Joachim Gauck + Daniela Schadt bei einer Veranstaltung in Maastricht im vergangenen August
© ddp images Joachim Gauck + Daniela Schadt bei einer Veranstaltung in Maastricht im vergangenen August

Joachim Gauck Der Bundespräsident und die Frauen in seinem Leben

Joachim Gauck wird 75. Mit der First Lady wird er wohl nicht feiern - eher mit der "First Freundin", wie Daniela Schadt schon genannt wurde.

Wenn Bundespräsident Joachim Gauck heute seinen 75. Geburtstag feiert, wird die First Lady nicht an seiner Seite sein. Eher die Second Lady.

Die First Lady heißt Gerhild Gauck, genannt Hansi, und sie ist seit 56 Jahren mit Joachim Gauck verheiratet. Hansi ist 74 Jahre alt, sie hat vom amtierenden Bundespräsidenten vier Kinder, die mittlerweile erwachsen sind.

Trennung 1991

Seit 1991 ist die First Lady von ihrem Mann getrennt. Eine Scheidung hat sie bislang abgelehnt. Der Frankfurter Rundschau sagte sie: "Mein Mann und ich kennen uns, seitdem wir 14 Jahre alt waren. Wir waren 19, als wir geheiratet haben. Ich denke, das wird auch so bleiben."

Auch Joachim Gauck hat eine Scheidung nicht in Erwägung gezogen. Wie auch? Der Bundespräsident ist im Hauptberuf evangelischer Geistlicher, das Gelöbnis eines lebenslangen Bundes ist für ihn als Kirchenmann "eine selbstverständliche Verpflichtung".

Die "First Freundin"

Die Second Lady heißt Daniela Schadt. Die politische Journalistin ist 55 Jahre alt und lebt mit Gauck in der Dienstvilla des Bundespräsidenten im Berliner Nobelvorort Dahlem. Kinder hat das Paar nicht.

Eigentlich ist Daniela Schadt auch keine Second Lady, sondern eine "First Freundin", wie die "Welt" sie bezeichnet hat. Denn wie gesagt: Gauck ist ja immer noch mit Hansi verheiratet.

So hat "Deutschland einen Präsidenten, in dessen bewegender privater Lebensgeschichte die Tragik, Euphorie, Hoffnung und die Versäumnisse eines ganzen Landes komprimiert scheinen", schreibt die "Rheinische Post".

"Große romantische Liebe"

Joachim und Hansi Gauck stammen aus Rostock. Beide haben einen tragischen Familienhintergrund. Sein Vater, ein Kapitän und Werft-Inspektor, wird von der kommunistischen Führung der Spionage und "antisowjetischen Hetze" bezichtigt und nach Sibirien verbannt. Er kommt als völlig gebrochener Mann zurück. Und Hansis Mutter begeht Selbstmord, als das Kind zehn Jahre alt ist.

Die beiden klammern sich aneinander. Er sei "berufen", erzählt Gauck später, "sie vor kommendem Unheil zu schützen". Die Liebe zur Literatur habe sie zum Paar werden lassen. "Du bist für mich, ich bin für dich erwählt", lautet das Dichterwort, mit dem er ihr seine Liebe versichert. "Wir waren arm und reich, denn wir beschenkten uns beständig mit Zutrauen, Zärtlichkeit und schließlich einer großen romantischen Liebe."

Sparen für die Ringe

Hansis Rückblick ist etwas prosaischer: "Als mein Mann und ich mit 18 Jahren beschlossen, dass wir heiraten wollen, hatten wir kein Geld. Wir waren ja noch Oberschüler", sagte sie der Zeitschrift "Bunte". "Also haben wir angefangen, jeden Monat fünf Mark für die Eheringe zu sparen. Das haben wir auch lange gemacht. Dennoch reichte unser Geld nicht. Eine Freundin hat uns dann noch etwas dazugegeben. Als wir 19 waren, konnten wir uns die Ringe endlich leisten. Deshalb hänge ich so an diesem Schmuckstück. Wir haben uns den Ring sprichwörtlich vom Mund abgespart."

Doch dann, 1991, die Trennung. Die DDR existiert nicht mehr, das Land ist wiedervereint und Gauck aufgestiegen. Erst Volkskammer-Abgeordneter, dann, ab 1990, Beauftragter für die Stasi-Unterlagen, Chef der nach ihm benannten Gauck-Behörde, einer der populärsten Männer in Ostdeutschland. Die Trennung fällt ihr offenbar schwerer als ihm. "Ich musste erst lernen, dass er weg ist."

