Titelgeschichte

In ihrem Leben ist wieder Musik

Sie war pleite, drogenabhängig und wurde totgesagt. Doch Whitney ist zurück. Und feiert bald ein 100-Millionen-Comeback

Whitney Houston

Unspektakulärer hätte die Szene

vor dem New Yorker "Nobu 57" nicht sein können: kam vom Sushi-Lunch, lächelte nett, winkte kurz - und war schon wieder verschwunden. Die wenigen anwesenden Paparazzi aber waren soeben Zeugen eines sensationellen Auftritts geworden. bereitet eifrig ihr Comeback als Sängerin vor, für den Jahreswechsel ist nach sechs Jahren musikalischer Sendepause ihr neues Album angekündigt. Und es heißt, sie habe einen der spektakulärsten Deals der Musikgeschichte in der Tasche.

100 Millionen Dollar, etwa 70 Millionen Euro, soll sie von ihrer Plattenfirma Arista, Teil der Sony BMG, für ihre nächsten Alben erhalten. Die Vorfreude aufs Comeback sieht man ihr an. Sie ist wieder so strahlend schön, selbstsicher und vital wie früher. Das Sensationelle daran: Vor nicht einmal einem Jahr glaubte niemand, dass sie es je wieder auch nur in die Nähe eines Mikrofons schaffen würde. Aus der strahlenden Souldiva von einst war ein ausgezehrtes Drogenwrack geworden.

Clive Davis und Whitney Houston

Ein echter Freund, der ihr zur Seite steht: Clive Davis und Whitney Houston

Die Sängerin war in den vergangenen zehn Jahren buchstäblich durch die Hölle gegangen: süchtig nach Crack, Alkohol und Kokain. Erschreckend abgemagert, verließ sie in ihrer schlimmsten Zeit kaum noch ihr Haus in . Laut ihrer Schwägerin verschanzte sie sich dort tagelang. Fotos des Badezimmers mit Crackpfeifen und Kokainresten gingen um die Welt. Schließlich tobte nach 14-jähriger Ehe voller Hassliebe und Gewalt ein nervenzerfetzender Rosenkrieg zwischen ihr und Ehemann um die gemeinsame Tochter , 14. Und dann hieß es zu allem Überfluss, die einstige Multimillionärin sei wegen unkluger Vertragsabschlüsse und Schulden komplett bankrott.

Zwar war schon vor sechs Jahren einmal die Rede von einem Comeback mit 100-Millionen-Dollar-Vertrag gewesen. Doch Whitneys Sucht war damals stärker als ihr Wille, die Auflagen zu erfüllen. Eine Radiomeldung verkündete 2001 sogar ihren Drogentod. Sie war am Ende. Nun aber ist sie wieder auferstanden. 2007 hat Houston das Unglaubliche geschafft und ihre Talfahrt auf wundersame Weise beendet. Im April wurde die Scheidung von Brown, 38, rechtskräftig, Whitney bekam das alleinige Sorgerecht und soll nach einem Entzug wieder clean sein. Dass sie zurück auf dem Weg an die Spitze ist, beruflich wie privat, hat sie vor allem einem Mann zu verdanken: ihrem Entdecker . Der Musikmogul ist über die Jahre ein enger Freund der Sängerin geblieben. In ihren dunklen Stunden flog er im Privatjet von New York nach Atlanta, spendete Trost und sorgte dafür, dass sich Whitney schließlich von den besten Drogenspezialisten behandeln ließ.

Whitney Houston letzte Woche in New York

Da konnte sie wieder strahlen: Whitney Houston Ende September in New York

Sie sagt über ihn: "Er ist der Einzige in der gesamten Branche, der wirklich etwas von meiner Musik versteht." Stolz verkündete Davis jetzt stellvertretend für die gesamte Musikindustrie das Comeback seines Schützlings: "Wir sind alle sehr aufgeregt, weil eigentlich jeder in unserem Business weiß, dass sie und die besten Sängerinnen der Welt sind." Dass das neue Album an die Welterfolge der Vergangenheit anschließen könnte, bezweifelt kaum jemand. Ein Branchen-Insider vermutet, Whitney habe bereits 20 Millionen Euro an Vorschüssen erhalten. Und wenn die ihrer sagenhaften Fünf-Oktaven-Stimme nicht geschadet haben, dann feiert sie schon bald den musikalischen Triumph des Jahrzehnts, wie auch Musikexperte gegenüber GALA bestätigt: "Whitney Houston ist ohne Zweifel eine der besten Sängerinnen überhaupt. Sie hat eine unvergleichliche Stimme. Und wenn sie ihre Probleme jetzt wirklich in den Griff bekommen hat, wäre das toll. Das könnte ein richtiger Knaller werden!"

