Steven Gätjen

Macho oder Weichei?

Für Steven Gätjen gilt: Die Mischung macht’s! Im "Gala"-Shooting verwandelt sich der Pro7-Oscar-Moderator in einen knallharten Cop - um gleich danach im Interview seine verletzliche Seite zu zeigen

Steven Gätjen

Steven Gätjen

Die Luft ist nasskalt. Null Grad Außentemperatur. Immer wieder pfeift der eisige Wind durch die Waschstraße im Hamburger Schanzenviertel. Während die Mitarbeiter des in Winterjacken eingepackten Produktionsteams fröstelnd von einem Fuß auf den anderen treten, beißt , 41, die Zähne zusammen. Er zählt bis drei - dann durchnässt ihn wie geplant ein Hochdruckreiniger. Komplett. Gekonnt lässt sich zu Boden fallen ... Voller Körpereinsatz für ein weiteres Motiv dieses "Gala"-Shootings. Die Idee: Der Pro7-Moderator - er führt auch in diesem Jahr durch die große Oscar-Nacht des Senders und interviewt zuvor die Hollywood-Stars am roten Teppich - gibt den rauen Großstadt-Cop. Das passt zu ihm, findet der Mann, in dem viele nur Schwiegermamas Liebling sehen. "Ich bin ein Kämpfertyp und versuche immer alles zu geben", sagt er. Die Aussage kauft man ihm nach seiner coolen Bibber-Aktion sofort ab.

Hemd von Joop, Hose von Asos, Gürtel von Paul Smith, Halfter von Stylist's Own

Hemd von Joop, Hose von Asos, Gürtel von Paul Smith, Halfter von Stylist's Own

Es hat Ihnen offensichtlich Spaß gemacht, beim Shooting den Macho ausleben zu können …

Sogar unglaublich viel Spaß! Wie die meisten Männer gebe auch ich gerne mal den harten Kerl und mag es, die Beschützerrolle einzunehmen.

Was macht einen echten Mann aus?

Wenn er in seiner Persönlichkeit so gefestigt ist, dass er auch Emotionen und Schwächen zeigen kann.

Wie schnell kommen Ihnen die Tränen?

Heute ganz sicher schneller als früher. berühren. Erst kürzlich habe ich zu Hause auf der Couch vor dem Fernseher gesessen und "In meinem Himmel" geschaut. Der Film hat mich so gepackt, dass ein paar Tränen rollten.

Sind Männer vielleicht generell viel weicher, als sie es sein wollen?

Und ob! Wir können noch so sehr auf harte Kerle machen - sobald wir krank sind, verwandeln wir uns in Jammerlappen. Wenn wir Kinder zur Welt bringen müssten, dann wäre die Menschheit doch längst ausgestorben.

Beim Shooting macht Gätjen liebend gern alles mit. Nachher verrät er, dass er sich noch heute manchmal wie ein Teenager fühlt, der mit Freunden jede Menge Quatsch verzapft.   (Hemd von Hannes Roether, Hose von Acne, Schuhe von Strellson)

Beim Shooting macht Gätjen liebend gern alles mit. Nachher verrät er, dass er sich noch heute manchmal wie ein Teenager fühlt, der mit Freunden jede Menge Quatsch verzapft.
(Hemd von Hannes Roether, Hose von Acne, Schuhe von Strellson)

Ist der Vollbart, den Sie seit ein paar Monaten tragen, Ausdruck für einen Image-Wechsel?

Nein, das ist einfach so passiert. Im vergangenen Frühsommer meinte meine Freundin, dass mir ein Vollbart bestimmt gut stehen würde. Und weil die meisten Reaktionen seitdem positiv waren, ist er bis heute drangeblieben. Das ist aber kein Statement à la "der neue Steven". Der Mann unter dem Gestrüpp ist immer noch derselbe.

Trotzdem wirken Sie markanter.

Umso besser! Ich war ja immer schon ein Mann mit Ecken und Kanten und bin ganz happy, wenn das nun auch äußerlich mehr zur Geltung kommt. Jeder hat doch ein gewisses Image, und in mir sehen viele bis heute eher Schwiegermamas Liebling.

Nervt Sie das?

Mal ehrlich: Jeder Mann will doch, dass die Schwiegermama ihn mag, ganz egal, was für ein harter Knochen er auch sein mag. Was ist also so schlimm daran, ein Vorzeige-Schwiegersohn zu sein? Generell versuche ich mich über Derartiges nicht mehr zu ärgern. Das lenkt sonst von den wirklich wichtigen Dingen im Leben ab. Wer weiß denn schon, was nächste Woche ist! Unser Leben kann sich innerhalb kurzer Zeit komplett ändern, privat und beruflich. Umso wichtiger ist es, jeden Moment bewusst zu leben und zu genießen.

