Alex Diehl will mit seinem Song "Nur ein Lied" möglichst viele Menschen erreichen
© Universal Music/Dominik Beckmann Alex Diehl will mit seinem Song "Nur ein Lied" möglichst viele Menschen erreichen

Alex Diehl "Hoffentlich wird meine Botschaft gehört"

Mit seiner Ballade "Nur ein Lied" tritt Alex Diehl beim ESC-Vorentscheid an. Was ihm dabei wichtig ist, hat er im Interview erzählt.

Am Donnerstag wird sich entscheiden, wer Deutschland beim Eurovision Song Contest in Stockholm vertreten wird. Einer der sich berechtigte Hoffnungen machen darf, ist Singer-Songwriter Alex Diehl, 28. Der sympathische Oberbayer hat mit seinem Song "Nur ein Lied" einen echten Facebook-Hit gelandet. Über sieben Millionen Mal wurde sein emotionaler Song, den er nach den Terroranschlägen von Paris komponiert hatte, mittlerweile angesehen.

Nun tritt Diehl mit "Nur ein Lied" beim ESC-Vorentscheid (25. Februar, 20:15 Uhr, ARD) in Köln an. Die Nachrichtenagentur spot on news hat sich zuvor zu einem Interview mit ihm getroffen. Ganz nebenbei hat er da auch verraten, dass er am 15. April sein neues Album in München präsentieren wird. Genaueres werde er aber erst am Donnerstagabend verkünden.

Herr Diehl, geht mit der Teilnahme am ESC-Vorentscheid ein Traum für Sie in Erfüllung?

Alex Diehl: Traum ist das falsche Wort. Es ist eine schöne Sache. Aber ich bin ehrlich, es war nie ein Herzenswunsch von mir, dort anzutreten. Allerdings ist es mir ein riesiges Anliegen mit "Nur ein Lied" dieses Jahr dort mitzumachen.

Warum?

Diehl: Weil es ein Song ist, in dem es um menschliches Miteinander geht. Ich empfinde es als Ehre, dass ich mit diesem Lied vor so vielen Menschen auftreten darf. Ich hoffe, dass ganz viele Leute gut zu hören.

Haben Sie Ihren Song aus diesem Grund auch mit englischen und französischen Textzeilen versehen?

Diehl: Ich habe vielleicht die Chance, vor ganz Europa eine Botschaft zu verbreiten, wieder mehr aufeinander aufzupassen. Und um diese Chance zu nutzen, habe ich englische und französische Textzeilen integriert, um auch wirklich alle zu erreichen. Mein Französisch beschränkt sich allerdings eher nur auf Baguette und Croissant, deshalb habe ich mir von native Speakern Hilfe geholt und das mit ihnen eingesungen. Immer und immer wieder. Dazu habe ich mir die Passage extra in Lautschrift aufgeschrieben. Und mir war wichtig, dass das Ganze nicht wortwörtlich, sondern sinngemäß übersetzt wird, so dass die Aussage bleibt. Denn darauf kommt es an.

Wie kam es überhaupt zu Ihrer Teilnahme?

Diehl: Ich hatte beim NDR einen Fernsehauftritt und wurde dort vom ARD-Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber angesprochen, ob ich mir eine Teilnahme am ESC-Vorentscheid vorstellen könne. Zu dem Zeitpunkt wusste ich allerdings nicht, mit wem ich da wirklich gesprochen hatte. Deshalb habe ich ihm auch ganz ehrlich meine Meinung gesagt, zu dem was da mit Xavier Naidoo passiert ist. Aber diese Unbefangenheit hat ihm vielleicht auch gefallen.

Wie ist Ihre Meinung zum Hickhack um Xavier Naidoo?

Diehl: Ich finde das sehr schade, was da mit Xavier passiert ist. Heutzutage ist ein sogenannter Shitstorm schnell ausgelöst. Über die sozialen Medien kann jeder zu jedem Thema seine Meinung äußern. Das kann eine imposante Macht entwickeln. Und da finde ich es schade, dass man seitens des Senders so schnell eingebrochen ist. Ich hätte Xavier - so umstritten er wegen einiger fragwürdiger Äußerungen sein mag - gerne beim ESC gesehen.

Beim ESC-Vorentscheid werden Sie mit der "The Voice"-Siegerin Jamie-Lee Kriewitz auf einer Bühne stehen. Ihre größte Konkurrentin?

Diehl: Ich gehe ohne jeglichen Konkurrenzgedanken in den Abend rein. Aber ich denke, sie ist in den Kreisen die Favoritin. Sie hat natürlich durch die Show einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht. Und dann gab es bei "The Voice" auch das Telefon-Voting per Anruf oder SMS, sprich ihre Fans sind mit dieser Art der Zuschauerentscheidung affin. Andererseits haben in den vergangenen Jahren auch unbekanntere Künstler oder Wild-Card-Teilnehmer den Vorentscheid gewonnen. Selbst große Acts wie Unheilig waren nicht auf den Sieg abonniert. Von daher ist der Ausgang völlig offen und es sollte ein spannender Abend werden.

Haben Sie sich eine besondere Bühnenshow vorgenommen?

Diehl: Bei mir wird auf der Bühne nicht viel passieren. Bei mir wird es keine Feuer- oder Lichtshow, keinen Bauchtanz oder sonst irgendwas geben. Ich werde nur mit Gitarre, Pianist und einem Lichtspot diesen Song vortragen und hoffen, dass die Botschaft gehört wird. Es gab auch das Angebot, im Hintergrund tote Kinder und Panzer zu zeigen. Aber das wäre doch vollkommen irre, was soll der Quatsch? Ich möchte einfach nur das Lied singen und bin über jeden dankbar, dem der Song gefällt.

Sind Sie aufgeregt?

Diehl: Vor all den Kameras mache ich mir schon in die Hose. Da schlafe ich jetzt schon schlecht. Das ist das erste Mal in meinem Leben, dass ich mir Baldrian gekauft habe. Da darf ich dann nur nicht zu viel nehmen, nicht dass ich dann wie ein Sack Kartoffeln auf der Bühne stehe. Ich habe zwar schon einige TV-Shows mitgemacht, aber das ist definitiv die größte. Ich habe sehr großen Respekt davor.

Aber wir müssen uns keine Sorgen machen, dass Sie im Falle eines Sieges einen Rückzieher machen wie Andreas Kümmert im vergangenen Jahr?

Diehl: Nein, alleine schon der Botschaft zuliebe würde ich es tun. Ich habe wirklich das Gefühl, dass der Song etwas bewegen kann. Und ich bin auch dankbar, dass ich so etwas hier nun erleben darf.