte einfach etwas Anderes tun." Und damit meint sie ihre Schauspielkarriere. Sie hatte längst einen Schauspiel-Agenten eingestellt, der ihr helfen sollte, Rollen in britischen Independent-Filmen zu bekommen.

Agyness als Schauspielerin und Designerin

Lange hat es nicht gedauert: 2010 sah man sie als die griechische Göttin Aphrodite in "Kampf der Titanen", 2011 war sie eine Kriegerin in dem Musikvideo zu "Iron", dem Debütsong des Sängers Woodkid. 2012 hatte sie es sogar auf die Theaterbühne, die West End Stage, geschafft. Doch die große Leinwand war ihr – trotz toller Kritiken für ihre Theaterperformance – wohl doch lieber. Sie sicherte sich die weiblichen Hautrollen in den Filmen "Sunset Song" und in "Electricity", ein Film, in dem es um die Reise einer jungen Frau mit Epilepsie geht. 2015 konnte man sich die schöne Britin außerdem in dem Horror-Film "Patient Zero" angucken. Und sogar mit George Clooney hat sie schon gedreht: In "Hail, Caesar!", der Anfang 2016 in die Kinos kam, ergatterte sie eine kleine Rolle.

Der Mode hatte sie aber wohl doch noch nicht so ganz abgeschworen: 2010 designten Agyness und ihre kleine Schwester Emily für das Label "Uniqlo" T-Shirts, 2012 begann sie, für die Marke Dr. Martens Accessoires, Schuhe und Kleidung zu kreieren. Und all das tat sie nun mit langen, braunen Haaren, nicht mehr mit blondem Buzzcut.

Alles auf Anfang für Agyness Deyn?

Und dann, ganz unerwartet, sah man sie wieder auf dem Runway. Für das Modehaus Saint Laurent präsentierte sie im Herbst 2015 in Paris die neuen Entwürfe für die Saison Frühjahr/Sommer 2016. Im Publikum: Agyness-Fan Anna Wintour. Und so konnte man in der amerikanischen Vogue kurz darauf lesen, dass man Deyn seit der Giles-Modenschau für das Frühjahr 2011 nicht mehr auf dem Laufsteg gesehen hatte. Deyn sehe heute "cooler aus als je zuvor". Und es sei großartig, sie endlich wieder da zu sehen, wo sie hingehöre. Stimmt.