Victoria Beckham
© Getty Victoria Beckham

Titelgeschichte Jetzt geht die Show erst richtig los

Für ihr neues Leben in den USA zieht Victoria Beckham alle Register: Mit sportlichen Auftritten, einer Reality-Show und vielen Promi-Freunden will sie die Herzen der Amerikaner erobern

Eine Kundin ist irritiert. "Victoria, who?",

fragt sie, als die Verkäuferin ihr sagt, wer gleich auf dem Podest zwischen Kleiderständern und Vitrinen seine neue Jeans-Kollektion vorstellen wird. Kein Plakat, keine Durchsage, nicht einmal ein Handzettelchen kündigt hier im noblen Kaufhaus Saks an der Fifth Avenue den Auftritt von Victoria Beckham, 33, an. Aber selbst wenn es so wäre, würde das höchstwahrscheinlich nichts an den ratlosen Mienen der New Yorker ändern, die sich in der Damenabteilung an den schwarzen Absperr-Kordeln vorbeidrängeln. Manche murren, weil ihr Einkauf aus für sie unverständlichen Gründen zum Slalom geworden ist. "Victoria Beckham - die Frau des berühmten Fußballspielers aus England", versucht es die Verkäuferin erneut. Und schon ein wenig verzweifelter. Einige Kunden nicken, wobei man nicht weiß, ob aus Verständnis oder weil sie einfach nur schnell weiter zur Rolltreppe wollen. In den USA ist "Soccer" eben eine Randsportart. Man kennt kaum die Spieler, geschweige denn Spielerfrauen. Und dass die Spice Girls in Amerika einen Hit hatten, ist immerhin auch schon elf Jahre her.

Diejenigen, die stehen bleiben, etwa 80 Leute, sind meist Touristen aus Europa - Deutsche, Franzosen, Spanier. Hier und da zücken Teenager-Mädchen Spiegel aus Handtaschen und bürsten für ihre Begegnung mit der Stil-Ikone noch einmal nach. Einige Männer bringen Foto-Handys und Kameras in Position. Sie freuen sich, dass sie nun neben dem Empire State Building und der Freiheitsstatue im Urlaub noch eine weitere Attraktion vor die Linse bekommen. Und was für eine! Etwa drei Sekunden lang gellt ein Schrei durch das Kaufhaus. Klingt wie beim Fußball, wenn's eine Torchance gibt.

Victoria Beckham bei der Präsentation ihrer Jeanslinie - Kameras erwünscht
© GettyVictoria Beckham bei der Präsentation ihrer Jeanslinie - Kameras erwünscht

Auftritt Victoria Beckham. Schlank, zierlich, top gedresst wie immer. Sie tippelt auf hohen Absätzen, gleitet anmutig auf einen Acrylstuhl und dann - der Wahnsinn - zeigt sie den Zuschauern plötzlich das, was sonst nur Ehemann David, ihre drei Kinder und vielleicht, ganz vielleicht, ein paar enge Freunde zu sehen bekommen: ein perlweiß-rosarotes Lachen. Herzlich, offen. Ein Lachen, wie es All-American-Girls oft in gebräunten Gesichtern tragen. Das soll Victoria Beckham sein? Das schicke Ex- Spice-Girl, auch "Posh" genannt, wirkt normalerweise unterkühlter als Londons Niesel-Wetter. Dass sie nun ausgerechnet im Ausland aufgetaut sein soll, erstaunt. Und doch scheint ein neues viktorianisches Zeitalter angebrochen zu sein, seitdem sie durch Amerika tingelt und in Fernsehshows oder auf roten Teppichen mit begeistert aufgerissenen Augen erzählt wie "great" Los Angeles sei. Seit sie im Baseball-Stadion fröhlich den "Anwurf" übernimmt oder mit Cameron Diaz kichert, weil beide auf einer Veranstaltung zufällig die gleichen Schuhe tragen. Posh kichert! Das muss man sich mal vorstellen. Was in der Tat einigen Leuten schwer fällt.

Alles nur Show, vermutet zum Beispiel das britische "OK!"-Magazin. Hinter dem strahlenden Lächeln stecke Berechnung, heißt es. Victoria wolle sich beliebt machen bei den Amerikanern, die so viel Wert auf Happiness legen, und bei den zukünftigen Nachbarn. Denn sobald ihr Ehemann, Fußballstar David Beckham, 32, sein Real- Madrid-Trikot gegen das des Fußballklubs L.A. Galaxy getauscht hat, wird die Familie in den USA leben - voraussichtlich fünf Jahre lang. Obwohl die Tinte auf Davids 190-Millionen-Euro-Vertrag mit Galaxy kaum trocken ist, erkundigte Real sich bereits nach der Ablöse-Summe. Jetzt, wo der Torjäger wieder in Topform ist, wieder in der englischen Nationalmannschaft spielt, würde man ihn doch ganz gern behalten. Doch Beckhams Sprecher wiegelt ab: "Es bleibt bei der Entscheidung." David goes L.A.

Was besonders für Victoria einen echten Neuanfang bedeutet. Gesellschaftlich und geschäftlich. Der Name Beckham - in Europa ein Gütesiegel für Glamour - ist aus amerikanischer Sicht eher ein No-Name-Produkt. Das gilt es zu ändern, um die eigene Jeans-Linie, einen für Herbst geplanten Duft, Sonnenbrillen und natürlich sich selbst beliebt zu machen. Möglichst schnell, mit allen Mitteln eines Society-Girls. Seit Wochen schon jettet Victoria regelmäßig zwischen London und den USA hin und her. Manchmal zweimal pro Woche. Hauptsächlich für Dreharbeiten ihrer eigenen Reality-Fernsehsendung à la "The Osbournes". Die Show "Coming To America" soll Victorias Alltag in Los Angeles zeigen - den sie genau genommen noch gar nicht hat, da der Umzug der Familie erst für Mitte Juli ge­plant und das, wie sie sagt, "bescheidene" Sechszimmer-Haus noch gar nicht fertig eingerichtet ist. Aber egal. Denn spannende Momente im Leben der Spielerfrau gibt es nach Meinung der Produzenten genug. Das Team filmte etwa, wie Victoria von einem Polizisten Knöllchen kassierte oder im halbleeren Baseball-Stadion vor einem Match der New York Mets gegen die Dodgers wie ein verirrtes Maskottchen über das Feld hoppelte. In Plateau-Turnschuhen übrigens.

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