Tilda Swinton

Liebe zu dritt

Drei sind keiner zu viel: Neben dem langjährigen Partner gönnt sich Tilda Swinton einen jungen Lover - und alle sind zufrieden. GALA zeigt, warum die Ménage-à-trois so gut funktioniert

Tilda Swinton

Tilda Swinton

Es war ein Abend ganz nach

ihrem Geschmack: Bei der Academy-Award-Verleihung vor zwei Wochen hatte gleich zwei Goldjungs im Arm. Links den kleinen Oscar, die Trophäe für die beste Nebenrolle (im Wirtschaftsthriller ""). Rechts den hochgewachsenen Sandro - auch ein Hauptgewinn.

Der smarte Bursche ist ihr Liebhaber, Mann Nummer zwei neben dem schottischen Maler und Drehbuchautor John Byrne, mit dem sie seit 18 Jahren zusammenlebt und zehnjährige hat. Dieses ungewöhnliche Wesen mit den leuchtend roten Haaren, den grünen Augen und der durchscheinenden Haut - diese Elfenkönigin, die wie nicht von dieser Welt erscheint, führt ein Doppelleben.

Tilda Swinton

Ein fabelhaftes Fabelwesen

Tilda Swinton: 2010  Radikal: Platinblond und ungeschminkt bei der "I Am Love"-Premiere am 16. Juni in New York.
27. August 2008: Mit George Clooney und Brad Pitt als Begleiter möchten sicher viele einmal ins Kino
07. Mai 2008: Gelassen wie immer präsentiert sich Tilda mit Newcomer Ben Barnes  Tilda bei der ""Die Chroniken von Narnia"-Premi
24 Februar 2008: Der bisherige (es werden bestimmt noch einige folgen) Höhepunkt ihrer Karriere

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Seit drei Jahren genießt sie die Ménage-à-trois. Bei der im Februar war Sandro erstmals quasi offiziell an ihrer Seite. Scheint ganz so, als wolle Tilda Swinton jetzt allen zeigen: Hier gibt es keine Eifersucht, keine Konkurrenz, keinen Neid. "Mit John ziehe ich zu Hause unsere Kinder groß", erklärte sie unlängst, "und dann gibt es da noch meinen anderen Liebling, mit dem ich viel von der Welt sehe. Alle drei sind wir Freunde." Offenbar ist die Faszination dieser Frau so groß, dass Männer jegliche Besitzansprüche vergessen.

Sandro Kopp, 30, ist seit 2004 ihr Liebhaber und managt mittlerweile auch ihre Pressetermine

Sandro Kopp, 30, ist seit 2004 ihr Liebhaber und managt mittlerweile auch ihre Pressetermine

Seit sich Tilda Swinton und Sandro Kopp 2004 am Set von "Die Chroniken von Narnia" kennenlernten, sind sie unzertrennlich. Ihr gefiel der junge Mann auf den ersten Blick, der in geboren wurde und heute in Neuseeland lebt, der Heimat seiner Mutter. Sie mag es, dass er neben der Schauspielerei als Maler reüssiert - wie ihr Haupt-Lebensgefährte. Mittlerweile begleitet Sandro sie rund um den Globus, wenn sie dreht oder einen neuen Film präsentiert. Nebenbei organisiert er In­ter­view­termine und achtet darauf, dass sie genug schläft und gesund isst. Tilda Swinton nennt ihn liebevoll "meinen Gefängniswärter".

John Byrne kümmert sich derweil im schottischen Nairn nahe Inverness um die Zwillinge Honor und Xavier, schreibt Theaterstücke oder malt Porträts. Über seinen Nebenbuhler sagt er: "Ich liebe ihn, und die Kinder lieben ihn auch." Eine klare Arbeitsteilung. Mit dem einen genießt Tilda Swinton die Ruhe, mit dem anderen das Abenteuer. Byrne hasst Society-Veranstaltungen, zieht die Einsamkeit der schottischen Highlands vor. Mit ihm teilt sie ihre Liebe zur rauen Natur und zur Literatur. "Er ist mein Seelenverwandter", sagt sie. Gemeinsam schotten sich die beiden von der Außenwelt ab, empfangen keine Besucher. Außer Sandro, der Tilda kürzlich nach den Bafta Awards nach Hause begleitete und ein paar Tage blieb.

Als Tilda Swinton John Byrne begegnete, war sie 24. Er gestaltete am Traverse Theatre in Edin­burgh das Bühnen­bild für "White Rose", sie spielte die Hauptrolle. Kurz darauf schrieb er für sie eine Rolle in der TV-Serie "Your Cheating Heart". 1990 verließ er seine Frau Alice - mit der er auf dem Papier bis heute verheiratet ist - und die zwei gemeinsamen Kinder und zog zu Tilda nach London. Als sie schwanger wurde, suchte sich die Familie den Rückzugsort in den Highlands. Heute besuchen die Söhne eine Steiner-Schule in dem kleinen Ort Findhorn. Wenn es nötig ist, packt Mama Tilda mit an, bei Schulfesten bringt sie Kuchen vorbei. "Für ihre Familie kämpft sie wie eine Löwin", sagen die anderen Mütter. Wenn die Familienreser­ven aufgetankt sind, muss Tilda jedoch wieder unter Menschen - mit Sandro. Der Globetrotter mit Wohn­sitzen in New York, Paris, Rom, Heidelberg und dem neuseeländischen Wellington liebt Vernissagen und Premieren.

