Azad hat in seiner Rap-Auszeit nichts verlernt
© Robert Maschke Azad hat in seiner Rap-Auszeit nichts verlernt

Azad "Ich kann immer noch alles zerbersten"

Rapper Azad hat sein Comeback mit großer Selbstsicherheit in Angriff genommen. Zu Recht: Sein neues Album steht an der Spitze der Charts.

Azad, 42, gehört zu den einflussreichsten Rappern Deutschlands. Der Hip-Hop-Künstler mit den kurdischen Wurzeln hat den deutschen Straßen- und Battle-Rap nachhaltig geprägt. Doch nach seinem letzten Album "Azphalt Inferno 2" wurde es sechs Jahre lang ruhig um den "Bozz", bevor er sich mit einem Paukenschlag zurückmeldete: Sein neues Album "Leben II", eine Fortsetzung seines Solo-Debüts aus dem Jahr 2001, eroberte umgehend die Chartspitze. Die Nachrichtenagentur spot on news hat sich mit Azad über sein gelungenes Comeback unterhalten.

"Leben II" ist Ihr erstes Album seit sechs Jahren. Was war der Grund für die lange Pause?

Azad: Das waren verschiedene Gründe. Ich hatte mir eine Auszeit genommen und da waren ein paar Schwierigkeiten zu lösen. Zwei Jahre lang war ich darum ganz weg vom Rap.

Warum haben Sie sich mit einer Fortsetzung Ihres Debüts "Leben" zurückgemeldet?

Azad: Ich hatte einfach den Wunsch, das irgendwann zu machen. Und da ich das auch schon vorher angekündigt hatte, habe ich mich nach der Auszeit an den zweiten Teil von "Leben" gesetzt.

War der Druck bei der Arbeit an "Leben II" groß?

Azad: Druck war generell da, mehr als bei anderen Alben. Ich musste mich natürlich auch einem jungen Publikum, das in der Zwischenzeit dazugekommen ist, wieder neu präsentieren. Und ich musste auch zeigen, dass ich nach fünf Jahren immer noch alles zerbersten und zerreißen kann. Dazu kam natürlich auch, dass es der zweite Teil eines Klassikers ist. Das waren alles schon Faktoren, die natürlich auch Druck erzeugt haben. Aber bevor ich den ersten Song gemacht habe, wusste ich schon, dass ich abliefern werde, weil ich weiß, was ich kann. Dementsprechend konnte ich mit dem Druck auch ganz gut umgehen.

In einem anderen Interview haben Sie angemerkt, dass Sie mit "Leben" heute nicht mehr richtig zufrieden sind. Warum genau?

Azad: Ich stehe absolut dahinter und bin auch stolz auf das Album. Da es mein erstes Werk war und jetzt 15 Jahre zurückliegt, erkenne ich natürlich mit meinem höheren Wissensstand schon die einen oder anderen Unsauberkeiten, die ich da beim Rappen hatte. Das stört mich als Perfektionisten einfach.

"Leben II" ist auf Platz eins der deutschen Charts eingestiegen. Haben Sie damit gerechnet oder sind Sie überrascht?

Azad: Erwartet habe ich es nicht und ich habe mir auch nicht große Gedanken gemacht, ob das jetzt auf eins geht. Eine leise Hoffnung hat man natürlich immer, dass das Album gut ankommt und erfolgreich ist. Aber ja, ich bin positiv überrascht und erfreut.

In dem Song "Nicht wie ihr" distanzieren Sie sich deutlich von Sexismus und Antisemitismus im Rap. Gab es einen bestimmten Anlass dafür?

Azad: Das sind einfach Aussagen, die mir auf dem Herzen gelegen haben. Das wollte ich mir einfach mal von der Seele sprechen und eine klare Stellung zu diesen Themen beziehen.

Auf der Special Edition von "Leben II" gibt es ein Feature von Xavier Naidoo, der zuletzt ebenfalls wegen verschiedener Aussagen heftig kritisiert und als ESC-Kandidat zurückgezogen wurde. Was halten Sie von dieser Debatte?

Azad: Ich muss sagen, es ist eine Schande, dass er nicht antreten darf. Jeder kann stolz sein, dass Deutschland so einen großartigen Künstler wie Xavier hat. Ich finde es traurig, dass irgendwelche Politik-Themen im Hintergrund bei den Sendern das verhindern. Im Endeffekt geht es um einen Gesangswettbewerb und da finde ich es schade, dass er uns dort nicht repräsentiert und dem Rest der Welt zeigt, was für tolle Künstler Deutschland hat. Es gab natürlich auch gute, aber viele der Künstler, die beim ESC angetreten sind, finde ich nicht besonders repräsentativ für den Level, den deutsche Musik eigentlich hat. Aber ich hoffe, dass die Leute, die die Entscheidungen treffen, sich irgendwann noch besinnen und den guten Mann für uns dahin schicken.

In "Narben & Tränen" beschäftigen Sie sich mit dem Schicksal Ihrer kurdischen Landsleute. Was sagen Sie zur aktuellen Eskalation der Gewalt in der Türkei?

Azad: Das bewegt mich natürlich und macht mich traurig und auch wütend. Es ist einfach unfassbar, was da seit so einer langen Zeit passiert und dass das einfach kein Ende findet. Und auch da sind natürlich politische Hintergründe verantwortlich, wie für so vieles auf der Welt. Es ist natürlich sehr traurig, was da passiert und man kann nur hoffen, dass eines Tages dieser Konflikt aufhört und die Menschen in Harmonie leben können.