Cameron Diaz + Gisele Bundchen
© Wireimage.com Cameron Diaz + Gisele Bundchen

Titelgeschichte Das große Schaulaufen

Was passiert, wenn sich die schönsten Stars Hollywoods auf der wichtigsten Fashion-Gala der Welt treffen? Es wird ein rauschendes Fest mit gnadenlosem Dresscode

Am Sonntagabend gibt es derzeit

für New Yorker It-Girls nur einen Pflicht-Termin: das Date mit dem Sofa und den "Desperate Housewives". Niemand will die letzten Folgen vor dem Saisonfinale verpassen. Dumm nur, wenn man als It-Girl für Anna Wintour arbeitet. Die Chefredakteurin der US-"Vogue" ordnete ausgerechnet an einem Wochenende für ihre "Voguettes", wie die Moderedakteurinnen genannt werden, Überstunden an. Sie wurden dazu verdonnert, diverse Stars und Models modisch aufzurüsten, ihnen die schönsten Kleider aus dem Verlagsfundus am Times Square auszuleihen. Denn am Montag fand im New Yorker Metropolitan Museum of Art die "Costume Institute Gala" statt, ein Charity-Event auf allerhöchstem Glamour-Niveau.

Die mächtige Chefin

Grand Dame der Modewelt: Anna Wintour, Chefin der amerikanischen "Vogue"
© GettyGrande Dame der Modwelt: Anna Wintour ist die Chefin der amerikanischen "Vogue"

Anna Wintour ist seit 1995 Gastgeberin der Veranstaltung, und wer von ihr eingeladen wird, sollte auch erscheinen. Für Topmodels, die für die "Vogue" arbeiten, besteht sogar Anwesenheitspflicht. Ansonsten landen sie auf der schwarzen Liste der mächtigen Chefin und verspielen, mon dieu!, die Chance, auch mal auf dem Cover zu erscheinen. Nur logisch also, dass die A-Riege der Stars an der Seite der besten Designer über den roten Teppich flanierte: Die Co-Gastgeber Cate Blanchett und Balanciaga-Chefdesigner Nicolas Ghesquiere begrüßten an der Seite von "Nuclear Wintour" Gäste, die teuerste und edelste Abendkleider trugen. "Ich sehe nur Stoff, Stoff, Stoff", schwärmte da sogar Schauspielerin Cameron Diaz, die strahlend für die Fotografen posierte.

Stil wird erwartet

Auch den Herren von der Presse wurde ein Dresscode auferlegt: Nur wer im Anzug am roten Teppich stand, durfte Fotos schießen. Ein Wunsch von Anna Wintour, die noch kürzlich in einem Interview über den Dresscode in ihrer Redaktion ("Keine Jeans, keine Turnschuhe") sagte: "Wir diktieren keinen bestimmten Stil. Wir erwarten ihn ..." Die professionelle Nachhilfe der Voguettes hat sich jedenfalls gelohnt, in den vergangenen Jahren mauserte sich die "Costume Institute Gala" zum größten Modespektakel des Jahres. Nur die Oscar-und die Golden-Globe-Nacht glitzern in derselben Liga. Wer bei der "Costume Institute Gala" nicht dabei ist, ist eindeutig out. Eine Paris Hilton wird man vergeblich suchen, geschweige denn die völlig entgleiste Britney Spears. Lindsay Lohan, zurzeit ebenfalls in diverse Eskapaden verstrickt, durfte sich glücklich schätzen, in dieser Gala-Runde zu sein. Zwar sorgte sie mit einer 45-minütigen Verspätung für Aufsehen, verhielt sich ansonsten aber gesittet.

Ein Mann aber wurde von den meisten an diesem Abend völlig vergessen. Paul Poiret, dessen Ausstellung "Poiret: King of Fashion" im Metropolitan Museum der eigentliche Anlass des Events war. Der 1944 verstorbene französische Design-Pionier befreite die Frauen vom Korsett, hüllte sie in orientalische Gewänder. In den Zwanzigern eine Revolution. Noch heute dient er Designern wie John Galliano als Inspirationsquelle. Wer oder gar was "Poiret" ist, das wusste an diesem Abend jedoch kaum jemand. "Ich habe keinen blassen Schimmer", outete sich Emmy-Preisträger Harry Connick junior freimütig. "Eines Tages werde ich vielleicht herausfinden, um wen es sich handelt." Diese Wissenslücke kann er leicht schließen. Die Ausstellung läuft bis zum 9. August.

Mehr über das große Fashion-Event erfahren Sie in der aktuellen GALA: Die Partyfacts, Stars und ihre Designer, wer bei Anna Wintour sitzen durfte sowie das Urteil über die Mode-Siegerinnen und -Sünderinnen auf dem roten Teppich