Diane Kruger
© Getty Diane Kruger

Titelgeschichte "Ich hatte einfach viel Glück"

Mit "Goodbye Bafana" begeisterte die deutsche Schauspielerin Diane Kruger auf der Berlinale. Beim Filmfest in Cannes soll sie Auftakt- und Abschlussgala moderieren. Hollywood umschwärmt sie. Im großen GALA-Interview gewährt Diane exklusiv Einblicke in ihre Seele

Sie grüßt, "Bonjour!". Küsschen links, Küsschen rechts. "Ça va?", sagt sie zur Fotografin und lässt sich auf dem Bett des Hotelzimmers nieder. "Und was machen wir jetzt?", scheinen ihre blitzenden Augen zu fragen. Dann begleitet sie der Mann von der Maske ins Badezimmer - Haare und Make-up. Vor ein paar Tagen ist ihr Freund Joshua Jackson, 28, zu Besuch gekommen, doch ihn hat sie heute zu Hause gelassen. Nicht nur ihr perfektes Französisch und ihre lustige rote Baskenmütze machen klar: Ich bin eine Parisienne, das ist meine Stadt.

Dabei sah die Lebensgeschichte der Diane Kruger, 30, nicht immer nach einem Happy End in der Stadt der Liebe aus: geboren in der niedersächsischen Provinz, mit 15 Jahren das plötzliche Ende aller Ballerinaträume aufgrund einer Verletzung, Scheidung der Eltern. Aber in dieser zarten Person steckt ein enormer, fast verbissener Ehrgeiz, der sie nicht aufgeben lässt. Sie geht nach Paris, modelt, besucht die Schauspielschule, beißt sich durch. Nach ihrem Durchbruch mit "Troja", an der Seite von Brad Pitt, dreht sie heute mit Richard Gere und Joseph Fiennes, ist das ganze Jahr unterwegs und findet nur noch selten freie Tage in ihrem Terminkalender. Noch seltener nutzt sie diese Tage, um Journalisten zu empfangen - für GALA hat sie eine Ausnahme gemacht: Diane Kruger gibt tiefe Einblicke in ihre Seele und führt außerdem durch ihr Quartier St. Germain-des-Prés im sechsten Arrondissement, wo sie in der Nachbarschaft ihres guten Freunds Karl Lagerfeld wohnt.

Gala: Was macht für Sie den Reiz dieser Stadt aus?

Diane Kruger: Wenn ich durch die Straßen gehe, die Düfte rieche, dann fühle ich mich einfach wie zu Hause. Wie ein kleines Mädchen, das ein Märchen leben darf. Ich habe in London gelebt, auch jahrelang in New York, aber nirgendwo ist es so schön wie hier. Als ich 1994 zum ersten Mal nach Paris kam, um zu modeln, habe ich mich in die Stadt verliebt.

Gala: Mutig, in ein fremdes Land zu gehen, dessen Sprache man nicht beherrscht. Hatten Sie nie Angst?

Diane Kruger: Nein, ich brauche das traute Heim nicht, habe kein Heimweh. Ich wollte immer weg, bin in der Fremde zu Hause. Vielleicht brauche ich irgendwann den Fixpunkt, weil es nicht immer leicht ist. Aber momentan genieße ich meine Freiheit.

Freie Tage sind selten - Diane Kruger hat einen vollen Terminkalender
© GettyFreie Tage sind selten - Diane Kruger hat einen vollen Terminkalender

Gala: Sie haben sich nicht nur in die Stadt, sondern auch in Ihren späteren Mann verliebt, den französischen Schauspieler und Regisseur Guillaume Canet. Inzwischen leben Sie getrennt. Wie ist da der Stand?

Diane Kruger: Wir haben uns Anfang Dezember scheiden lassen. Guillaume ist trotzdem mein bester Freund, ich verdanke ihm alles, er hat mich nach vorne gebracht, mich inspiriert. Wir verstehen uns immer noch gut. Das Ganze macht mich etwas traurig.

Gala: Haben Sie vielleicht zu früh geheiratet?

Diane Kruger: Kann sein. Aber in unserem Beruf scheitern viele Ehen einfach daran, dass man sich so selten sieht, wenig Zeit miteinander verbringt. Wir sind beide sehr karriereorientiert, arbeiten viel. Ich bedaure das sehr. Aber wir bleiben in Kontakt.

Gala: Ihr neuer Freund ist auch Schauspieler. Meinen Sie, dass es mit ihm besser klappt?

Diane Kruger: Ich bin wirklich die Letzte, die Beziehungstipps geben sollte. Ich war sieben Jahre fest liiert, auch für die Gefühle des anderen verantwortlich. Jetzt bin ich zum ersten Mal wieder frei, das macht mich sehr glücklich. Ich kann mit meinen Freundinnen in den Urlaub fliegen, muss niemanden fragen. Wie sich die Sache mit Joshua entwickeln wird, weiß ich noch nicht. Momentan bin ich noch nicht so weit, dass ich eine Familie möchte. Ich möchte erst mal leben, ausgehen, meine Patenkinder sehen. Irgendwann hätte ich aber schon gerne eigene Kinder.

Gala: Mit welchen Personen verbinden Sie den Begriff Heimat?

Diane Kruger: Das sind meine Mutter, mein Bruder. Weil ich so früh von zu Hause weggegangen bin, vermisse ich meine Wurzeln, bin manchmal einsam. Ich bin nicht Französin, auch wenn ich hier lebe, ich bin keine Amerikanerin, auch wenn ich dort oft drehe...

Gala: Sie sind Deutsche.

Diane Kruger: Auf dem Papier ja, aber in Wahrheit bin ich wohl eine Weltbürgerin (lacht). In Deutschland käme für mich nur Berlin in Frage.

Gala: Auch Heike Makatsch hat sich am großen Hollywood-Kino versucht, Til Schweiger ebenfalls. Warum haben von der jüngeren deutschen Garde nur Sie es zu einem internationalen Filmstar geschafft?

Diane Kruger: Das Wort "Star" stört mich, ich sehe mich am Anfang meines Schaffens. Bei "Troja" hatte ich einfach eine Menge Glück, das darf man nicht vergessen. Die haben in Paris gecastet - das war's. Viel hängt auch mit der Sprache zusammen: Ich spreche akzentfrei Englisch und Französisch, deswegen komme ich nicht nur für die Rolle des Ausländers infrage. Für junge Schauspieler in Amerika gilt: Man geht eine Stufe nach oben, dann wartet man wieder jahrelang auf eine Rolle. Das Spiel spiele ich nur bedingt mit, dem französischen Kino fühle ich mich viel mehr verbunden.

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