Schönheits-Operationen

Für immer jung?

Hollywood fordert von seinen Stars die ewige Jugend – die plastische Chirurgie verspricht Hilfe dank neuer Methoden. Das Ergebnis ist ein Heer hübscher Klone

Nicole Kidman - Für immer jung?

Nicole Kidman - Für immer jung?

Manchmal ist es wirklich nicht ganz einfach, Frauen zu verstehen:

Da regen sie sich auf, wenn auf einer Party eine andere im gleichen Kleid erscheint – aber wenn die Hälfte der Gäste die gleiche Visage trägt, kratzt es niemanden. Ganz im Gegenteil: In Hollywood wünscht man sich dieses Déjà-vu geradezu herbei. Pillow-Faces, Gesichter wie aufgeplusterte Kopfkissen, sind der jüngste Trend. Ob , , oder – sie alle greifen zu Füllstoffen, die jugendlich pralle Wangen zaubern. Dazu gibt’s Botox für die faltenfreie Stirn und meist noch einen Schuss Kollagen für einen sinnlichen Schmollmund. Voilà, fertig ist die It-Visage für die Frau ab 40 mit Faible für Barbies Kindchenschema.

Nicole Kidman

Geheimnisvolle Diva

23. Dezember 2010: Keith Urban und Nicole Kidman nehmen ihre Tochter Sunday Rose am Flughafen in Sydney in ihre Mitte.
Nicole Kidman
5. April 2009: Während der "Captiol Records Nashville post ACM Party" in Las Vegas nutzt Nicole Kidman ihr iPhone um ein Bild ih
August 2008: Noch gibt es von der kleinen Sunday Rose nur Paparazzi-Bilder

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Synthetik ist Trumpf, analysiert Prof. , Deutschlands wohl berühmtester Beauty-Operateur: "Amerika ist besessen vom uniformen Schönheitsbild – jung, fit, knackig, langmähnig." Dieses Zerrbild strahle von Hollywood in die ganze Welt. Der Natur lässt kaum noch jemand ihren Lauf. Schon gar nicht, wenn sie – und immer öfter auch er – das Haushaltseinkommen mit makellosem Aussehen verdient.

Bei Nicole Kidman, 42 rührt sich nichts mehr, keinen Millimeter. Schönheitschirurg Prof. Werner Mang vermutet eine Botox-Überdos

Bei Nicole Kidman, 42 rührt sich nichts mehr, keinen Millimeter. Schönheitschirurg Prof. Werner Mang vermutet eine Botox-Überdosis

Laut dem Fachblatt "Plastic and Reconstructive Surgery" unterziehen sich rund 14 Millionen US-Amerikaner jährlich einer Schönheits-OP. Und die Kunden werden immer jünger. Wenn Lindsay Lohans Teenager-Schwester Ali sich die Brüste vergrößern oder sich im Doppelpack mit LiLo die Lippen aufspritzen lässt, regt sich im Land der unbegrenzten operativen Möglichkeiten kaum noch jemand auf. Mittlerweile verlangen 14-Jährige bereits nach Botox. In Deutschland werden rund eine Million Beauty-Eingriffe jährlich gezählt. Spitzenreiter sind Brüste, gefolgt von Fettabsaugungen, Ohrenkorrekturen und Gewebeunterfütterungen.

Obwohl sie zum Massenphänomen geworden sind: Ein Tabuthema sind solche OPs nach wie vor. Prof. Mang, Leiter der Bodenseeklinik in Lindau, der größten Einrichtung für Plastische Chirurgie Deutschlands, beschäftigt sich in seinem Buch "Verlogene Schönheit" auch mit diesem Aspekt – und er nennt Namen. Angehängt ist dem Werk ein sechsseitiges Personenregister, eine nahezu vollständige Hollywood-A-List, von "Anderson, Pamela" bis "Zeta-Jones, Catherine". Irgendwas haben sie nach Meinung des Experten fast alle machen lassen, auch wenn sie nicht dazu stehen. "Verlogene Schönheit sehen wir überall in unserer Gesellschaft", so Mang. "Heimlich wird Botox gespritzt, Fett abgesaugt, Lippen werden modelliert, Näschen begradigt, Implantate gesetzt."