Gätjen im TV: In der Nacht von Sonntag, 2. März, auf Montag, 3. März, moderiert er ab 1.00 Uhr "red!-Carpet – Live beim Oscar". Ebenfalls auf Pro7 dann am Montag ab 17 Uhr die Highlights. Hier ist Steven Gätjen mit Sandra Bullock vor der Oscar-Verleihung 2012 zu sehen.

Gätjen im TV: In der Nacht von Sonntag, 2. März, auf Montag, 3. März, moderiert er ab 1.00 Uhr "red!-Carpet – Live beim Oscar". Ebenfalls auf Pro7 dann am Montag ab 17 Uhr die Highlights. Hier ist Steven Gätjen mit Sandra Bullock vor der Oscar-Verleihung 2012 zu sehen.

Auch Sie haben schon einige berufliche Veränderungen hinter sich …

Na ja, nach den anfänglichen Erfolgen im deutschen Fernsehen, unter anderem mit "taff" und "Fort Boyard", bin ich vor zwölf Jahren in einer Sackgasse gelandet. Es gab keine spannenden neuen Projekte. Ich bekam Gegenwind von Leuten, die mich nicht mochten. Ich fühlte mich ausgelaugt.

Skurrile Ebenbilder

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80

Damals zogen Sie gemeinsam mit Ihrem Bruder nach Los Angeles ...

… genau, dort habe ich studiert und nebenbei beim Sender "E!" moderiert. Eine spannende Zeit! Zwei Jahre später bin ich nach Deutschland zurückgekehrt. Mir wurde aber sehr schnell klar, dass hier niemand auf mich gewartet hat. Also standen erst mal Bewerbungen und Castings auf dem Plan. Meine Karriere kam nur langsam wieder ins Rollen. Nach ein paar Jahren habe ich mir eine Deadline gesetzt und mir fest vorgenommen, dass ich aufhöre, wenn sich mir bis zu diesem Zeitpunkt keine neue Herausforderung bietet.

In voller Konsequenz?

Ja, ich wäre nicht mehr vor der Kamera aufgetreten. Ich hatte bereits einen Plan B und wollte in die Kinobranche wechseln.

Dann kam der Anruf von und seine Frage, ob Sie "Schlag den Raab" moderieren wollen.

Er hat mir sein Flaggschiff anvertraut, an mich und mein Talent geglaubt, wofür ich ihm immer noch sehr dankbar bin. Sein Anruf hat mich darin bestätigt, dass ich doch noch in der richtigen Ecke tanze.

Die "Schlag den Raab"-Quoten sind top. Das Format "Fashion Hero", in dem Sie neben moderierten, floppte dagegen.

Das fand ich sehr schade, denn das Konzept der Show war super. Als nach den ersten Folgen klar war, dass wir gefloppt sind, war ich schon sehr enttäuscht. Aber die Frage ist, ob man nach Niederlagen wieder aufsteht oder liegen bleibt. Ich stehe lieber wieder auf.

Können Sie Enttäuschungen heute besser wegstecken als früher?

Ehrlich gesagt: An Rückschläge gewöhne ich mich wohl nie. Die tun immer weh.

Manche Zuschauer und Kritiker nehmen Sie bis heute nicht so richtig ernst …

Mit konstruktiver Kritik kann ich ganz gut leben. Aber dieses Draufdreschen, diese Boshaftigkeit, die manche Menschen an den Tag legen, verstehe ich nicht.

Gala

Inhaltsverzeichnis

23.05.2017

Cover

Haben Sie dafür ein Beispiel?

Eine Online-Redakteurin hat sich mal beschwert, dass ich bei den Oscars schon wieder auf den roten Teppich losgelassen werde, wo ich doch von keine Ahnung hätte. Dazu kann ich nur sagen: Ich moderiere seit zehn Jahren Filmpremieren und habe eine eigene Kinosendung. Ich liebe und lebe das Thema Kino. Da wünsche ich mir manchmal: Vorher bitte einfach mal recherchieren, bevor so ein Quatsch geschrieben wird.

Sie berichten jetzt bereits zum zwölften Mal von der Oscar-Verleihung. Wie würden Sie die Szenerie vor Ort beschreiben?

Rock ’n’ Roll! Es ist aber auch jedes Mal ein ganz schöner Kampf, denn TV-Teams aus aller Welt wollen an die Stars herankommen. Deshalb wird auch gerempelt und geschubst. Einmal sind uns internationale Kollegen auf ein wichtiges Kabel getreten, da hatten wir kurz Schwarzbild.

Denken Sie heute schon darüber nach, wie Ihr Leben als Senior mal aussehen soll?

Ich stelle mir vor, wie ich mit 80 Jahren auf meiner Veranda sitze. Meine Enkel und Urenkel wuseln um mich herum, ich blinzle entspannt in die Sonne und ziehe eine zufriedene Lebensbilanz. Ich will sagen können, dass ich alle Chancen genutzt habe, die sich mir boten.

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