Titelgeschichte

Frisch verheiratet in die Krise

Zwei neue Biografien verbreiten pikante Details über Carla Bruni und Nicolas Sarkozy. Und viele Franzosen fragen schon: Wie lange wird die Ehe der beiden überhaupt halten?

Für einen Moment

wie diesen nimmt sogar die Sonnenbrille ab. Mit einem Lächeln schmiegt sie sich an die Schulter von - bei dem Arrangement wären die Gucci-Gläser nur hinderlich gewesen. Es ist der Tag nach der Hochzeitsnacht. Der Präsident und seine neue First Lady sitzen nach einem Spaziergang durch den Garten von Schloss Versailles in einem Café und trinken Tee. Die Sonne scheint, es ist Gute-Laune- Wetter - und auch Tuschelpaar Nummer eins macht auf Harmonie. Die beiden wissen, dass sie immer noch unter Nonstop-Beobachtung stehen. Die Schmusebilder sollen sagen: Alles klar, wir sind glücklich.

Jetzt, wenige Tage später, dürfte die sonnige Stimmung Vergangenheit sein. Nach der Blitzhochzeit haben die Verlage in Frankreich blitzschnell zwei Bruni-Biografien auf den Markt gebracht: "Carla Bruni. Wer ist sie wirklich?" und "Carla und Nicolas. Chronik einer gefährlichen Liasion". Beide Werke fördern überraschende pikante Details zutage.

ist so eine Überraschung. Laut "Chronik einer gefährlichen Liaison" war das französische Bond-Girl vor Carla Bruni das Objekt der Begierde von Sarkozy. Anfang November 2007 soll er sie beispielsweise direkt aus einer Ralph-Lauren-Boutique auf den Champs Élysées angerufen haben. Dem " Chronicle" erzählte später, das Staatsoberhaupt habe sie zu einer Visite bei seinem US-Kollegen eingeladen. "Aber er war doch gerade von seiner Frau getrennt. Deshalb fand ich die Situation komisch. Weil ich zu der Zeit den Film 'Franklyn' drehte, konnte ich ihn sowieso nicht begleiten - unglücklicherweise."

Das Beispiel zeigt, wie zielstrebig Sarkozy auch in Liebesdingen vorgeht. Ganz nach seinem politischen Leitspruch "Je mehr man wagt, desto größer der Triumph". Er gilt als Schwerenöter, als jemand, der alles kann, nur nicht allein sein. Kurz nach den Avancen gegenüber traf er dann Carla und bewies, dass er in Liebesdingen auch sehr flexibel sein kann. Ihr war die frische Trennung von Cécilia egal. Also löschte Sarkozy Nummer aus dem Mobiltelefon und ersetzte sie durch Carlas.

Ob er da ahnte, wie deftig sich seine neue Flamme über Männer auslässt? Genüsslich zieht sie über ihre Verflossenen her - von denen gibt es bekanntlich viele. Der einflussreiche Medienunternehmer Denis Olivennes ist offenbar einer von ihnen. Und er spielt eine nicht unwichtige Rolle bei der Kennenlern-Geschichte von Bruni und Sarkozy. Im Herbst begleitete Carla ihren damaligen Partner, wie GALA jetzt erfuhr, zu einem Treffen mit Sarkozy im Élysée-Palast. Thema: Bekämpfung der Internet-Piraterie. Ein paar Wochen später trafen die drei wieder aufeinander - im Rahmen eines Dinners bei Werbeberater Jacques Séguéla. Am Ende des Abends ging Olivennes allein nach Hause. An seiner Stelle fuhr Sarkozy Carla Bruni zu ihrem Appartement im 16. Arrondissement. Der Rest ist bekannt.

Bei solchen Details ist es kein Wunder, dass Frankreichs Öffentlichkeit rätselt, wie authentisch die Gefühle der Alpha­tier-Karrieremenschen Bruni und Sarkozy sind. War es wirklich die neue Liebe auf den ersten Blick oder doch nur das jüngste Kapitel eines munteren Bäumchen-wechsel-dich-Spiels? Die Zeitschrift "Nouvel Observateur" stellt die Frage, wie Sarkozy sich dreieinhalb Monate nach der Scheidung von seiner angeblich großen Liebe Cécilia in Carlas Reh-Augen vergucken und diese Frau zwei Monate nach der ersten Begegnung gleich heiraten konnte. Das sei Las-Vegas-Hochzeits-Tempo, wie man es sonst nur von kennt.

Immer wieder greift die Presse das Gerücht auf, dass Sarkozy bei der Hochzeitsplanung auch deshalb so sehr Gas gegeben habe, weil Carla schwanger sein soll. Offiziell gibt es dazu kein Statement. Jedenfalls hat der 1,65 Meter kleine Politiker im Höllentempo das geschafft, was vor ihm kein Mann erreichte. Keiner konnte sie länger halten, kein Clapton, kein Costner, kein Jagger. Hat "Speedy Sarko" sie mit einem Ultimatum unter Druck gesetzt, wie eine der neuen vermutet? Nur 20 Minuten dauerte die Trauung im Élysée-Palast. Flitterwochen? Erst mal nicht drin. Laut dem Magazin "Closer" gibt es in der nächsten Zeit nur einen Kurzurlaub in einem Schweizer Chalet von Carla Bruni.