Das grosse Comeback - man wünscht es dieser Ausnahmefrau. Die Höhen und Tiefen im Leben eines Superstars hat Whitney Houston wie keine zweite durchlebt.Nachdem Davis sie 1983 als 19-Jährige bei einem Auftritt in einem New Yorker Nachtclub gesehen und vom Fleck weg unter Vertrag genommen hatte, erklärte er sein Gespür für Whitneys Starqualitäten mit den knappen Worten: "Man hat es eben oder man hat es nicht. Und sie hat es."

Whitney Houston und Bobby Brown

Vergangen: Whitney Houston und Bobby Brown

In der Tat: Mit Songs wie "How Will I Know" oder "I Wanna Dance With Somebody" brach die zarte Whitney Mitte der Achtzigerjahre sogar den Rekord der Beatles und landete sieben aufeinander folgende Nummer-1-Hits in den USA. Bis heute hat sie 170 Millionen Tonträger verkauft. Auch privat fand sie mit dem R'n'B-Sänger Bobby Brown ihr Glück. Doch bald verdichteten sich Gerüchte, dass das Traumpaar nicht nur mit Alkohol, sondern auch mit harten Drogen exzessiv feiern würde.

Es war Clive Davis, der ihr schon damals zur Trennung von Brown riet. Als aus den Gerüchten bittere Wahrheit wurde, hielt neben der Musikindustrie und den Fans vor allem die Familie zu der Sängerin. Ausgerechnet Whitneys verhasste Schwägerin Tina Brown war es, die sie schließlich wachrüttelte. In einem Interview mit der britischen Zeitung "The Sun" deckte Brown Anfang letzten Jahres Houstons schwere Crack-Abhängigkeit auf: "Die Wahrheit muss herauskommen. Whitney schafft keinen Tag ohne Drogen - jeder hat Angst, dass sie eine Überdosis erwischt." Von Halluzinationen war die Rede und Verwahrlosung. Der Skandal war perfekt, doch immerhin kam durch die Enthüllungen endlich Bewegung in Whitneys Leben. Sie ließ sich in eine Klinik einweisen und schaffte nach dem zweiten Anlauf den Entzug.

Eine gute Seele, die neben Davis immer an sie geglaubt hat, ist Whitneys Cousine , 66. Sie verriet in einem GALA-Interview einmal: "Whitney hat die Kraft eines Bullen. Sie wird niemals untergehen." ist es nun auch, die sich intensiv um Bobbi Kristina kümmert, wenn ihre Mutter im Aufnahmestudio ist. Das Familiennetz ist gut gespannt, achtet streng darauf, dass der von ihr gehasste Bobby Brown nicht in die Nähe des Teenagers kommt. Das hatte Whitney immerhin vor Gericht erkämpft. Genau die Power, mit der es Whitney Houston durch die Höhen und Tiefen ihres Lebens schaffte, hilft ihr auch jetzt. Und wie nie zuvor findet sie Kraft in ihrem Glauben. Viele der neuen Songs sollen von Gospelmusik inspiriert sein.

Der Einzige, der Whitney Houston ihre musikalische und gesundheitliche Wiedergeburt missgönnt, ist Ex-Mann Bobby Brown. Der Rapper will gerichtlich gegen den verlorenen Sorgerechtsstreit um Bobbi Kristina vorgehen, angeblich sei er im Gegensatz zu seiner Ex-Frau stets für seine Tochter dagewesen. Eine erneute Anhörung ist für den 22. Okober angesetzt.

Dass Brown gewinnen wird, gilt allerdings als unwahrscheinlich, schließlich war er wegen Drogen und Alkohol bereits mehrmals im Gefängnis und soll hochgradig depressiv sein. Es erstaunt nicht, dass er ausgerechnet jetzt wieder vor Gericht ziehen will. Immerhin hat auch Brown von dem lukrativen Plattenvertrag seiner Ex-Frau gehört und hofft wohl, mit überzogenen Unterhaltsforderungen von Whitneys Erfolg profitieren zu können. Whitney Houston allerdings sollte jetzt ausschließlich an sich und ihre Tochter denken. Beide haben es mehr als verdient.

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