Demi Moore
© Getty Demi Moore

Titelgeschichte Schluss mit dem Körperwahn

Keine Frau lebte den Körperkult so sehr wie Demi Moore. In GALA verrät sie, wie sie sich davon verabschiedete und wie sie heute ihre Töchter davor schützt

Noch vor wenigen Jahren hätte sich Demi Moore nie

und nimmer gestattet, zum GALA-Interview in Beverly Hills mit einem leckeren Milchkaffee aufzulaufen. "Sünde!", hätte ihr kalorienzählendes Gewissen schon beim bloßen Gedanken daran geschrien. Und rein prophylaktisch das nächste Hanteltraining eingeläutet. "Jahrelang litt ich unter mangelndem Selbstwertgefühl", erzählt die 44-Jährige heute offen und erinnert sich an "Kampfphasen voller verrückter Diäten und irrsinniger Sporteinheiten". Nicht zuletzt ihre drei Töchter Rumer, 18, Scout, 15, und Tallulah, 13, haben die Schauspielerin im Umgang mit Kalorientabellen und Körperkult sehr viel reflektierter und kritischer werden lassen.

Und wenn Rumers Freundin Lindsay Lohan samt Magerlook-Tipps von ihrer Stylistin Rachel Zoe bei Familie Moore zu Besuch kommt, wacht die dreifache Mutter mit Argusaugen, dass kein neues Diäten-Diktat in ihre Familie Einzug hält. Wohlfühlen lautet heute Demis Devise - Pilates, Spaziergänge und TV-Dinner mit Pizza und Ehemann Ashton Kutcher, 29, gehören ebenso dazu wie ihre Lachfältchen. Wer die Schauspielerin heute sieht, wird bestätigen: Nie war Demi Moore schöner. Und nie überzeugender, wenn sie versichert, sie sei wunschlos glücklich.

Gala: Kosmetik-Pionierin Helena Rubinstein hat gesagt: "Es gibt keine hässlichen Frauen, nur faule." Sie scheinen nicht gerade zu der faulen Fraktion zu gehören ...

Demi Moore: Oh, vielen Dank. Aber Sie hätten mich mal heute Morgen sehen sollen. Als ich in meinen Alltagsdress stieg - Baggyjeans und Sweater - hatte ich so verquollene Augen, dass ich gar nicht aus dem Haus wollte. Allergie ...

Gala: Von der ist jetzt nichts mehr zu sehen. Ohnehin wirken Sie strahlender denn je. Egal, ob in Ihrem aktuellen Kinofilm "Bobby" oder als neues Gesicht von Helena Rubinstein. Verraten Sie uns Ihr Schönheitsrezept?

Demi Moore: Zum einen habe ich wirklich gelernt, dass innere Freude nach außen strahlt, und ich kann nur sagen: Ich bin unglaublich glücklich. Von meiner Mutter habe ich darüber hinaus die wohl wichtigste Grundlage gelernt: Egal was dein Abend so gebracht hat, wie lang er war und wo er endet - abschminken und eincremen sind oberste Pflicht. Und wir reden hier von einer Frau aus einer kleinen Stadt im Westen, wo die Leute nicht gerade viel Ahnung von Hautpflege hatten. Abschminken und eincremen - das Credo habe ich von ihr übernommen und auch schon an meine Kinder weitergegeben.

Gala: Ihre Figur allerdings haben Sie sicher nicht allein dem Abschminken zu verdanken.

Die 44-Jährige hat heute keine Probleme mehr mit dem Selbstwertgefühl
© GettyDie 44-Jährige hat heute keine Probleme mehr mit dem Selbstwertgefühl

Demi Moore: Ich habe Jahre in Fitnessstudios verbracht und meinen Körper für die verschiedensten Rollen gequält. Heute mache ich nichts mehr in extremem Ausmaß und habe einen sehr viel angenehmeren Weg gefunden, mich fit zu halten. Ich liebe Pilates, wandere gern mit meinen Hunden, mache Yoga und gehe schwimmen. Heute ist der Antrieb hinter allem Spaß und Wohlgefühl. Wenn ich daran denke, wie ich früher gelitten habe und dieses Leid in andere Bereiche meines Lebens mitgeschleppt habe ...

