Angelina Jolie
© Wireimage.com Angelina Jolie

Titelgeschichte Alles gut?

Die Integration von Pax Thien, 3, wird eine schwere Aufgabe für Angelina Jolie. Ihr neuer Sohn ist inzwischen sicher in Los Angeles gelandet. Doch jetzt droht Ärger - die leibliche Mutter des Jungen wurde aufgespürt

Behutsam streichelt Zahara

ihrem neuen Bruder über die Schulter. Die Zweijährige reicht ihm einen Plastikbehälter mit kleinen Keksen. Pax Thien zögert, blickt schüchtern und etwas unentschlossen auf den Boden. Dann aber greift Pax, 3, doch in die Schüssel. Lachend beobachtet Angelina Jolie aus kurzer Entfernung das zärtliche Kennenlern-Ritual am Pool des "Park Hyatt"-Hotels in Ho-Chi-Minh-Stadt. Nach einer Woche Hektik in Vietnam spürt die Schauspielerin zum ersten Mal so etwas wie Gelassenheit. Einer Bedienung am Pool flüstert sie stolz zu: "Das sind meine Kinder, die da spielen." Doch die Ruhe ist trügerisch.

Die ersten Tage verbringen Angelina, Maddox, Zahara und Pax Thien (übersetzt: Himmlischer Frieden) zu viert, während Papa Brad Pitt mit Baby Shiloh, zehn Monate, in Los Angeles wartet. Dass Angelina es so eilig hatte mit der Adoption, soll ihm gar nicht recht gewesen sein. Pitt wäre gerne mitgekommen, muss aber arbeiten. Fünfmal am Tag ruft er von Kalifornien aus an. Mit Pax hat er auch schon gesprochen, auf Vietnamesisch. Seit Wochen büffeln er und seine Partnerin Angelina in einem Audio-Kurs die Sprache ihres "neuen Sohns", wie er Geschäftspartnern in L.A. sagte.

Die Geschwister haben ihn schon lieb gewonnen

Als dann endlich alle sechs in der neuen Heimat vereint sind, scheint Pax Thien schon fester Bestandteil von Hollywoods berühmtester Patchwork-Familie zu sein. Großen Anteil an dieser schnellen Integration tragen die anderen Adoptivkinder des Paars. Maddox, 5, der anfangs noch Angst vor der drohenden Konkurrenz durch einen Bruder gehabt hatte, wurde vom Papa damit beauftragt, während der Reise nach Vietnam auf Mommy und die anderen Kids "aufzupassen". Ein Job, den der Kleine sehr ernst nahm, wie GALA aus dem Freundeskreis der Familie erfuhr. So wusste Maddox sehr wohl, dass sein neuer kleiner Bruder aus Vietnam "Schutz und Liebe" braucht. Er war es auch, der zusammen mit der Mama die Geschenke für Pax auswählte: einen Laster, eine Eisenbahn, einen Teddybär.

Die Jungs wirken so, als seien sie schon immer Brüder gewesen. Sie spielen zusammen, teilen ein Bett. Aber auch Zahara scheint eine ganz besondere Verbindung zu Pax aufzubauen, fast "magisch", wie Jolie glaubt. Ist Maddox der Raufbold, der Spielkamerad und Kumpel, so ist Zahara der Ruhepol. Ihre Sanftheit und ihre Selbstlosigkeit haben Pax schnell in ihren Bann gezogen. Ein wenig überwältigt von all der neuen Aufmerksamkeit soll Pax allerdings noch sein, berichten Freunde von Brad Pitt. Kein Wunder, wuchs der Kleine doch, von der Mutter zwei Tage nach der Geburt verlassen, allein unter anderen Waisen auf. Er gilt als sehr ruhig, höflich, manchmal ein bisschen melancholisch. Diese innere Zerrissenheit, diese traurige Schüchternheit waren es wohl auch, die Angelina Jolie - sie hatte Pax zum ersten Mal im Januar bei einer Reise nach Vietnam gesehen - zu ihm hingezogen haben.

"Unbewusst spürte Angie wohl, dass sie viel mit Pax gemeinsam hat", so ein enger Vertrauter des Stars zu GALA. Die 31-Jährige selbst sagt dazu im US-Magazin "People" nur: "Pax ist ein sehr starker Junge."

