Ein Jahr lang begleitete die Kamera Franz Beckenbauer für die Doku "Fußball - Ein Leben"
© BR/Frank Marten Pfeiffer/Reiner Holzemer Ein Jahr lang begleitete die Kamera Franz Beckenbauer für die Doku "Fußball - Ein Leben"

Franz Beckenbauer So ist die Kaiser-Doku

Eine Doku wie ein Fußballspiel: 90 Minuten mit bekannten Gesichtern, viel Fußball und viel Kommentar. Ein klarer Sieg ist es nicht geworden.

"Mit Fußball will ich später nichts mehr zu tun haben, und ein Trainerberuf kommt für mich wahrscheinlich nicht in Frage." Ach Franz, wenn du nur wüsstest, will man dem blutjungen Spieler sagen, der 1966 verschmitzt in die Kamera nuschelte. Denn heute, fast 50 Jahre später, ist Franz Beckenbauer, so hieß der junge Lockenschopf, die größte Lichtgestalt, die der deutsche Fußball je gesehen hat. Anlässlich seines 70. Geburtstags am 11. September widmet das Erste dem Kaiser eine Dokumentation namens "Fußball - Ein Leben" (6.9. um 21:45 Uhr).

Regisseur Thomas Schadt und sein Team durften Beckenbauer dabei über längere Zeit auf die Pelle rücken und mit der Kamera durch den Alltag begleiten. Es wird viel geredet: Von Karl-Heinz Rummenigge über Gerhard Schröder bis hin zu Uli Hoeneß und dessen Bruder Dieter kommen viele Wegbegleiter zu Wort. Das Podest gehört jedoch ganz klar Beckenbauer selbst, der sich genauso präsentiert, wie man ihn aus den Medien kennt: Sympathisch, reflektiert, charmant und geschickt im Umgang mit den Medien. Wer gehofft hatte, hinter der kaiserlichen Maske eine neue Facette von Beckenbauer entdecken zu dürfen, wird enttäuscht.

Sieg knapp verpasst

Herzstück des Films ist Beckenbauers Reise in die Vergangenheit. Der Film erzählt sein Leben und wählt dabei Deutschlands Weltmeisterschaften, deren Zeitzeuge er war - als Fan, als Spieler, als Trainer, als Kaiser - als roten Faden. Ein geschickter Schachzug, der Beckenbauer viele Geschichten, Lächeln und nostalgische Begeisterung entlockt. Gespickt ist das Ganze mit häufigen Rückblenden und zeitgenössischen Fernsehaufnahmen, die das Salz in der Suppe bilden. Klares Tor für Schadts Film.

Ein Eigentor schießt er sich, indem er Negatives geflissentlich ausklammert. Sicherlich wäre es selbst dann unangemessen gewesen, den Tod seines Sohnes Stephan im Juli zu erwähnen, wenn es Schadt möglich gewesen wäre, diesen Schicksalsschlag nachträglich noch einzubauen. Doch täuschen Bilder eines Beckenbauers, der sich bei einem Heimspiel des FC Bayern vor angespannter Ungeduld windet, nicht darüber hinweg, dass Aufreger und Skandale unerwähnt bleiben. Negatives wie Verletzungen oder Niederlagen bleiben nichts weiter als Anekdoten. Dass er bei der WM in Brasilien fehlte und warum - die undurchsichtige WM-Vergabe an Russland und Katar - wird in den letzten Minuten hastig abgefrühstückt. Lieber zeigt der Film, wie Philipp Lahm den Weltmeisterpokal in die Höhe reckt.

Ein knallharter Blick hinter die Fassade ist "Fußball - Ein Leben" nicht geworden. Als Geburtstagsgeschenk ist es jedoch ideal. Und das nicht nur für Beckenbauer, sondern auch für seine Fans. Denn selbst ein Unentschieden kann 90 Minuten lang anständig unterhalten.