Titelgeschichte

Die neue J.Lo

Jennifer Lopez hat sich neu erfunden. Launische Diva war gestern. Heute ist sie mit sich und der Welt im Reinen. Mit GALA plauderte J.Lo über ihre erstaunliche Veränderung - und was die Liebe zu ihrem Mann damit zu tun hat

Jennifer Lopez

Die Zeiten sind vorbei, in denen

sich Schlagzeilen über ausschließlich um Extrawünsche oder amouröse Skandale drehten, sie Journalisten warten ließ oder Interviews einfach abbrach. Keine Zickereien und kein Diven-Gehabe mehr - Jennifer Lopez hat sich neu erfunden. Sie wirkt viel sanfter als früher und ist offensichtlich erwachsen geworden. Ihr diesjähriger Berlinale-Auftritt wurde mit großer Spannung erwartet - und die Schauspielerin und Sängerin überraschte alle.

Auch als J.Lo die Suite des "Regent"-Hotels zum GALA-Interview betritt, ist sofort klar: Dieser Frau geht es momentan richtig gut. Mandelteint, zauberhaftes Lächeln, entspanntes Plaudern. Der Grund für ihre Ausgeglichenheit läuft auf dem Hotelflur singend und pfeifend umher. , 38, weicht seiner Frau seit der Hochzeit vor zweieinhalb Jahren nicht mehr von der Seite. Ob Pressekonferenz, Fotoshooting oder Premieren-Party - bei jedem Auftritt in der Spree-Metropole steht er wie ein Bodyguard hinter ihr, legt schützend seinen Arm um ihre schlanke Taille und küsst sie überschwänglich. Das Dinner mit der Filmcrew schwänzte das Paar, Zweisamkeit ist beiden wichtiger. La Lopez hat aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt. Damals, im Januar 2004, verließ sie ihr Verlobter : wegen ihrer divenhaften Launen und weil sie die geplante Hochzeit platzen ließ.

Heute ist alles anders. Liebe macht die 37-Jährige so stark, dass sie jetzt ganz neue Seiten an sich entdeckt, wie ihr Engagement für die Aufklärung der Frauenmorde an der mexikanischen Grenze, Thema des aktuellen Kinofilms "Bordertown". Selbst Amnesty International zeigte sich beeindruckt und ehrte sie im Rahmen der Berlinale mit dem "Artists for Amnesty"-Award. Weddingplanner und Schwiegermonster ade, jetzt sind bei Jennifer Lopez Themen angesagt, die sie wirklich berühren. Was auch ihre neue CD belegt.

Seit ihrer Hochzeit mit Marc Anthony im Juni 2004 hat J.Lo sich verändert: Der einst launenhafte Star wirkt sanft und zufrieden

Seit ihrer Hochzeit mit Marc Anthony im Juni 2004 hat J.Lo sich verändert: Der einst launenhafte Star wirkt sanft und zufrieden

GALA: Wie kam es dazu, dass Sie ein Album auf Spanisch aufnahmen?

Davon träume ich schon einige Jahre. Zu Anfang dachte ich eigentlich, dass ich nur auf Spanisch singen würde. Aber als ich dann bei der Plattenfirma war, sagten sie mir: Du sprichst doch Englisch, also machen wir eine englische Platte. Fünf Platten später hatte ich aber immer noch diesen Traum, ein spanisches Album zu machen. Und dann war ich mit Marc im Studio, weil er gerade seine eigene CD fertigstellte. Er schrieb einen Song und fragte mich plötzlich: "Warum singst nicht du ihn? Du klingst so toll, wenn du spanisch singst." Das war der Anfang von allem.

GALA: Ihre Songs klingen wie kleine dramatische Soap-Operas.

Stimmt! Die Spache ist sehr wild. Das war für mich eine Möglichkeit, meine private und romantische Seite zu zeigen. Spanisch klingt so herrlich leidenschaftlich. Alles, was ich bisher in Englisch gemacht habe, ging eher in die Pop- oder R'n'B-Richtung.Daneben drehten Sie den spanischen Salsa-Film "El Cantante".

GALA: Ist das eine Rückbesinnung auf Ihre Wurzeln?

Irgendwie schon, allerdings war das nicht geplant. Nach unserer Heirat vor zwei Jahren habe ich mich bewusst zurückgezogen und die Entscheidung getroffen, eine Auszeit zu nehmen. Ich wollte mir Zeit nehmen. Zeit für meinen Mann, Zeit, mein Zuhause mit ihm zu genießen. Und Zeit, um darüber nachzudenken, was ich wirklich will. Dann kamen plötzlich Projekte wie "Bordertown" oder "El Cantante". Und man merkt, das passt irgendwie zusammen. Aber ich bin damals einfach nur meinem Herz gefolgt. Kleiner Tipp: Wenn man das macht, wird auch alles gut. Sie wirken überaus entspannt und mit sich selbst im Reinen. Haben Sie das Gefühl, angekommen zu sein? Ich erlebe gerade eine wunderschöne Zeit. Mein Privatleben ist perfekt, und das gibt mir Selbstvertrauen, mich zu öffnen. Außerdem lebe ich gesund und bewusst. Mein Leben hat sich verändert.

