Titelgeschichte

Sie wagt es noch nicht

Kylie Minogue hat ihre Comeback-Tournee bis auf weiteres verschoben. Im nächsten Jahr wollte sie damit ihren 40. Geburtstag feiern - und den Sieg über ihre Krebserkrankung. Doch ihre Angst, einen Rückfall zu erleiden, ist zu groß

Kylie Minogue

Es sollte die Krönung ihres Comebacks werden

- eine triumphale Rückkehr ins Rampen­licht. Kurz nach ihrem 40. Geburtstag Ende Mai 2008 wollte noch einmal voll durchstarten und neben bekannten Hits auch Songs des neuen Albums "X" auf den Konzertbühnen weltweit präsentieren. Doch jetzt ist sie wieder da, die schleichende Angst, dass der 2006 nach hartem Kampf besiegte Brustkrebs vielleicht zurückkehren könnte. Eine Angst, die in der Vergangenheit nur zu gern verdrängte und mit ihrer Arbeitswut zu ersticken versuchte.

Hat nun die Vernunft gesiegt? Die britische Zeitung "Daily Mail" weiß zu berichten, dass Kylies Herzenswunsch nach einer geplatzt ist, weil sie derzeit gesundheitlich noch nicht in der Lage für eine solche Reise sei. Minogues Management dementiert diese Berichte - Kylie habe keine Tour absagen müssen, weil es bislang noch gar keine festen Tourneedaten gegeben hätte; im Übrigen gehe es der 39-Jährigen "exzellent". Das bleibt durchaus zu hoffen.

Doch steht hinter der euphorischen Mitteilung wohl auch die strategische Absicht, Kylies Image zu retten: Weder Plattenbosse noch Konzertveranstalter können eine unvernünftige Sängerin gebrauchen, die entgegen dem Rat der Ärzte die Signale ihres Körpers missachtet und um jeden Preis ein Comeback. Und Kylie ist seit 20 Jahren dafür bekannt, das Maximum aus sich herauszuholen, sich alles abzuverlangen. Auch wenn sie dabei manchmal ihre eigenen Grenzen überschreitet.

Das soll nun Vergangenheit sein. "Ich nehme meine Gesundheit verdammt ernst, und deshalb muss ich es endlich lernen, meine Kräfte einzuteilen", so der Superstar gegenüber GALA. "Ich versuche jetzt, mich an feste Bürozeiten zu halten. Deshalb habe ich mein Team angewiesen, streng mit mir zu sein und mich manches gar nicht erst zu fragen - denn ich könnte Ja sagen! Ich delegiere viel mehr. Das ist neu für mich, schließlich bin ich ein fleißiges Bienchen und muss immer über alles Bescheid wissen", so ihre kritische Selbstanalyse.

Kylie während des "Music Industry Trust Awards 2007" Ende Oktober in London

Kylie während des "Music Industry Trust Awards 2007" Ende Oktober in London

In ihrem liebevoll eingerichteten Heim im Londoner Stadtteil Chelsea tanke sie neue Energien, die sie so dringend braucht. Zu spüren, dass man doch nicht so stark ist, wie man eigentlich dachte - das ist eine Erfahrung, die Kylie bereits Ende 2006 machen musste, als sie im Rahmen ihrer "Showgirl Homecoming"-Tour ein Konzert in Manchester nach der Hälfte ab­brechen und weitere Termine absagen musste. Schon damals spielte ihr zarter Körper einfach nicht mehr mit.

Kein Wunder, denn "jede ist grundsätzlich eine chronische Erkrankung - selbst wenn es aussieht, als sei sie momentan geheilt", warnt Eva Kalbheim, Expertin der Deutschen Krebshilfe. Deshalb sei es Wahnsinn, den Organismus frei­willig so einer Dauerbelastung auszusetzen.

Natürlich ist sich auch Kylie darüber bewusst, was sie sich in der Vergangenheit alles zumutete. "Vor allem, wenn ich heute auf meine Showgirl-Tour im vergangenen Jahr zurückblicke, weiß ich selbst nicht mehr, wie ich das eigentlich geschafft habe. Es war wohl halb Wut, halb Wille", erinnert sich der Superstar im Interview mit GALA.

Stolze Kylie mit Preis: den Q-Award erhielt sie als "Idol 2007"

Stolze Kylie mit Preis: den Q-Award erhielt sie als "Idol 2007"

Die Showbühne, das Rampenlicht, die jubelnden Fans - das alles bedeute für sie aber auch das pure Glück. Die Energie, die sie während einer zweistündigen Show tanke, sei einzigartig. Und genau darin liegt das Dilemma des Superstars. Kylie Minogue ist zerrissen zwischen dem tiefen inneren Bedürfnis, eine perfekte Karriere hinzulegen - sich und ihren Fans zu beweisen, dass sie immer noch dieselbe Powerlady ist wie früher -, und dem Wunsch, dauerhaft kürzer zu treten und eine Familie zu gründen. Die Sehnsucht nach Babygeschrei, sie ist in den vergangenen zwei Jahren größer geworden, zumal Kylies biologische Uhr immer lauter tickt. "Ich liebte Kinder schon immer. Doch erst seit meiner Erkrankung denke ich ernsthaft darüber nach, selbst Mutter zu werden", verriet sie jüngst.

Laut Berichten der "Sun" hat Kylie allerdings bereits vor ihrer Krankheit zusammen mit ihrem Ex-Freund mehrmals einen Experten auf­gesucht, um sich über eine künstliche Befruchtung zu informieren. Damals hieß es, sie habe sich Eizellen entnehmen lassen, um sich diese nach erfolgreicher Chemotherapie wieder einsetzen oder eine künstliche Be­fruchtung durchführen zu lassen. Meldungen, die Kylie allerdings dementierte. Wie sehr sie sich wünscht, nach der Ent­täuschung mit wieder glücklich zu werden, wird auch im GALA-Interview deutlich: "Ich bin dabei, mir mein Leben zurückzuerobern und für mich das Beste draus zu machen."

Es bleibt abzuwarten, was am Ende siegt: Kylies Streben nach Erfolg oder die Sorge um die eigene Gesundheit. Immerhin: Sie denkt laut über eine längere Auszeit nach, wie sie auch gegenüber GALA betont. "Ich möchte liebend gerne durch die Welt reisen, Rucksack auf und einfach los. Oder ich starte meine eigene Kochshow, denn beim Kochen kann ich mich wunderbar entspannen."

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