Ohne Toupet, mit Kartoffel: So gehört Peter Lustig zum kollektiven Gedächtnis mehrerer Generationen von Kindern
© ZDF/Christiane Pausch Ohne Toupet, mit Kartoffel: So gehört Peter Lustig zum kollektiven Gedächtnis mehrerer Generationen von Kindern

Peter Lustig Sechs erstaunliche Anekdoten

Von Missverständnissen, Nachbarn und dem Fernsehen als unerwartete Rettung - sechs rührende Fakten über Peter Lustig und "Löwenzahn".

Man kann Menschen eben nicht in Berufsbezeichnungen erfassen: Peter Lustig (1937-2016) war Fernsehmoderator. Lange und erfolgreich. Aber eben auch viel mehr, darüber hinaus und nebenher. Nach 24 Jahren und 200 Folgen als Gesicht der ZDF-Kindersendung "Löwenzahn" war Lustig auch ein Erkläronkel im schönsten Sinne und sogar eine Art ökologisches Gewissen für ganze Generationen von jungen Deutschen - und natürlich war er mehr als dieses TV-Klischee: ein eigenwilliger und freier Denker, ein Mann mit Vorgeschichte, Vater von vier Kindern.

Es lassen sich so einige Anekdoten erzählen über den Mann, der mit "Löwenzahn" unvergesslich wurde. Einige davon erklären, wie Lustig "Löwenzahn" formte, wie "Löwenzahn" Lustig formte - und wie sich der TV-Held auch gegen Einflussnahmen auf seine Ideen und sein Leben wehrte. Sechs rührende Fakten und Episoden über Peter Lustig und sein TV-Lebenswerk:

Und er mochte Kinder doch

Die wichtigste Geschichte vorab: "Peter Lustig - ich kann Kinder nicht leiden" hatte die "Bild am Sonntag" im Jahr 2002 geschrieben. Auslöser war ein Text in der "Stuttgarter Zeitung", in dem - nun ja - missverständliche Zitate Lustigs standen. Aber letztlich war natürlich alles ganz anders: Lustig mochte Kinder. Das hat der Journalist Kai Biermann nun in einem Text für "Zeit Online" aufgeklärt. Mitsamt einer dicken Entschuldigung.

Biermann hatte den Moderator zu einem Interview getroffen und fand ihn so faszinierend, dass er lieber ein Protokoll abdrucken ließ, um nicht distanzlos zu wirken. "Nur in der Sendung möchte ich sie nicht, mit Kindern zu drehen ist anstrengend, und sie gehören einfach nicht vor die Kamera. Das ist Quälerei, immer", zitierte er Lustig. Der Star wollte die kindliche Spontaneität respektiert sehen. Der Satz war so aufgeschrieben aber eben auch anders interpretierbar... "Lieber, verehrter Peter Lustig, es tut mir leid", schrieb Biermann nun an Lustigs Todestag.

Ein Tontechniker als Erkläronkel

Zum Fernsehen war Lustig aber trotzdem nicht als Pädagoge gekommen - sondern als Tontechniker. In Interviews hat er erzählt, wie er 1961 bei der berühmten Rede John F. Kennedys ("Ich bin ein Berliner") für den Ton zuständig war. Für einen Job vor der Kamera empfahl sich Lustig dann bei einem Dreh mit der Rockband Ton Steine Scherben. Der Regisseur zitierte ihn vor die Kamera. "Da stand ich plötzlich und habe, glaube ich, ein Ei auf meinem Kopf zerschlagen und gesagt: "Fernsehen ist scheiße." Wurde natürlich nie gesendet, aber seitdem galt ich beim Sender als fernsehtauglich", erzählte Lustig dem Portal "einestages".

Doch kein "Müsli"

Auch das Ökoimage Lustigs stimmt nicht so ohne weiteres. Begonnen hat er als Erklärer - aber bei der "Sendung mit der Maus". Zu "Löwenzahn" sei er wegen seiner Vorbildung als Ingenieur gekommen erzählte Lustig dem "Spiegel". Ein militanter Grüner sei er nie gewesen: "Das sind Klischees, weil "Löwenzahn" ein wenig ökologisch ausgerichtet war und die Leute dachten, "Hmm, das ist ein Müsli."", sagte er dem Magazin "Cicero". Nur, dass Kinder "auch Respekt vor der Natur haben", sei ihm wichtig gewesen. Privat sei er auch bei Rot über die Ampel gegangen wenn kein Auto kam. Oder habe sich auch mal ein Steak bestellt.

Das Toupet verweigerte er - die Latzhose war seine

Der neue Job vor der Kamera brachte auch andere Probleme mit sich: Auf einmal habe er eine Perücke tragen sollen, erinnerte sich Lustig im Gespräch mit dem "Tagesspiegel". "Der erste Produzent hat mir gesagt: Gehen sie erstmal ein Toupet kaufen. Aber ich bin so geblieben wie ich war, ich habe nicht eingesehen, warum ich auf einmal schrecklich viele Haare haben sollte." - Die Kinder hätten ihn schließlich auch so gemocht.

Die obligatorische Latzhose hingegen war kein Gag aus dem Drehbuch, sondern Lustigs persönliche Vorliebe. "Zwei Hosen habe ich, die ohne Latz sind. Das ist einfach ein so fabelhaftes Kleidungsstück und so praktisch", schwärmte er einmal bei einer Gesprächsrunde. Dem "Focus" erzählte er, die schwarze Latzhose sei sein Kleidungsstück für besondere Anlässe, "Hochzeiten, Beerdigungen oder für den Bundespräsidenten". So wie 2007, als Lustig das Bundesverdienstkreuz erhielt.

"Löwenzahn" als Rettung

Bereits in den 80er-Jahren war Lustig schwer an Krebs erkrankt. Damals musste ihm ein Lungenflügel entfernt werden. Mit dem Arzt hatte Lustig "um eine Flasche guten Rotwein" gewettet, dass er überleben werde - und gewann. Seine Fernsehrolle war ihm damals ein wenig Rettung, sagte Lustig "Cicero": "Selbst als ich mit meiner Krebserkrankung in der Klinik lag, habe ich mich immer wieder herausgeschlichen, um ein paar Folgen zu drehen." So habe er schreiben und sich ablenken können. "Wenn ich einen normalen Job gehabt hätte - ich weiß nicht, ob ich das überlebt hätte."

Lustige Nachbarn

Eine besonders nette Geschichte verknüpft Lustigs Privat- und Berufsleben: Denn der Moderator lebte einige Jahre tatsächlich Garten an Garten mit Helmut Krauss, 74, - dem Mann, der in "Löwenzahn" Lustigs spießigen Nachbarn Paschulke spielte. "Da haben wir uns oft gesehen. Wir hatten beide eine Finca auf Mallorca und haben uns da immer super verstanden, ganz anders als in der Sendung", sagte Lustig im Interview mit "einestages". Auch mit einem anderen Kollegen teilte er nach eigenen Angaben nach dem "Löwenzahn"-Ausstieg weiter das Heim: Mit der sprechenden Ukulele und Türklingel Klaus-Dieter. Sie hing an seiner Wohnzimmerwand.