Goldener Löwe
© Getty Goldener Löwe

Venedig "Gepimpter" Löwe

Der goldene Löwe als Preis der Filmfestspiele in Venedig ist schon ein hübsches Tier. Wie viel hübscher sieht er aber erst mit Flügelchen in den Farben des Regenbogens aus

Der Preis bei den Filmfestspielen in Venedig ist ja bekanntermaßen ein geflügelter, goldener Löwe. Der sieht wirklich hübsch aus. Aber am 8. September wird es zum ersten Mal einen Löwen geben, dessen Flügel nicht gold- sondern regenbogenfarben sind. Herrlich! In diesem Jahr wird nämlich erstmals der "Queer Lion" verliehen. Ein Preis für den Film, der ein homosexuelles Thema verarbeitet oder einen homosexuellen Charakter darstellt.

Den Veranstaltern stellt sich allerdings folgendes Problem: Das Thema "Homosexualität" ist in den diesjährigen Filmbeiträgen nur schwer zu finden. Eigentlich sogar gar nicht. Da gibt es zwar einen Film, in dem sich drei Männer längere Zeit zusammen in einem Zug aufhalten. Das könnte ja gegebenenfalls darauf hindeuten... Nein, in "Darjeeling Limited" geht es um eine Reise von drei Brüdern, echten Brüdern. Für eine Nominierung im Bereich "Queer Lion" hat es dennoch gereicht.

Auch eine andere Nominierung gibt Rätsel auf: In "Sleuth" mit Jude Law und Michael Caine bekämpfen sich die beiden Herren doch nicht aus Liebe zueinander, sondern aus Liebe zu derselben FRAU.

Brad Pitts neuer Film "Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford" wurde ebenfalls in der Kategorie "Queer Lion" nominiert. Klar, Ford konzentriert sich in dem Western-Drama voll und ganz auf sein Idol Jesse James, aber wir sind doch hier nicht bei "Brokeback Mountain".

Nun, böse Zungen behaupten ohnehin, die Einführung des "Queer Lion" sei nicht als Bezeugung italienischer Offenheit gegenüber der homosexuellen Filmszene zu deuten. Vielmehr handele es sich um eine überfällige Reaktion auf den "Teddy"-Award bei der Verleihung der Berliner "Bären". In jedem Fall kann man wohl auf die Reaktion des Preisträgers gespannt sein.