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Titelgeschichte Zu sensibel für die Traumfabrik?

Wie Heath Ledger leiden viele Hoffnungsträger unter den Erwartungen in Hollywood. Nach dem tragischen Tod des Schauspielers wird jetzt erstmals Selbstkritik laut

Hollywood unter Schock.

Freunde und Familie, Kollegen und Fans trauern um Heath Ledger, der vergangene Woche leblos in seinem New Yorker Apartment gefunden wurde. Die Ermittlungen zur Todesursache des 28-Jährigen laufen, die Polizei geht von einer versehentlichen Überdosis Tabletten aus. Wie groß das Mitgefühl mit dem Australier ist, zeigten am Wochenende die Trauerfeier in New York und eine private Andacht in Hollywood, an der auch seine Ex-Freundin Naomi Watts teilnahm.

Scheu und nachdenklich: Hinter der Sonnyboy-Fassade steckte eine "alte Seele" sagten seine Freunde. Hier mit Michael Stipe von REM
© Wireimage.comScheu und nachdenklich: Hinter der Sonnyboy-Fassade steckte eine "alte Seele" sagten seine Freunde. Hier mit Michael Stipe von REM

Heath Ledgers Schicksal war allerdings keine Ausnahme - zahlreiche Schauspieler leiden offenbar unter dem Druck der Branche. "Hollywood kann sensible Menschen zerstören", sagt Suzanne Lopez, Psychologin in Los Angeles, im Interview mit GALA. "Man hat nur die Möglichkeit, sich ein dickes Fell zuzulegen. Viele junge Menschen können das aber nicht." Anlass zur Sorge geben auch Stars wie Owen Wilson, Jonathan Rhys Meyers, Joaquin Phoenix, Orlando Bloom und Shia LaBeouf. Im Extremfall machen sie mit Suizidversuchen Schlagzeilen, im Normalfall mit Alkoholentzügen und schweren persönlichen Krisen. Was ist nur los mit den schillerndsten Hoffnungsträgern? "Die Konkurrenz wird immer härter. Junge Schauspieler stehen unter enormem Druck, müssen Tag und Nacht arbeiten, ein Skript in wenigen Tagen auswendig lernen", erläutert "Pulp Fiction"-Produzent Paul Hellerman GALA. "Schließlich sind die Produktionszeiten heute deutlich kürzer als früher. Statt in sechs Monaten muss ein Film jetzt in drei Monaten im Kasten sein. Früher hatte ein junger Schauspieler Zeit, langsam zu wachsen. Heute wird man schon am ersten Box-Office-Wochenende daran gemessen, ob man im Kino Erfolg hat oder nicht."

Heath Ledger war spätestens seit seiner Oscar-Nominierung für "Brokeback Mountain" 2006 enorm populär. "Er investierte seinen Wissensdurst, seine Wahrheitsliebe und Lebensfreude in seine Rolle - und eine Verletzlichkeit, für die man ihn einfach lieben musste", sagt Regisseur Ang Lee. Doch gerade diese Sensibilität machte Ledger auch so labil. Freunde beschreiben ihn als verschlossen und ernst, Journalisten erlebten ihn meist als extrem misstrauisch. Mehrfach legte er sich mit Paparazzi an, wenn er sich bedrängt fühlte. Zunehmend bedrückt wirkte Ledger nach der Trennung von Michelle Williams im vergangenen August. Mit der Kollegin, in die er sich am Set von "Brokeback Mountain" verliebt hatte, hat er die zweijährige Tochter Matilda. Jetzt heißt es, Michelle Williams habe ihn wegen seines ausschweifenden Lebens verlassen. Weil er immer wieder zu Drogen und Alkohol griff, um Stress abzubauen.

Besonders schlimm ging es ihm es in den Wochen vor seinem Tod. Die anstrengenden Dreharbeiten zur "Batman"-Fortsetzung "The Dark Knight" sowie zum Fantasy-Film "The Imaginarium Of Doctor Parnassus" setzten ihm physisch und psychisch zu. Immer wieder klagte er über Schlafstörungen. "Letzte Woche habe ich nur zwei Stunden pro Nacht geschlafen. Mein Körper ist erschöpft, aber mein Geist findet keine Ruhe", erzählte er im November der "New York Times". Einmal habe er eine Schlaftablette genommen, und als die nicht wirkte, eine zweite. "Doch nach einer Stunde wachte ich auf, und meine Gedanken rasten." Als seine Leiche vergangenen Dienstag von seiner Masseurin Diana Wolozin gefunden wurde, lagen sechs verschiedene verschreibungspflichtige Medikamente in der Nähe, darunter Antidepressiva und Schlaftabletten. Noch bevor Wolozin den Notruf wählte, verständigte sie Ledgers enge Freundin Mary-Kate Olsen. Dass sie seine letzte Liebe gewesen sein soll, dementiert die Schauspielerin: "Heath war ein Freund. Sein Tod ist ein tragischer Verlust."

Im August ver­gangenen Jahres versuchte schon Owen Wilson sich umzubringen
© Wireimage.comIm August vergangenen Jahres versuchte schon Owen Wilson sich zu töten

Eine Überdosis Medikamente und Drogen hatte auch Owen Wilson, 39, intus, als er im August 2007 nach einem Suizidversuch in eine Klinik in Beverly Hills eingeliefert wurde. Er überlebte - aber der Schock war groß. Niemand hatte geahnt, dass der beliebte Komiker mit so düsteren Gedanken kämpfte. Ähnlich wie Heath Ledger war auch Wilson kurz zuvor verlassen worden, Schauspielerin Kate Hudson hatte im Juni mit ihm Schluss gemacht. "Eine zusätzliche private Krise wie eine Trennung kann einen ohnehin schon an Depressionen leidenden Menschen in den Abgrund stürzen", analysiert Psychologin Lopez. Doch anstatt sich in Therapie zu begeben, fuhr Owen Wilson lieber mit Freunden in den Urlaub und vergnügte sich mit wechselnden Frauen. Kürzlich wurde er in Venice beim Kauf einer Wasserpfeife erwischt. Und auch beruflich gönnt er sich keine Ruhe: Allein in diesem Jahr sollen drei große Filme mit ihm anlaufen.

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