Rita Holbeck (Elisa Schlott) + Kommissar Klaus Borowski (Axel Milberg)
© NDR/Christine Schröder Rita Holbeck (Elisa Schlott) + Kommissar Klaus Borowski (Axel Milberg)

Tatort Auf den Spuren von "Breaking Bad"

Im Kieler "Tatort" ging es schon immer recht blutig zur Sache. Im neuesten Fall von Kommissar Borowski wird es diesen Sonntag besonders grausam.

Jetzt also auch Kiel. Von Albuquerque in New Mexico über Hof und Zwickau hat sich Crystal Meth seinen Weg in den deutschen Norden gebahnt. Im TV ist das Methamphetamin spätestens seit "Breaking Bad" omnipräsent. In ihren dunkelsten Momenten war die US-Serie aber immer noch bekömmlicher als dieser "Tatort" mit Klaus Borowski (Axel Milberg) und Sarah Brandt (Sibel Kekilli) - das ist durchaus als Kompliment gemeint. Ein Beil, ein Kopf, verunstaltete Gesichter, grauer Himmel, Plattenbauten, zerstörte Existenzen, alles latent feindselig - so sieht vielleicht kein erquickender Wochenstart aus, aber ein gelungener "Tatort" in jedem Fall.

In einem kleinen Dorf bei Kiel wird der abgetrennte Kopf eines jungen Mannes gefunden. Der 20-jährige Mike war vor seinem gewaltsamen Tod offensichtlich Crystal-Meth-abhängig. Nach einem Fahndungsaufruf meldet sich Rita (Elisa Schlott), die Freundin des Verstorbenen. Sie erzählt den Kommissaren von ihrer Liebe zu Mike, eine Geschichte voller Hoffnung auf ein neues Leben, Rausch und Ekstase. Obwohl Rita seit kurzem clean ist, lehnt sie jede Zusammenarbeit mit der Polizei ab. Borowski fühlt sich durch Rita an seine Tochter Carla erinnert. Er setzt Rita unter Druck, verspricht ihr, sie zu schützen. In ihrer Not beschuldigt Rita zwei Dealer - und bringt sich damit in Gefahr.

Menschen wie Du und Ich

In eindringlichen Rückblenden erzählt Regisseur Christian Schwochow, der kürzlich mit der Mauer-Komödie "Bornholmer Straße" brillierte, wie aus einer neugierigen, drogengeschwängerten Jugendliebe ein Junkie-Albtraum wird - ohne dabei den Zeigefinger zu heben oder in gängige Rollenbilder zu verfallen. Rita und Mike stammen nicht aus sozialen Brennpunkten und sind keine zahnlosen Zombies. Ihre Drogenkarriere wird weder begründet noch tot-analysiert. Gerade das macht es so erschreckend. "Borowski und der Himmel über Kiel" ist ein erfreulich atypischer öffentlich-rechtlicher Anti-Drogen-Krimi.

Die beiden Kommissare spielen in diesem überhöhten, rauschhaftem Drama im Grunde nur Nebenrollen. Die erst 20-jährige Elisa Schlott stiehlt hier allen die (Horror-)Show. Matthias Weidenhöfer brilliert als eiskalter Psycho und grausamer Drogendealer im Studenten-Look. Und die völlig durchgeknallten Bauern im fiktiven Dorf Mundsforde sind so drüber, dass es eine grausig-skurrile Freude ist. Einschalten!