Naomi Watts und Viggo Mortensen
© Getty Naomi Watts und Viggo Mortensen

Toronto Toronto - Festival ohne goldene Preise

Die Filmfestspiele in Toronto sind vorbei. Doch am Ende gibt es keine glamouröse Party, auf der goldene Statuen glitzern. Die Preisvergabe dauert nur 20 Minuten

Aus Toronto berichtet Julide Tanriverdi

Zahlreiche Promis, gestresste Journalisten, lange Schlangen an den Kinos. Das ist jetzt vorbei! 10 Tage lang wurden 349 Filme aus 55 Ländern in Toronto gezeigt. Mit Ausnahme der Prominenten ernährten sich die meisten in dieser Zeit von Sandwich, Müsliriegeln, Chips, Cookies und Coke - wer will schon Mittag essen, wenn er stattdessen einen Film mit Jake Gyllenhaal gucken kann? Viele haben dicke Ringe unter den Augen, denn der Schlafverlust ist enorm. 23 Filme stehen allein auf meiner Liste und die meisten sind über zwei Stunden lang (was ist eigentlich mit dem 90-Minuten-Film passiert?), das sind drei bis vier Filme pro Tag. Puh! Es ist ein Festival, wie man es aus Cannes, Berlin oder Venedig kennt - mit einer Ausnahme. Am Ende gibt es keine glamouröse Party, auf der goldene Statuen vergeben werden. Nur 20 Minuten dauert die Preisvergabe, bei die Gewinner von einem Blatt Papier vorgelesen werden. Kein großer Auftritt, keine flammenden Reden, nichts!

Warum ist dieses Festival aber dennoch wichtig? Ab September beginnt die sogenannte Oscar-Season, also die Zeit, in der die Studios ihre besten Filme zeigen. Denn im Januar werden die Nominierungen bekannt gegeben. Und ein alter Gag ist, dass die zahlreichen Mitglieder der Academy of Motion Picture Arts and Sciences (die die begehrte Goldstatue vergibt) ein schlechtes Gedächtnis haben und sich kaum an Filme erinnern können, die vorher gezeigt wurden. Deshalb gibt es hier Premieren der Werke, von denen das Studio glaubt, sie seien oscarträchtig. Gewinner aus den europäischen Festivals werden auch noch einmal präsentiert. Wer hier für Gesprächsstoff sorgt, bekommt zur Belohnung "Oscar-Buzz" – denn ab jetzt wird spekuliert, wer zu den begehrten Fünf pro Kategorie zählen wird. Und Medienwirbel kann nie schaden. In den vergangenen Jahren klappte das sehr gut - Filme wie "Brokeback Mountain", "Last King of Scotland" oder "Walk the Line" wurden in Toronto zum Gesprächsstoff und wurden mit zahlreichen Oscars belohnt. Lohnt sich also, diese Filme anzusehen.

Deshalb hier die kurze Liste der Preise, die nicht den kanadischen Film ehren (davon gibt es mehrere) und ihrer Gewinner: Der Prize of the International Critics (FIPRESCI Prize) ging an "La Zona" von Rodrigo Plás aus Mexiko/Spanien. Der Film untersucht das große Gefälle zwischen Arm und Reich in Mexiko anhand einer Beziehung zweier Teenager, der Cadillac People's Choice Award (gewählt vom Publikum) ging an David Cronenberg's "Eastern Promises". "Juno" von Jason Reitman und der Dokumentarfilm "Body of War" von Phil Donahue und Ellen Spiro belegten den zweiten und dritten Platz.

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