GALA: Inwiefern?

Ich fühle mich gereift. Ich bin einfach erwachsen geworden - auch als Künstlerin. Ich kann mich jetzt klarer artikulieren, das fühlt sich sehr gut an. Ich habe genug Erfahrungen gemacht, gute wie schlechte, und nun das Gefühl, ich habe etwas zu sagen.

GALA: Damit meinen Sie sicher auch Ihre Arbeit bei "Bordertown" als Schauspielerin und Produzentin...

Ja, als ich von den Vorfällen in Juarez hörte, war ich völlig geschockt und konnte gar nicht glauben, dass so etwas wirklich passiert. Irgendwie hatte ich das Gefühl, diesen Film unbedingt machen zu müssen. Obwohl mir einige dringend abrieten und ständig meinten, "Jennifer, lass lieber die Finger davon".

GALA: Hat die Arbeit an diesem Film Ihr Leben verändert?

Ganz extrem sogar. Ich habe mich ein Jahr ausschließlich mit diesem Thema beschäftigt und habe jetzt eine ganz andere Sicht auf die Welt.

Großen Respekt habe das Ehepaar voreinander - "als Künstler wie als Liebende", sagt Jennifer Lopez

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GALA: Sie leben und arbeiten mit Ihrem Mann Marc Anthony zusammen. Gibt's da nicht ab und zu Spannungen?

(lacht) Klar, wir krachen auch mal zusammen. Aber wir haben großen Respekt voreinander, als Künstler wie als Liebende. Wenn es im künstlerischen wie im privaten Bereich Momente gibt, in denen man nicht einer Meinung ist, muss man aufmerksam für den anderen bleiben, sich seine Meinung anhören, und dann findet man schon eine Lösung.

GALA: Wie sieht ein typischer Jennifer-Lopez-Tag aus?

Den gibt es nicht! (lacht) Manchmal stehe ich um sieben Uhr morgens auf und bin total fit. Wenn ich bis sechs Uhr morgens im Studio war, schlafe ich natürlich lange.

GALA: Wie sähe ein perfekter Tag für Sie aus?

Ich liebe es, lange zu schlafen. Dann würde ich langsam aufstehen, herumtrödeln, in meinem Haus abhängen, mein Lieblingssweatshirt anziehen, Pfannkuchen backen, Musik hören und mir zum Abschluss noch einen tollen Film auf DVD angucken.

GALA: Klingt, als ob Sie häuslich geworden seien. Wo ist Ihr absoluter Lieblingsort?

Ja, ich bin gerne zu Hause. "Zuhause" bedeutet für mich zwei Orte: Marc hat ein Haus in New York, und ich habe eines in Los Angeles. In beiden bin ich sehr gerne, leider aber nicht so oft, weil wir so viel reisen. Und ich mag es, dort zu sein, wo es warm ist. Ich liebe die Sonne!

GALA: Dann ist Berlin wohl nicht die richtige Stadt für Sie?

Doch, ist eine tolle Stadt. Wenn nur die Sonne scheinen würde...

GALA: Wenn Sie auf Ihr bisheriges Leben zurückblicken - gibt es irgendetwas, was Sie anders machen würden?

Ehrlich gesagt, nein. Selbst die Momente, die nicht so toll für mich waren - ich musste irgendetwas draus lernen. Sonst hätte ich die gleichen Fehler wahrscheinlich wieder gemacht und mich und andere noch mehr damit verletzt. Verstehen Sie? Jede Erfahrung, die ich bislang in meinem Leben gemacht habe, war für mich sehr wichtig. Das meine ich privat wie beruflich.

GALA: Es gibt kaum einen Weltstar, über den in der Presse so viel geschrieben wird wie über Sie. Wie sehr verletzen Sie Falschmeldungen oder Gerüchte?

Ich habe mich daran gewöhnt. Stellen Sie sich mal vor: Ich soll meinen Körper versichert haben, permanent irgendwelche absurde Diäten machen und die Male, die ich angeblich schwanger war, kann ich schon gar nicht mehr zählen. Aber bei jedem Menschen gibt es einen Teil des Jobs, den er nicht so gerne mag. Ich bin sehr dankbar für mein Leben - besonders jetzt.

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