Spice Girls
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Spice Girls Tour de Force

So haben sich die Spice Girls das nicht vorgestellt: Schwacher Kartenverkauf, schlechte körperliche Kondition und laue Kritiken für ihr neues Lied setzen Victoria Beckham & Co. vor ihrer Comeback-Tournee gehörig unter Druck

Drei Kilo müssen noch runter.

Unbedingt. Dann hat sie endlich ihr Idealgewicht erreicht. Geri Halliwell, 35, kennt in diesen Tagen nur ein Ziel: in Topform zu kommen. Ein Druck, dem sich auch die restlichen Spice Girls nicht entziehen können. Denn in gut drei Wochen fällt in Vancouver der Startschuss für ihre mit Spannung erwartete Comeback-Tour. Spätestens dann müssen die fünf Damen auf der Bühne alles geben. Das Programm muss ablaufen wie ein Uhrwerk, Abend für Abend. Doch bislang funktioniert im Rahmen der ersten Proben in Los Angeles herzlich wenig - in Sachen Fitness, Choreographie oder Textsicherheit bleibt noch viel zu tun. "Die Nervosität wächst deshalb täglich. Vor allem Tanztrainer und Ernährungsberater schieben Überstunden", verrät ein Crewmitglied gegenüber GALA. "Wir sind eben nicht mehr so jung und dehnbar wie früher", gibt die 33-jährige Melanie C - ehemals "Sporty Spice" - im Interview zu. "Emma Bunton und ich haben gerade darüber gescherzt, dass wir an unserer Ausdauer noch arbeiten müssen. Aber das kriegen wir hin." Hoffentlich! Denn derangierte Musikerinnen, die mit letzter Kraft durch eine 90-Minuten-Show hecheln, dürften selbst Hardcore-Fans kaum in Ekstase versetzen. Um eine Blamage beim Tourneestart am 2. Dezember zu verhindern, hat Melanie B, 32, bereits gefordert, mehr Nummern einzubauen, in denen die Girls auch ganz entspannt auf Hockern sitzend singen können...

Nicht nur Konditionsschwächen

bereiten dem Damenchor schlaflose Nächte. Ihr neuer Song "Headlines (Friendship Never Ends)" sorgt bei Fans und Kritikern für lange Gesichter. "Ein Flop! Von Girlpower ist nichts mehr übrig geblieben. Vor zehn Jahren lieferten sie zwar auch schon Plastikpop, aber der verbreitete wenigstens Spaß", grantelt Brian Hiatt, Redakteur beim US-Magazin "Rolling Stone". Die Nummer sei "öde, kraftlos, ohne Pep", maulen Spice-Jünger in Internetforen. Und in den weltweit angesagten Radiostationen findet "Headlines" so gut wie gar nicht statt - ungünstige Voraussetzungen, um den Tour-Vorverkauf anzuheizen. Und der läuft in einigen Ländern sehr verhalten: Während die Tickets in Großbritannien innerhalb von 38 Sekunden ausverkauft waren, gingen für die einzige Deutschland-Show am 20. Dezember in der Kölnarena bis dato nicht mal die Hälfte der Tickets über die Tresen. Auch in den USA läuft's eher schleppend, im New Yorker Madison Square Garden wurde sogar ein Termin abgesagt. Besonders Victoria Beckham, 33, die für das Comeback auf neuen alten brünetten Look setzt, gefällt das gar nicht. Denn schließlich soll die Tour sie in ihrer Wahlheimat endlich auf den ersehnten Superstar-Status hieven. Posh dürfte deshalb auch treibende Kraft hinter der neuen PR-Strategie sein. Und die heißt Sex. Das zieht im prüden Amerika eigentlich immer. Daher sollen jetzt laszive Tanznummern an Metallstangen (Pole Dancing) für Würze in den Gigs sorgen - und Mel C verspricht Stripeinlagen, bei denen die Mädels angeblich (fast) alles zeigen wollen. Auch ein Auftritt in der Victoria's Secret Fashion Show, die mit großem Medienrummel am 14. November aufgezeichnet und im Dezember ausgestrahlt wird, soll Konzertgänger locken. Doch obwohl ein neues "Spice Girls"-Fieber bislang nicht aufkommen will, ist hinter den Kulissen wieder Zickenalarm ohne Unterlass. So auch beim Videodreh zu "Headlines", wo die Künsterinnen mit ihren Allüren den Regisseur an den Rand des Wahnsinns trieben. Sie können es sich leisten, denn sie haben ihre Schäfchen im Trockenen: Bevor sie auch nur einen Ton auf der Bühne geträllert haben, sind sie jeweils um garantierte 30 Millionen Euro Gage reicher; CD-Verkäufe, Merchandising-Produkte und Parfums dürften mindestens weitere elf Millionen pro Kopf in die Kasse spülen, schätzen Branchenkenner. Fastfood- und Supermarktketten sowie Labels für Luxuswäsche - alle hängen sich an das Spice-Comeback. Zyniker sprechen bereits von der größten Butterfahrt der Popgeschichte. Mit diesen Aussichten dürften ein paar Monate Zickenterror gut auszuhalten sein. Nach dem Finale in Chicago am 16. Februar ist der Spuk ohnehin wieder vorbei, dann gehen die Spice Girls wieder getrennte Wege. Für immer?