Julia Roberts
© Getty Julia Roberts

Topstory Stars auf der grünen Welle

Bei der Rettung von Luft, Wasser und Wald geben immer mehr Stars das Tempo vor: Denn jetzt spielt die Umwelt die Hauptrolle

Körnerfresser, Müslikopf, Weich-Ei: So oder ähnlich hätte man James Dean wohl geschmäht, wäre er einst im Hybridauto statt mit dem Porsche vorgefahren. Oder kann sich jemand Elizabeth Taylor in Hanfrobe als umjubelten Gast der Oscar-Nacht vorstellen? Umweltbewusstsein passte lange nicht zum Image des mondänen Hollywoodstars. Die Sorge um Ozonloch und Kohlendioxid-Ausstoß war Ökospinnern in Jesuslatschen vorbehalten, vielleicht gerade noch starken Individualisten wie Regenwaldschützer Sting. Heute dagegen sind abgasarme Autos aus den Garagen von George Clooney oder Charlize Theron nicht mehr wegzudenken.

Schon beim Kaffee lässt sich der grüne Geist in Hollywoods Stargemeinde immer häufiger spüren: Julia Roberts läuft mit eigener Thermo-Tasse bei "Starbucks" auf, um Pappmüll zu vermeiden. Cameron Diaz verrät im Hochglanzmagazin "Elle", dass sie natürlich Bio-Zahnpasta benutzt. Das brasilianische Topmodel Gisele Bündchen macht in der Heimat, am Amazonas, auf die Verschmutzung der Gewässer aufmerksam.

Selbst Partygirls haben erkannt, dass Ökoprodukte hippe Statussymbole sind - so ließ sich Paris Hilton vorm Bio-Supermarkt ablichten. Die Öko-Modelinie von U2-Frontmann Bono ist in New Yorks Nobelkaufhaus "Saks Fifth Avenue" begehrt wie die jüngsten Zac-Posen-Roben. Und die Wartezeiten für Hybridautos wie den Toyota Prius übertreffen die manch eines Ferrari. Den meisten Stars geht es um mehr als um Status und Image. Naturkatastrophen wie der Tsunami im Indischen Ozean vor zwei Jahren oder Hurrikan Katrina, der 2005 New Orleans verwüstete, bewiesen, dass vom Mensch verursachte Entwicklungen wie die Erderwärmung schon jetzt verheerende Folgen haben - aber sehr wahrscheinlich erst der Anfang einer Reihe globaler Katastrophen sind. Schauspielerin Daryl Hannah stemmt sich mit vollem Einsatz dagegen. Wochenlang protestierte sie, zuletzt auf einem Walnussbaum ausharrend, für den Erhalt eines Bauernhofs im Raum Los Angeles. Vertreter der Staatsgewalt konnten die 45-Jährige nur mit Mühe vom Baum holen. Für ihre Überzeugung nahm sie sogar eine Verhaftung in Kauf.

Auf Geld statt Gefängnis setzt ihr Kollege Leonardo DiCaprio. Bereits 1998 gründete der heute 31-Jährige eine Stiftung, die verschiedene Organisationen unterstützt. Ob es um die Förderung von Solardächern oder die Produktion eines aufrüttelnden Dokumentarfilms ("11th Hour") geht - Leonardo kämpft unermüdlich, noch tapferer als einst in "Titanic" um das Leben seiner Liebsten. "Ich weiß, dass die Leute denken, ich sei ein verwöhnter, eingebildeter Schauspieler", sagt er. "Aber ganz ehrlich: Ich mache mir wirklich Sorgen."

Solche Worte zeigen, dass viele in dieser Filmwelt aus Papp- und Plastikkulissen nicht mehr nur bis zum nächsten Engagement denken. Die Hauptrolle spielt immer häufiger die Umwelt. DiCaprio scheut sogar die ganz große Konfrontation nicht: "Was die Ölkonzerne mit unserem Planeten anstellen, ist ein Skandal! Dagegen kämpfe ich mit aller Macht." Ein Kampf, den man auch verlieren kann, wie die US-Präsidentschaftswahl 2000 lehrte. Nach der Devise "Krieg statt Kyoto" katapultierte sich George W. Bush ins Weiße Haus, seinen engagierten Gegenkandidaten Al Gore ließ er samt Klimaschutzprogramm im sauren Regen stehen. Doch inzwischen horcht Amerika auf, allen voran die traditionell linksliberale Künstlerelite. Gores Filmdokumentation "Eine unbequeme Wahrheit" trägt ganz massiv zum Umdenken bei. Getreu dem Motto "Steter Tropfen höhlt den Stein", findet der Pionier endlich Gehör für seine erschütternden Argumente.

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