Ryan Gosling, Toronto
© Getty Ryan Gosling, Toronto

Toronto Alle reden über Bianca

Beim kanadischen Filmfestival liebt Ryan Gosling eine Gummipuppe, tut sich Sean Penn schwer beim Nachdenken, taucht eine neue Königin auf. Und Jodie Fosters Aufgabe ist Zweisprachigkeit

Aus Toronto berichtet Julide Tanriverdi



Als vergangenes Jahr die Oscar-Nominierungen verkündet wurden, gab es eine Überraschung. Ryan Gosling wurde für den kleinen Indie-Film "Half Nelson" als bester Schauspieler nominiert. Kaum jemand hatte den Streifen gesehen. In Toronto zauberte er nun ein weiteres Ass aus dem Ärmel. Nachdem sein neuestes Werk "Lars and the Real Girl" einmal gezeigt wurde, verbreitete es sich wie ein Lauffeuer - Gosling did it again! Es gab so viele Nachfragen, dass die Festival-Leitung reagierte und noch ein Screening ansetzte. Und es reichte immer noch nicht, eine weitere Vorstellung musste her. Gosling spielt einen jungen Mann namens Lars, der Berührungsängste gegenüber anderen Menschen hat. Eines Tages stellt er seinem Bruder und dessen Frau seine neue Freundin Bianca vor - eine Gummipuppe! Was sich sehr bizarr anhört (und ist!), ist aber ein rührender Film, in dem eine Kleinstadt versucht, Lars das Leben einfacher zu machen. "Es ist eine Liebesgeschichte", so Gosling. Aber nur so, wie er es spielt, wirkt der Flirt mit einer Plastikfrau nicht lächerlich.

Und was passierte noch in der aktuellen kanadischen Filmhochburg? Nachdem Clive Owen während des Michael Clayton-Screenings - eindeutig George Clooneys Moment - quasi die Rückbank drücken musste, strahlte er am Red Carpet für seinen eigenen Film "Elizabeth: The Golden Age" (mit Cate Blanchett ). Beide Schauspieler waren überzeugend wie immer in dem Werk. Doch die Frage war: Brauchen wir wirklich noch einen Film über die Queen? Oh Sean Penn! Muss denn das sein? "Into the Wild" ist satte zweieinhalb Stunden lang und strapaziert die Nerven enorm. Plot? Ein Collegeabsolvent will sich frei machen vom Konsum und Gesellschaftdruck und reist per Anhalter nach Alaska. 'Ne Stunde kürzer und das wäre noch ganz nett gewesen. Größtes Highlight: Pearl Jams Eddie Vedder schrieb den Soundtrack! Auch bei der Pressekonferenz machte der gute Sean keine Punkte beim Publikum. Als ihm eine Frage gestellt wurde und er eine Pause machte, bevor er antwortete, klickten die Fotoapparate Sturm. Und er schimpfte, er könne dabei nicht nachdenken! Wow, Sean, chill mal ein bischen! Beliebt machte sich dagegen Jodie Foster. Sie sprach in Englisch und Französisch und freute sich, einfach nur hier zu sein. "Es ist wunderbar, dass in Kanada zwei Sprachen gesprochen werden. Es gibt einem eine Aufgabe", so Jodie. Siehst du Sean, so charmant kann man sein.