Pax Mutter könnte Angelina Jolie das Leben schwer machen

Das muss er jetzt auch sein. Denn wie die britische Zeitung "News of the World" berichtet, wurde plötzlich die leibliche Mutter von Pax Thien ausfindig gemacht - offenbar eine drogenabhängige Bettlerin. Beobachter befürchten, Pham Thu Dung, 29, könne nun versuchen, Pax' neue Familie zu erpressen. Denn offenbar hat nicht sie die Adoptionspapiere unterzeichnet, sondern ihre Eltern. Pax selbst ahnt zum Glück noch nichts von diesen Komplikationen. Für ihn werden die nächsten Wochen und Monate auch so reichlich Gewöhnungsprobleme mit sich bringen. "Ich mache mir Sorgen um Pax", sagt Pflegerin Bui Thi Thanh Tuyen, 40, die sich im Heim um ihn gekümmert hatte. "Er ist von Fremden umgeben. Er spricht kein Englisch. Wir hatten keine Zeit, ihn auf die Adoption vorzubereiten. Alles war geheim."

Dabei sind die Veränderungen enorm: Von einem Tag auf den anderen hieß der Dreijährige nicht mehr Pham Quang Sang, sondern bekam einen symbolträchtigen Namen, der sich obendrein in Amerika leichter aussprechen lässt. Seine neue Mutter schenkte ihm einen Gameboy und deckte ihn mit Designerkleidung ein, darunter eine Jacke von "Great China Wall" für 260 Euro. Droht jetzt ein Kulturschock? "Das Wichtigste für ein Kind sind Sicherheit und eine stabile Bindung, dann gibt es auch keine bleibenden Schäden", sagt die Hamburger Psychologin Heidrun Brauer zu GALA. "Angelina Jolie und Brad Pitt müssen Pax das Gefühl geben, immer für ihn da zu sein."

Terminkalender und Dienstpläne an der Kühlschranktür

Doch genau das könnte zum Problem werden, wenn man den vollgestopften Terminkalender der beiden Hollywood-Stars bedenkt. So muss Pitt nicht nur das Fantasy-Drama "The Curious Case of Benjamin Button" zu Ende drehen und hat dann noch vier weitere Produktionen vor sich. Auch Jolie, die ja eigentlich zu Hause bei den Kindern bleiben wollte, hat für zwei neue Projekte zugesagt. Erst wird sie Ende Mai in Prag neben Morgan Freeman den Thriller "Wanted" drehen. Danach geht es gleich weiter zum nächsten Set: Clint Eastwood hat sie für sein Mystery-Debüt "The Changeling" gewinnen können.

"Ich weiß, dass es für uns als Familie nicht leicht wird", prophezeit Jolie. Genau wie seine Geschwister muss sich wohl auch Pax früh daran gewöhnen, mit seinen Eltern um die Welt zu jetten oder wochenlang auf seine Mutter zu verzichten. "Angelina hat immer gesagt, dass sie ihr eigenes Leben nicht aufgeben möchte, sie glaubt, alles unter einen Hut zu kriegen", sagt ein Freund. Auch aus diesem Grund hat der Brangelina-Clan daheim einen "Dienstplan" am Kühlschrank kleben. "Darauf zu finden sind alle Drehtermine, sämtliche UN-Reisen, die geplanten Ferien und Schulaktivitäten", erzählt ein Pitt-Freund. Der Plan sei der Familie heilig, diene er doch auch dazu, gemeinsame Familienzeit zu organisieren, damit die Kinder gleich viel Aufmerksamkeit bekommen. Denn darin sind sich die Eltern einig: Allen vieren soll die gleiche überwältigende Liebe zuteil werden, alle vier sollen das Glück der Patchwork-Familie genießen können. "Denn nur mit vielen gemeinsamen glücklichen Momenten", davon ist Jolie überzeugt, "kann es in einer Großfamilie wirklich gut funktionieren."

Exklusive Bilder des neuen Kinderglücks im Hause Jolie/Pitt sehen Sie in der neuen GALA