Auch Nicole Kidman behauptet nach wie vor: "An mir ist alles natürlich. Ich habe nichts an meinem Gesicht oder sonst wo machen lassen. Ich benutze immer Sonnencreme und rauche nicht." Das soll der ganze Trick sein? Mediziner Mang glaubt nicht an Wunder. "Wenn ich sie mir so ansehe", schreibt er in seinem Buch über die australische Hollywood-Schauspielerin, "wäre ich nicht überrascht, wenn sie sich Wangenimplantate hätte einsetzen lassen. Außerdem kommt sie mir wie ein Botox-Opfer vor, ihre Mimik ist seltsam starr." Auch beteuert: "Ich habe nie etwas an mir machen lassen." Berichte, nach denen sie rund 230.000 Euro für eine Generalüberholung – Kniestraffung, Augenbrauenlifting und Brustimplantate inklusive – durchführen ließ, dementiert sie. "Alles Quatsch. Ich würde zwar niemanden verurteilen, der sich operieren lässt. Aber mir persönlich missfällt die Idee, sich einer Operation zu unterziehen, um den Alterungsprozess aufzuhalten. Das Skalpell macht doch niemanden glücklich."

Die neuen Lifting-Methoden sorgen für Uniformität statt Individualität. Kylie Minogue, 41 wirkt wie Madonnas kleine Schwester

Die neuen Lifting-Methoden sorgen für Uniformität statt Individualität. Kylie Minogue, 41 wirkt wie Madonnas kleine Schwester

Alles gelogen? Nicht unbedingt. Es ist nämlich gut möglich, dass sich die ehemalige Mrs. Moore, jetzt Mrs. , tatsächlich keiner Operation im engeren Sinne unterzogen hat. Es gibt mittlerweile schließlich sanftere Methoden, um ein jüngeres Abbild seiner selbst zu schaffen. Zwar verbinden viele Menschen mit Schönheitsoperationen noch die Vorstellung von blutigen Skalpellen. Schauspielerin , 33, die nach eigenen Aussagen die Computer-Bearbeitung ihrer Fotos einem Facelifting oder der Fettabsaugung vorzieht, formulierte es jüngst so: "Da lassen sich die Leute dicke Lappen Zeugs aus dem Bauch schneiden …" Doch die Vorstellung von schlankmachenden Horror-Operationen ist überholt. Überflüssiges Fett kann heute schnitt-, blut- und schmerzfrei mit Ultraschall bekämpft werden. Und kaum ein Arzt schnibbelt noch die Gesichthaut an den Ohren auf, um sie etwas weiter hinten straff zusammenzunähen. Der Windkanal-Look à la oder Joan Collins ist inzwischen verpönt – der neue, natürlichere Look lässt sich spritzen. Das Prinzip: Ein Nervengift wie Botox legt die faltenerzeugenden Gesichtsmuskeln vorübergehend lahm, Hyaluronsäure und andere Füllstoffe sorgen für Straffheit und Glätte. Gut für die Zunft der sanften Operateure! Denn die Aussicht auf einen minimalinvasiven Eingriff lässt die Hemmschwelle bei grundsätzlich Korrekturwilligen sinken.

Cher, Priscilla Presley und Daryl Hannah gehören noch zur Skalpell-Generation, bei der die zahlreichen früheren Eingriffe nicht zu übersehen sind. Sie versuchen nun, mit etlichen Kunst(ein)griffen zurück zur Natur zu finden. "Auch wir führen Reparatur-Operationen bei Promis durch, deren OPs in den USA fehlgeschlagen sind", so Prof. Mang. Seine Kollegin Dr. Barbara Sturm – die Düsseldorfer Expertin für sanfte Anti-Aging-Techniken hat eine Dependance in Los Angeles und ist liiert mit Kino-Beau George Hamilton – kümmert sich gerade um einen solchen Fall. "Typisches Hollywood-Gesicht", sagt sie. "Seltsam starr durch zu viele Botox-Injektionen, mit prallen Apfelbäckchen und Schlauchbootlippen. Wenn ein Gesicht erst mal so aussieht, ist es nicht leicht, wieder einen natürlichen Look zu erreichen. Bei einer meiner Patientinnen hat es zwei Jahre gedauert, bis ich ihre Lippe so weit hatte, dass sich eine harmonische Form ergab."