Mit Schauspielerin Eva Green, 27, wäre Nicolas gerne zusammen gewesen, wenn da nicht die Carla seinen Weg gekreuzt hätte

Mit Schauspielerin Eva Green, 27, wäre Nicolas gerne zusammen gewesen. Wenn da nicht Carla seinen Weg gekreuzt hätte

"Mit der Heirat hat Sarkozy den Erwartungen seiner traditionellen, konservativen Wählerschaft entsprochen", sagt Prof. Frank Baasner, Direktor des Deutsch-Französischen Instituts in Ludwigsburg. Trotzdem ist an der Schlagzeilen-Front vorerst keine Ruhe zu erwarten. Frankreichs Medien betonen immer wieder, wie instabil die Beziehung dieses Paares ist und weisen darauf hin, dass die beiden ihre Bewährungsprobe noch längst nicht bestanden haben. Schwere Zeiten trotz des Jaworts also. Wie werden sich Sarkozy und Bruni verstehen, wenn die Glücksgefühle der ersten Verliebtheit verschwunden sind?

Jede Kleinigkeit wird in der französischen Öffentlichkeit wahrgenommen, jede Geste, jedes Signal analysiert. Zum Beispiel die Tatsache, dass Carla Bruni den Familiennamen Sarkozy nicht angenommen hat. Oder die Aussage ihrer Mutter Marysa in der italienischen Zeitung "La Stampa", ihre Tochter werde nicht in den Élysée-Palast ziehen. Oder auch die besagten Bilder aus Versailles. Während sie Zärtlichkeit sucht, behält er seine coole Ray-Ban-Sonnenbrille auf und telefoniert. Der Präsident ist bekannt dafür, dass er gern das Mobiltelefon am Ohr hat oder SMS verschickt. Selbst bei wichtigen öffentlichen Auftritten wie dem Papst-Besuch vor Weihnachten überprüfte er das Handy ständig. Damals vermutete die Presse, dass er ungeduldig auf Nachrichten von Carla warten würde. Doch die sitzt ja nun neben ihm.

Kann Carla Bruni als First Lady ihre Musikkarriere weiterführen?

Kann Carla Bruni als First Lady ihre Musikkarriere weiterführen?

Wie wird sich die selbstbewusste Carla Bruni mit der neuen Aufgabe der First Lady zurechtfinden? "Beide definieren sich über ihre öffentliche Rolle und wollen im Rampenlicht stehen. Das verbindet sie und wird sie auch persönlich stärken", sagt Frankreich-Experte Baasner. "Carla Bruni wird ihre Rolle noch suchen müssen. Es wird nicht reichen, durch schöne Fotos zu glänzen. Und sobald der eine im Schatten des anderen steht, wäre das eine Belastung für das Persönliche."

Und dann ist da noch Cécilia, die nach der Scheidung ihren Mädchennamen Ciganer-Albéniz wieder angenommen hat. Vertraute des Präsidenten sollen dem "Nouvel Observateur" erzählt haben, dass die Scheidung Nicolas Sarkozy zutiefst traumatisiert habe. Laut der Zeitschrift hat er acht Tage vor der Hochzeit mit Carla eine SMS an Cécilia geschrieben. Wortlaut: "Wenn du zurückkommst, werde ich alles absagen!".

Die Heirat als Druckmittel, um die Ex wiederzubekommen? Klingt verwegen. Aber es ist auffällig, wie sich kleine Racheakte wie ein roter Faden durch die Ereignisse der vergangenen Monate ziehen. Nicolas Sarkozy und Carla Bruni inszenierten ihre Beziehung von Anfang an als große Liebes-Show an Orten, die Sarkozy doch eigentlich mit Cécilia verbindet. Der "Nouvel Observateur" jedenfalls traut dem Machtmenschen auch in dieser Hinsicht vieles zu. Die besagte SMS-Geschichte soll für heftigen Streit zwischen dem Ehepaar gesorgt haben, hieß es.

Mit Cecilia war Nicolas elf Jahre lang verheiratet

Mit Cecilia war Nicolas elf Jahre lang verheiratet

Angesichts dieser Nachrichten zeigte der Präsident zum ersten Mal Nerven: Er verklagte die Zeitschrift und sogar den Autor des Artikels wegen "Verbreitung von Falschmeldungen und übler Nachrede". Das hat noch kein französisches Staatsoberhaupt getan. Außerdem zieht er wohl persönliche Konsequenzen in seinem Beraterteam: Angeblich hat er seinen Sprecher David Martinon, 36, gefeuert, eigentlich sein Schützling - aber eben auch ein Vertrauter von Cécilia. Martinon begleitete Sarkozy jedenfalls nicht beim Staatsbesuch nach Französisch-Guyana.

Wäre ein Zurück zu Cécilia praktisch überhaupt möglich? Eher nicht. Sie trifft sich inzwischen wieder mit ihrer alten Liebe , für den sie Nicolas Sarkozy schon mal - vor zwei Jahren - verlassen hatte. Es kursiert das Gerücht, die beiden wollten demnächst heiraten.

Während seine Ex aufblüht, hat Sarkozy die nächste schwere Aufgabe vor sich. Anfang März stehen Kommunalwahlen in Frankreich an. "Der große Test", heißt es dazu in der Tageszeitung "Le Figaro". Ein Test, was die Politik angeht, aber auch die Belastbarkeit der Liebe des First Couple.

Im Präsidentschaftswahlkampf hatte Sarkozy den Franzosen die Rundumerneuerung des Landes versprochen. Noch gibt es da kaum Erfolge zu vermelden. Nur den Buch- und Zeitschriftenmarkt hat er schon kräftig aufgemischt. Die Presse verdient gut mit den über das turbulente Liebesleben. Die drei Biografien über Cécilia Sarkozy standen sofort an der Spitze der Bestseller-Liste, die beiden Bücher über Carla Bruni verkaufen sich ebenfalls bestens. Und ein drittes ist bereits in Planung. Mit Sicherheit wird auch dieses Werk die Buchbranche weiter beleben. Als die ersehnte Erneuerung werden die skeptischen Franzosen das jedoch bestimmt nicht gelten lassen.

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