Gala: Inwiefern?

Demi Moore: Jahre über Jahre habe ich mit meinem Gewicht gehadert. Wie oft wurde mir von Produzenten befohlen, abzunehmen, wie lange hatte ich Komplexe, litt unter mangelndem Selbstwertgefühl. Ich machte ständig Diäten, trieb extrem viel Sport und manipulierte meinen Körper, wo es nur ging. Zwei oder drei Mal veränderte ich ihn für eine Rolle radikal. Und jedes Mal war ich völlig am Boden zerstört, wenn ich nach Drehschluss wieder zunahm. Nach "G.I. Jane" war ich dann 1997 wirklich gezwungen, für eine Zeit mit Extremsport und Diäten auszusetzen.

Gala: Mit welchem Ergebnis?

Demi Moore: Als ich endlich aufhörte, verbissen für mein Traumgewicht zu kämpfen, war mein Körper bald näher an meinem Schönheitsideal, als er es je in meinen Kampfphasen voller verrückter Diäten und irrsinnigen Sporteinheiten gewesen ist. Ich hoffe sehr, dass ich mit diesen Worten Frauen ermutige, schön zu finden, wer sie sind und nicht, wer sie nicht sind.

Gala: Dennoch unterliegt die Akzeptanz des eigenen Aussehens Schwankungen. Können Sie sich vorstellen, bei Bedarf der Schönheit doch mal ein wenig nachzuhelfen?

Demi Moore: Klar sind wir alle auf der Suche nach Dingen, die uns besser aussehen lassen. Ich würde niemals plastische Chirurgie verurteilen, ich kann aber nur betonen, dass die Gerüchte um meine angebliche Rundumerneuerung lächerlich sind. Aber wer weiß, wie ich über dieses Thema denke, wenn ich eines Morgens aufwache, in den Spiegel sehe und einfach nur denke: "Puh ..." Hoffentlich gibt es, wenn ich ernsthaft etwas brauche, eine neue, skalpell-freie Methode.

Gala: Abgesehen vom Trend zur Schönheitsoperation haben Stylisten wie Rachel Zoe den Magerwahn in Mode gebracht. Gerade junge Schauspielerinnen scheinen da ernsthaft gefährdet.

Demi Moore: Ja, diese Entwicklung macht mir Angst, und ich halte dieses propagierte Schönheitsideal für überaus gefährlich.

Gala: Wie schützen Sie heute Ihre Töchter vor diesen gefährlichen Idealen?

Ashton Kutcher, 29, ist für Demi Ehemann, Freund, Jungbrunnen - und Muse, sagt sie
© GettyAshton Kutcher, 29, ist für Demi Ehemann, Freund, Jungbrunnen - und Muse, sagt sie

Demi Moore: Ich versuche in erster Linie, Ihnen ein gutes Vorbild zu sein. Weniger durch Worte, denn durch die Art und Weise, wie ich lebe. Ich kann nur hoffen, dass ich ihnen alle Werkzeuge an die Hand gegeben habe, um ihre eigenen Entscheidungen im Leben selbstbewusst zu treffen. Bei uns zu Hause jedenfalls ist das Thema Gewicht Nebensache. Wenn ich meine Töchter dazu ermutige, Sport zu treiben, dann vielleicht aus gesundheitlichen Gründen, nicht aber, damit sie in eine kleinere Jeans passen. Ich versuche, sie niemals unter Druck zu setzen und Ihnen zu vermitteln, dass Schönheit nicht von Kleidergrößen abhängt.

Gala: Also ist es kein Skandal, wenn Ashton abends mal eine Pizza zum Dinner mitbringt?

Demi Moore: Absolut nicht. Ich lebe nach dem Motto: Ich esse, was ich will.

Gala: Bitte? Und dann gehören Sie nach wie vor zu den filigranen Leichtgewichten? Die Welt ist ungerecht ...

Demi Moore: Gar nicht, es folgt ja noch ein dickes Aber...

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