Der Grund für die Trennung

Warum hat er sich nach über drei Jahrzehnten von Hansi getrennt? "Mit relativ gutem Gewissen habe ich die Familie dem Beruf nachgeordnet", sagt Gauck später. Er sei in seinem Rostocker Pastorenamt vollends aufgegangen, der "Vorrat an Gemeinsamkeiten" habe gefehlt, "das notwendige Maß an Auseinandersetzung".

Etwas konkreter wird Mario Frank. Der ehemalige Geschäftsführer des "Spiegel"-Verlags hat die erste umfassende Gauck-Biografie geschrieben, die 2013 bei Suhrkamp erschienen ist. Etwa zehn Mal traf sich Frank zu Gesprächen mit Gauck, der auch an das Manuskript selbst mit Hand anlegte.

Gauck und die Frauen

Das Buch beschreibt ausführlich Gaucks besondere Beziehung zu Frauen. "Er kann unheimlich flirten. Und dabei ist es ihm ganz egal, in welchem Alter die Frau ist", so zitiert Mario Frank eine Jugendfreundin.

Gauck selbst hat unumwunden zugegeben, dass er sich bei seinen Touren in das vor dem Mauerbau noch offene West-Berlin von einer jungen Studentin angezogen fühlte - von der Schwägerin des Schriftstellers Uwe Johnson. "Verführerisch", sei sie gewesen, doch erlegen sei er ihr nicht.

Neu verliebt

1990 verliebte sich Joachim Gauck in die Journalistin Helga Hirsch, 66. Die Warschauer Korrespondentin der Wochenzeitung "Die Zeit" war wohl der wahre Grund für die Trennung von Hansi. Nach acht Jahren trennte sich Hirsch von Gauck. Franks Biografie zitiert sie so: "Es war mir zu viel Nähe, das hat mich in Panik versetzt." Der Autor glaubt allerdings, Helga Hirsch habe es nicht ertragen, dass Gauck sich nicht von seiner Ehefrau scheiden ließ.

Aus dem Leben des Joachim Gauck ist die Journalistin allerdings nicht verschwunden. Laut Mario Frank arbeite sie stundenweise "als Beraterin" des Bundespräsidenten, offensichtlich eine Vertraute, die er nicht missen mag. Da lassen sich Kontakte zu Daniela Schadt kaum vermeiden, muss ja auch nicht sein.

Daniela Schadt

Schadt entstammt einer Familie von Hanauer Lackfabrikanten. Nach dem Studium in Frankfurt/Main wurde sie Journalistin bei der "Nürnberger Zeitung", wo sie als Chefin das Ressort Innenpolitik betreute. Gauck lernte die unprätentiöse Redakteurin, der ein trockener Humor nachgesagt wird, 2000 bei einem Vortrag in Nürnberg kennen. Sie wurden ziemlich rasch ein Paar.

Nach seiner Wahl zum Bundespräsidenten gab Daniela Schadt ihren Zeitungsjob in Nürnberg auf und zog zu "meinem Mann" nach Berlin. Der "Spiegel" schilderte eine Episode, wie bestimmt, aber unaufgeregt die Lebensgefährtin des Bundespräsidenten im Hintergrund agiert.

Schiller oder Goethe?

Bei einem Staatsbesuch in den Niederlanden habe man mit Journalisten im Gästehaus der Deutschen Botschaft in Den Haag beisammen gesessen: "Gauck wurde gefragt, ob er, der als Bürger der DDR eng mit den Freiheitsbewegungen Osteuropas vertraut sei, überhaupt einen Bezug zu den Niederlanden habe. Na und ob die Niederlande ihm nahe gewesen seien, antwortete Gauck, gerade wegen ihres mutigen Freiheitskampfes. "Sie müssen sich den 13-jährigen Gauck vorstellen, wie er abends im Bett seinen Egmont las." Er meinte das große Trauerspiel über den niederländischen Freiheitskämpfer Lamoral Graf von Egmond. "Ja, ja, ich habe überhaupt viel Schiller gelesen, damals", schob Gauck noch hinterher.

Schadt sah ihren Mann irritiert an. "Ähm, Jochen, der Egmont ist aber von Goethe." - "Was?" - "Der ist von Goethe, der Egmont. Nicht von Schiller." Ein kurzer Moment der Stille. "Ja, ja, klar", sagte der Präsident schließlich. "Ich meinte die anderen Sachen von Schiller.""

Hansi Gauck in Rostock

Während Daniel Schadt und Joachim Gauck nun in Berlin wohnen, lebt Hansi Gauck, die wahre First Lady, allein in Rostock. Seit 24 Jahren. "Das musste ich mir hart erkämpfen", sagte sie "Bunte".

Manchmal sieht sie im Fernsehen ihren Mann und seine "First Freundin", beispielsweise bei der Eröffnung des Bundespresseballs. Es scheint ihr nicht viel auszumachen. "Er muss halt tanzen, das gehört zum Amt einfach dazu."