Bei der Designerin Donatella Versace, 54 erkennt Schönheitsexpertin Dr. Barbara Sturm "das typische Hollywood-Gesicht": starre Z

Bei der Designerin Donatella Versace, 54 erkennt Schönheitsexpertin Dr. Barbara Sturm "das typische Hollywood-Gesicht": starre Züge, Apfelbäckchen, Schlauchbootlippen

Die Modeerscheinungen der Schönheitschirurgie betreffen allerdings nicht nur das Gesicht. Victoria Beckham, Iman und Carmen Electra sind nur drei von vielen, die im Laufe der Jahre ihre Körbchengröße wechselten – und nicht immer zufrieden waren mit dem Ergebnis. "Baywatch"-Nixe Electra legte sich gleich vier Mal unters Messer, um zu korrigieren, was ein übereifriger Chirurg mit Faible für Doppel-D ihr untergeschoben hatte. Neuerdings scheint auch die sportlich-schlanke Jennifer Aniston mit neuer Oberweite punkten zu wollen: "Mehr ist mehr", signalisieren aktuelle Fotos von ihr. "Ich glaube, sie hat sich Macrolane spritzen lassen. Sieht aus, als hätte sie eine ganze Nummer mehr", so ein Insider im britischen Magazin "Grazia".

Mehr Busen, weniger Falten, deutlich vollere Lippen – die meisten Patientinnen beziehungsweise Kundinnen einschlägiger Chirurgen sind vom wohl ältesten Menschheitswunsch getrieben, auf ewig jung und gesund zu bleiben oder wenigstens so auszusehen. Mittlerweile treibt diese Sehnsucht aber seltsame Blüten. Da lassen sich Menschen die unterste Rippe entfernen – für eine Wespentaille. Sie lassen den Mittelfußknochen herausoperieren – für ihre Manolo Blahniks. Oder sie lassen sich sogar die Schamlippen straffen – für … wer weiß das schon so genau. Ex-Boxenluder Katie Price hat keine Scheu, selbst über einen extrem intimen Eingriff zu sprechen: "Ich möchte meine Vagina operieren lassen. Schließlich habe ich drei Kinder zur Welt gebracht – da spürst du schon den Unterschied." Aha. Und in Ungarn wird dieser Tage eine "Miss Plastic" gewählt, die schönste Schöne, die mindestens einen Eingriff unter örtlicher Betäubung oder Narkose hinter sich hat.

"Jugend ist das einzige, was zu besitzen sich lohnt", seufzt Lord Henry in Oscar Wildes Roman "Das Bildnis des Dorian Grey" aus dem Jahr 1891. Und weiter: "Dafür gäbe ich alles! Ja, es gibt nichts in der ganzen Welt, was ich nicht dafür gäbe! Ich gäbe meine Seele dafür!" Heute ist der Preis ewiger Jugend variabel. Er liegt zwischen Zehn- und Hunderttausenden Euro. Ein bisschen Seele kostet ein Rundum-Radikal-Verjüngungsprogramm aber immer: "Die Schönheitschirurgen haben wie Designer ihre Entwürfe im Katalog, doch irgendwie gleichen sie sich alle", resümiert Prof. Mang. Und wenn man nicht höllisch aufpasst, dann gehen Persönlichkeit und Charakter beim Operieren verloren.

Nina Anika Klotz Mitarbeit: Carolin Lockstein, Susanne Faust, Anne Meyer-Minnemann

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