Berlinale-Auszeichnungen: Nina Hoss, Martina Gedeck
© Getty Images Nina Hoss, Martina Gedeck

Berlinale-Auszeichnungen Lasst euch überraschen

Auch der Abschluss der 57. Berlinale war ein echter Klassiker: Es gewann ein Film, mit dem wenige gerechnet und den wenig mehr gesehen hatten. Und zwei deutsche Frauen hatten gut lachen

Jury der 57. Berlinale: Schauspieler Mario Adorf, Produzentin Nansun Shi, Schauspieler Willem Dafoe, Cutterin Molly Malene Stensgaard, Schauspieler Gael Garcia Bernal und Schauspielerin Hiam Abbass
© GettyJury der 57. Berlinale: Schauspieler Mario Adorf, Produzentin Nansun Shi, Schauspieler Willem Dafoe, Cutterin Molly Malene Stensgaard, Schauspieler Gael Garcia Bernal und Schauspielerin Hiam Abbass

Wer hat das Rennen um den Goldenen Bären gemacht - "Der gute Hirte", "Irina Palm" oder "La Vie en rose"? Alles Filme, die auf der Berlinale von vielen Gäste gesehen und gemocht wurden. Doch den großen Bären erhielt ein Film, der zwar Lob erhielt, aber sicher nicht in aller Munde (und auf aller Wettschein) war: die chinesische Produktion "Tuyas Ehe" gewann den wichtigsten Preis des Filmfestes. In ihm kämpft die Hirtenfrau Tuya mitten in der mongolischen Steppe um das Überleben ihrer Familie samt behindertem Ehemann.

Den Goldenen Bären gab es für "Tuyas Ehe" - hier Hauptdarstellerin Nan Yu und Regisseur Qan-An Wang
© GettyDen Goldenen Bären gab es für "Tuyas Ehe" - hier Hauptdarstellerin Nan Yu und Regisseur Qan-An Wang

Ein Exotenfilm, aber: Denkt man an den erstaunlichen Publikumserfolg der Geschichte vom weinenden Kamel (Hirtenfamilie kämpft um das Überleben eines Kamels) in den deutschen Kinos - wer weiß, ob nicht auch "Tuyas Ehe" nicht nur auf der Berlinale-Bühne, sondern auch an der Kinokasse überzeugen kann.

Ein Bär für Nina Hoss

Ebenso überrascht wie das chinesische Team war die deutsche Schauspielerin Nina Hoss, die einen Silbernen Bären für ihre Leistung in "Yella" erhielt. "Mein Herz schlägt ganz doll", verriet sie und freute sich, dass man auf der Berlinale auch ohne Hollywood-Ruhm und mit sehr stillen, reduzierten Rollen Preise gewinnen kann.

Einen Bären in Silber für die männliche Hauptrolle gab es für Javier Chavez, und für das dazugehörige argentinische Psychodrama "Der Andere" gleich noch den Großen Preis der Jury. "Beaufort", ein israelischer Antikriegsstreifen, wurde mit dem Regie-Bären belohnt. Der Alfred-Bauer-Preis ( für einen Film, der "neue Perspektiven der Filmkunst eröffnet") ging an den großartigen, aber sicherlich nicht massentauglichen koreanische Regisseur Park Chan-Woo für seinen Film "I’m A Cyborg, But That’s Ok"

Zwei Mal deutsches Bären-Glück: rechts Nina Hoss für "Yella", links Martina Gedeck aus dem "Der gute Hirte"-Ensemble
© GettyZwei Mal deutsches Bären-Glück: links Nina Hoss für "Yella", rechts Martina Gedeck aus dem "Der gute Hirte"-Ensemble

Ein geteilter Bär für Martina Gedeck

Um letztlich auch den großen Filmen und großen Stars versöhnlich die Hand zu reichen, durfte sich das Team von Robert de Niros "Der gute Hirte" (darunter Matt Damon, Angelina Jolie und die Deutsche Martina Gedeck) über den Preis für die beste künstlerische Ensemble-Leistung freuen.

In der Jury habe es um die Preise keine großen Streitereien gegeben, verriet Jurymitglied Mario Adorf. Der eine oder andere Filmkritiker würden mit den Bärenverteilern aber sicherlich gerne nochmal über die Missachtung von Marianne Faithful ("Irina Palm") und Marion Cottilard ("La Vie en rose") diskutieren.

Doch neben all den schauspielerischen Qualitäten hat die Berlinale auch in diesem Jahr wieder eine ganz eigene Qualität bewiesen: Sie ist spannend und überraschend bis zuletzt.