Titelgeschichte

Sie meint es doch nur gut...

Madonna in Malawi: Auf der Suche nach dem Glück und einem weiteren Kind sorgte die Sängerin erneut für Ärger - diesmal auch bei Ehemann Guy Richie, der die Pläne seiner Frau nicht länger unterstützen will

Madonna

Hätte man nicht gedacht,

dass sich so über einen Maiskolben freuen kann. Triumphierend hält sie die Frucht ihres Charity-Engagements in der Hand, als wäre sie ein Mikrofon, und lächelt beseelt wie nach der Zugabe eines außerordentlich gelungenen Konzerts. Dabei steht die Pop-Queen ­- in Tarnhose und Strohhut ­- mitten im aufgewühlten Erdreich, auf einer Plantage in Mtanga, Malawi. Was hier an Entwicklung geschehen sei, habe man nur ihrer Großzügigkeit zu verdanken, loben umstehende Mitarbeiter des Agrar-Projekts. Kopfnicken, Applaus. Fotoapparate klicken, die Wohltäterin strahlt. Überglücklich. Man sieht ihr an, dass es ihr guttut, Gutes zu tun.

Man spürt die Hingabe, mit der Madonna, 48, sich in die selbst gewählte Lebensaufgabe stürzt ­ und darüber alle eigenen Sorgen zu vergessen scheint. Denn der Haussegen in London hängt derzeit so schief wie lange nicht mehr. Während Madonna mit Tochter Lourdes, 10, und ihrem 18 Monate alten Pflegesohn David durch Malawi streift, feiert sich , 38, daheim den Ehefrust von der Seele. Mit reichlich Drinks und einer langbeinigen Brünetten, wie Gäste des "Mahiki"-Clubs im Londoner Stadtteil Mayfair beobachten konnten. Kriselt es, weil Madonnas Herz mehr für Malawi als für ihren Mann schlägt?

Helfen um jeden Preis, das ist Madonnas neues Ziel. Doch auch das will gelernt sein

In der Öffentlichkeit sieht noch alles nach einer Familienidylle aus, doch es kriselt

In der Öffentlichkeit sieht noch alles nach einem Familienidyll aus, doch es kriselt

"Ich liebe euch alle", sagte die Sängerin in Afrika. Immer wieder, überall und jedesmal sichtlich gerührt. Auf der Mais-Plantage, zu den Menschen am Straßenrand, die mit beschrifteten Pappen ihre "Lady Madonna" Wilkommen hießen. Und zu den 420 Kindern im Waisenheim "Home of Hope", denen Madonna außerdem in einer Rede versprach: "Ich werde mein Bestes geben, euch zu unterstützen!"

Helfen um jeden Preis, das ist Madonnas neues Ziel, auch wenn sich andere darüber bisweilen den Mund zerreißen. Kolleginnen wie , die die geplante Adoption von Baby David im Oktober sogar als "illegal" verurteilte, und . "Warum kümmert sich Madonna nicht um hilfsbedürftige Menschen in Amerika?", stichelte die Schauspielerin unlängst während eines Interviews.

Warum nur diese Ablehnung? Mag sein, dass Madonna hauptsächlich durch ihre Art Anstoß erregt. Im Detail fehlt ihr, bei allem guten Willen, oft das Fingerspitzengefühl. Sie braust im Konvoi mit Filmteams durch Malawi und bettet abends ihr Haupt in der luxuriösen "Kimbala Lodge". Sie bezahlte Davids Vater in den vergangenen sechs Monaten nicht einen einzigen Flug nach London und gewährte dem armen Bauern nun vor Ort gerade mal 30 Minuten Audienz mit seinem Sohn. So etwas ist einfach ungeschickt. Hinzu kommt, dass sie schon wieder öffentlich Ausschau nach neuen Babys hält. Die dreijährige Grace ist derzeit ihre Favoritin. Sie hat das Waisenmädchen daheim in London in einer Dokumentation gesehen ­ und sich "Hals über Kopf verliebt", wie Freunde der Presse anvertrauten.

Bislang stand Ehemann Guy Ritchie immer hinter ihr, doch Madonnas Blicke sprechen jetzt eine andere Sprache

Bislang stand Ehemann Guy Ritchie immer hinter ihr, doch Madonnas Blicke sprechen eine andere Sprache