Zu den roten Haaren kombiniert Tilda Swinton markante Farben: Beim britischen Filmpreis Bafta erschien sie in einer goldenen Rob

Ihr Stil ist rundum ungewöhnlich: Beim britischen Filmpreis erschien sie in einer goldenen Robe von Dior

Es ist ein unkonventionelles Beziehungsmodell, bei dem sich Tilda Swinton das Beste aus allem herauspickt. Auch weil sie davon überzeugt sei, dass "ein Künstler die Welt umrühren, aufrütteln, hinterfragen" muss, lebe sie die Zweideutigkeit, sagt sie. Der Hamburger Psychologe analysiert es so: "Tilda Swinton gehört zu den Frauen, die das Leben immer wieder neu entdecken, die einen Partner brauchen, der ebenso energiegeladen ist wie sie, der diese Lust und Neugier mit ihnen teilt. Gleichzeitig ist sie ihrem anderen Mann tief verbunden und schätzt ihn als sicheren Hafen." Kann eine Dreiecksbeziehung aber auf Dauer funktionieren? "Wenn beide Partner vom jeweils anderen wissen und die Männer sogar eine freundschaftliche Beziehung entwickelt haben, stehen die Chancen recht gut", so der Experte. "Dennoch ist es unwahrscheinlich, dass eine solche Verbindung stabil bleibt, da sich mindestens einer zurückgesetzt fühlen wird - und das ist häufig derjenige, der zu Hause sitzt."

Bleibt der zweite Aspekt dieses besonderen Liebeslebens: der große Altersunterschied. Einmal zwischen Tilda und dem rund 20 Jahre reiferen John - in diese Richtung fast normal heutzutage. Dann die 17 Jahre Unterschied zu Sandro. Dass sich eine Frau einen jüngeren Lover nimmt, ist nach Meinung von Corinna Langwieser vom Trendbüro Hamburg ein gesellschaftlicher Trend. "Frauen fühlen sich auch im Alter zunehmend jünger, attraktiver und fitter. Viele gehen daher selbstverständlich eine lustvolle Beziehung zu einem jüngeren, gutaussehenden Mann ein."

Um Trends schert sich Tilda Swinton nicht, was sie immer auch bei der Auswahl ihrer Rollen beweist. Als sie 1986 in Derek Jarmans Film "Caravaggio" zum ersten Mal auf der Leinwand erschien, spielte sie eine Prostituierte. Sieben Filme drehten die beiden gemeinsam, darunter "The Last Of England". "Die Zeit mit Jarman war meine Geburt als Künstlerin", sagt Tilda im Rückblick. Bis heute begleiten sie die Etiketten aus dieser Zeit: Kunstkino-Königin, Underground-Star, " der Avantgarde". Labels, die versuchen, diese Frau zu fassen, es aber nie ganz schaffen.

Tilda mit dem Regisseur Erick Zonca. Zusammen haben sie den Berlinale-Beitrag "Julia" gedreht

Tilda mit dem Regisseur Erick Zonca. Zusammen haben sie den Berlinale-Beitrag "Julia" gedreht

Als Jarman starb, trauerte seine Muse auf ihre Art und legte sich im Rahmen der Installation "The Maybe" in der Londoner Serpentine Gallery eine Woche lang täglich für acht Stunden in einen gläsernen Sarg. Mit Sally Potters Verfilmung des Virginia-Woolf-Romans "Orlando", die ihr eine Nominierung beim European Film Award einbrachte, schaffte Tilda Swinton 1992 den internationalen Durchbruch. Die Rolle der androgynen Hauptfigur, die sich vom Mann zur Frau verwandelt, schien ihr auf den Leib geschrieben. Danach machte sie, wie sie sagt, "eine kleine Karriere in Hollywood", drehte mit , , . Und sorgte durch eigenwillige Abendroben, die manchmal an Außerirdische erinnern, auf den roten Teppichen dieser Welt für Aufsehen. Über ihre Herkunft aus einer traditionsreichen schottischen Adelsfamilie spricht Katherine Matilda Swinton nicht gern. Ihr Vater Sir John Swinton of Kimmerghame war Generalmajor bei den Scots Guards, die zur britischen Armee gehören. "Wo ich aufgewachsen bin, hat man ein sehr starres Bild von sich und der Welt", sagt sie und liefert damit eine Erklärung für ihren Drang nach freiem Leben und freier Liebe. In den Siebzigern besucht sie die West Heath Girl's School in Kent, ein elitäres Mädcheninternat - Diana Spencer, die spätere Lady Di, ist ihre Klassenkameradin.

Tilda findet die Schulzeit "brutal". Dennoch will sie nach dem Abschluss weiterlernen, studiert in Cambridge Sozialwissenschaften und Literatur. Erst danach beginnt die Phase der Rebellion, die bis heute anhält. Tilda Swinton unterstützt die Kommunistische Partei und kämpft für die Rechte von Frauen und Homosexuellen.

Auch dieses Engagement ist es, das Männer an ihr lieben. Die Vielfalt macht ihnen aber gleichzeitig klar: Auf eine Sache festlegen wird diese Frau sich nie.

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