Sebastian Vettel

Ein schneller Junge erobert die Welt

Charakterkopf mit Strubbelfrisur: Warum alle den neuen Formel-1-Champion Sebastian Vettel lieben - und wem er jetzt vertraut

Sebastian Vettel

Sein größter Triumph

schmeckt nach Rosenwasser. Gerade eben hat den Großen Preis von Abu Dhabi und damit die Weltmeisterschaft 2010 gewonnen. Mit 23 Jahren und 134 Tagen ist er der jüngste Formel-1-Champion aller Zeiten, und nun stehen seine Konkurrenten und Kumpels und neben "Seb" auf dem Siegerpodest und verpassen ihm die obligatorische Siegerdusche aus Magnum-Pullen.

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Nur dass in den Vereinigten Arabischen Emiraten kein Champagner verspritzt werden darf, sondern lediglich Rosenwasser, das sich mit Vettels Glückstränen vermischt. Irgendwie passt dieser etwas weniger prickelnde Triumph zum Wunderkind Sebastian Vettel:

Er trinkt kaum Alkohol und hält rein gar nichts von großer Selbstinszenierung. Ganz uneitel berichtete der Red-Bull-Racing-Pilot in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" über seine Anfänge in der Formel 1: "Nach meinen ersten Testrunden war ich so schockiert von der Leistung, dass ich gesagt habe: 'Okay, das ist nur was für Männer. Hier werde ich nie zurechtkommen.'" Ein bisschen kokett, weshalb Vettel damals auch gleich hinterherschob: "Aber das legt sich dann sehr schnell."

Auch Sebastian Vettels Idol Michael Schumacher gratulierte nach dem Rennen in Abu Dhabi.

Auch Sebastian Vettels Idol Michael Schumacher gratulierte nach dem Rennen in Abu Dhabi.

Von seinem jungenhaften Gesicht und der Strubbelfrisur sollte sich niemand täuschen lassen. Mit überdurchschnittlich großem Ehrgeiz und eisernem Willen hat Vettel auf das große Ziel hingearbeitet, seit sein Vater ihn als Dreijährigen erstmals in ein Kart setzte. Durchschnittlich sind höchstens seine Hobbys, neben Beatles-Platten sammeln und Gitarre spielen vor allem Rad fahren und surfen. So wie es viele Twens machen. Vettels Idol ist , der siebenfache Weltmeister. Ähnlich wie "" ist er extrem diszipliniert und wird mitunter extrem ungeduldig, wenn etwas nicht so schnell klappt, wie er sich das vorstellt. Anders als Schumacher, der auch in seinen größten Momenten stets kühl und gefasst wirkte, zeigt Vettel jedoch Herz und Leidenschaft. Und er hat den Schalk im Nacken. Seinen Kollegen , bekannt für tadellose Outfits, bezeichnete er als "schönste Frau der Formel 1". Und schenkte er kürzlich zum 80. Geburtstag einen Rollator mit "Notrufknöpfen" für Viagra und die Krankenschwester. Der Rennsport-Patriarch liebt die rotzfreche Art von Vettel, er weiß, dass die Vermarktungsmaschine Formel 1 solche Charakterköpfe braucht. Männer die auffallen und anecken und auch abseits der Rennstrecke Spaß machen. "Ich bin sein größter Unterstützer", sagt Bernie Ecclestone über Sebastian Vettel.

Reinreden darf Sebastian Vettel (l.) nur sein Inner Circle, Familienangehörige und andere Weggefährten. Allen voran sein Vater N

Reinreden darf Sebastian Vettel (l.) nur sein Inner Circle, Familienangehörige und andere Weggefährten. Allen voran sein Vater Norbert, vorne rechts mit der Formel-1-Trophäe, der ihn zu fast jedem Rennen begleitet.

Ecclestones Rat wird Vettel in den nächsten Monaten vielleicht brauchen, denn mit seinem Sieg eröffnen sich neue Dimensionen. Rund dreieinhalb Millionen Euro verdient er bislang jährlich bei Red Bull; seinen im nächsten Jahr auslaufenden Vertrag hat er noch nicht verlängert. Ferrari, McLaren, Mercedes - alle dürften am neuen Champ Interesse haben. , der Ex-Manager von Michael Schumacher, prophezeite Vettel schon vor dem Titelgewinn: "In zehn guten Jahren sind für ihn 100 Millionen Euro drin."

Alles scheint nun möglich. Der seit Sonntag berühmteste Sohn des hessischen Städtchens Heppenheim muss sich nur entscheiden. Er hat keinen Manager, der ihm einen Karriereplan zurechtlegt. Auch hier vertraut er vor allem auf sich selbst. Reinreden darf ihm nur sein Inner Circle, Familienangehörige und andere Weggefährten. Allen voran sein Vater Norbert, der ihn zu fast jedem Rennen begleitet. Dann sein Förderer Gerhard Noack, der ihn als Kart-Fahrer entdeckte, außerdem Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz, der ihm das Siegerauto bereitstellte, sowie Britta Roeske, seine Pressesprecherin und Assistentin, die seinen Tagesablauf koordiniert.

Wenn er unterwegs ist, wirkt Sebastian Vettel wie ein Rucksacktourist.

Wenn er unterwegs ist, wirkt Sebastian Vettel wie ein Rucksacktourist.

Und dann ist da natürlich seine Freundin Hanna. Die beiden lernten sich auf dem Gymnasium kennen, sind nun schon seit gut fünf Jahren liiert und leben zusammen auf einem Schweizer Bauernhof in der Nähe des Bodensees. Die Privatsphäre ist ihnen heilig, Hanna begleitet ihn daher so gut wie nie an die Rennstrecke. Auch seinen historischen Sieg in Abu Dhabi verfolgte sie am Fernseher.

Der Weg vom Kart über die Formel BMW und die Formel-3-Euroserie bis in die Königsklasse, in der er 2007 debütierte, war lang. Sebastian Vettel wollte dabei immer mehr als nur viel Geld verdienen. Er brauche keine Jacht, hat er einmal gesagt, er habe doch ein Kajak. Privat bucht er seine Flüge gern in der Economy-Klasse, und daheim in der Schweiz fährt er meist im unauffälligen BMW der 3er-Serie über die Landstraßen.

Sebastian Vettel, der Sportsmann und Spaßvogel, weiß, dass mit dem Weltmeistertitel ein neues Leben für ihn beginnt. Künftig werden alle die ganz großen Erfolge von ihm erwarten. Er kennt zwar bereits das Gefühl, über den Parcours zu rasen in dem Bewusstsein, dass Hunderttausende für ihn und seine Konkurrenten angereist sind - doch noch nie war er das Zugpferd in diesem Rennzirkus. Mit seinem Inner Circle wird er auch diese Herausforderung meistern.

Alexander Stilcken

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