Nun hat Madonna ersten Kontakt aufgenommen ­ gegen den Willen ihres Ehemanns: "Schatz, geh' nicht nach Malawi", soll Guy Ritchie laut der britschen Zeitung "Daily Mail" seine Frau vor ihrer Reise angefleht haben. "Es ist zu früh dafür, verdammt nochmal!" Ritchie steckt der Ärger, der nach ihrem letzten gemeinsamen Besuch im Oktober hochkochte, noch in den Knochen. Damals wurde das Promi-Paar wegen der Entscheidung, David nach London zu holen, heftig kritisiert, man warf den beiden "Kolonialherren-Gehabe" vor, Bestechung und Egoismus. Vor allem die britischen Medien waren gnadenlos. Noch einmal wollte Ritchie dieses Chaos nicht über sich und seine Familie hereinbrechen lassen. Zumal die malawischen Behörden Davids Adoption noch gar nicht abschließend genehmigt haben. Erst in gut einem Jahr soll eine Entscheidung fallen. Ritchie hat also überzeugende Gründe, seine Angetraute zu bremsen. Doch Madonna setzte sich über allen Bedenken hinweg. Wie so oft. Die Königin des Pop hat einen eisernen Willen. Wenn sie sich einmal etwas in den Kopf setzt, kann es ihr niemand ausreden, ob bis zum Exzess betriebenes Yoga, strikt makrobiotische Ernährung oder Kabbala. Vergangenes Jahr legte sie sich sogar mit dem Vatikan an. Ein Kardinal warf ihr Blasphemie vor, weil sie sich während ihrer Bühnenshow symbolisch ans Kreuz fesseln ließ, und forderte Einhalt des ketzerischen Treibens. Worauf Madonna natürlich den Teufel tat und ihr Ding weiter durchzog.

Etwas zuviel des Guten: Hat sich Madonna einfach übernommen?

Eine ähnliche Trotzhaltung bewies sie jetzt auch in Malawi. Dazu jede Menge Aktivismus: Sie gründete eine Stiftung, will Krankenhäuser restaurieren, Schulen bauen, einen eigenen Landsitz einrichten, um dort mit der Familie einen Monat im Jahr zu leben. Dagegen muten alle bisherigen Projekte in Madonnas Leben wie Spielereien an. Nie war ihr etwas wichtiger. Guy Ritchie hat dem offenbar wenig entgegenzusetzen. Noch im Landeanflug auf die malawische Hauptstadt Lilongwe stritt sich Madonna telefonisch mit ihrem Mann, der mit dem gemeinsamen Sohn Rocco, 6, nach langer Diskussion aus Protest in London geblieben war. Sie fühle sich von ihm "im Stich gelassen", fauchte Madonna Guy an. Gerade jetzt, wo so viel anzupacken sei. Die Sängerin will das Waisenheim "Home of Hope" übernehmen, da der presbyterianische Pfarrer Thompson Chipeta bald in den Ruhestand gehen wird. Zudem muss ein passendes Grundstück für den Landsitz gefunden werden. Und vielleicht ein Schwesterchen für David.

Zwar dementiert Madonnas Sprecherin alle neuen Adoptionspläne vehement. Aber das hat sie seinerzeit bei David auch getan. Und die in Malawi erscheinende Zeitung "Daily Times" fragte gar: "Was verheimlicht uns Madonna?" Augenzeugen beobachteten, dass sie sich eine Viertelstunde lang völlig hingerissen mit der dreijährigen Grace beschäftigte, während Tochter Lourdes die Begegnung mit der Videokamera festhielt. "Es war immer Madonnas Plan gewesen, zwei Waisenkinder zu adoptieren", heißt es aus dem Umfeld der Sängerin. "Grace ist gesund, hübsch, hat keine lebenden Verwandten." Die Tatsache, dass Davids Vater sich so massiv in den Vordergrund drängte, hatte das letzte Mal den Großteil der Probleme verursacht. Nun könnte allerdings Guy Ritchie der Störenfried im Adoptionsplan sein. Der wünscht sich nach all den Turbulenzen und Anfeindungen nämlich vor allem eines: Ruhe und familiäre Harmonie. Madonna hingegen strebt weiter nach mehr. Mehr Kinder, mehr Glück, mehr Bewunderung.

Einer ist nicht mehr länger bereit, nachzugeben: Ehemann Guy Ritchie

Der Bogen scheint bereits überspannt und Ritchie mit seiner Toleranz am Ende zu sein. Zu oft schon musste er dem Willen seiner resoluten Frau nachgeben und ihr obendrein den Rücken freihalten. Als sie vor anderthalb Jahren gegen seinen Rat auf Welttournee ging und bis an die Grenze ihrer körperlichen Belastbarkeit trainierte, kümmerte er sich um die Kids. Madonna zuliebe stellte er seine Lebens- und Ess-Gewohnheiten um. Trank kein Bier mehr, belegte Kabbala-Kurse, brach mit Freunden, die sie nicht mochte. Und obwohl das Paar sich noch Anfang des Jahres gegenseitig schwor, beruflich kürzerzutreten, um mehr Zeit mit den Kindern zu verbringen, werkelt Madonna schon wieder fleißig an der Karriere.

Einige Tage vor ihrem Abflug nach Malawi traf sich die Sängerin mit und Star-Produzent in einem Studio in Los Angeles -­ um an einem neuen Album zu arbeiten, wie Branchen-Insider verrieten. Außerdem meldete die Zeitung "Sun", dass Madonna nächsten Monat auch noch ihr erstes Regie-Projekt in Angriff nimmt. Ihrem Mann, dem Regisseur in der Familie, soll sie gesagt haben: "Was du kannst, kann ich noch besser, ." Aber ob sie das alles auch ohne seine Hilfe könnte...

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