Sarah Palin

Prüfstein für ganz Amerika

Die Tochter der Kandidatin für die Vizepräsidentschaft, Sarah Palin, ist schwanger - mit 17. Ein Skandal? Die Nation ist gespalten

Was sagt man dazu?

ist sich uneins. Die Tochter der republikanischen Vizepräsidentschafts-Kandidatin erwartet ein Kind. Ungeplant. Mit 17, unverheiratet. Und das als Tochter einer erzkonservativen Mutter: , Gouverneurin von Alaska, gilt als sittenstrenge Moralistin und hat sich gegen die staatliche Förderung von Sexualkundeunterricht eingesetzt. "Das hat sie nun davon", sagen die einen schadenfroh. "Das kann doch jedem passieren", denken andere.

"Hier wird bei der im Nagelsalon, in der Schlange bei 'Starbucks' oder in der U-Bahn munter darüber diskutiert", bericht GALA-Korrespondentin Julide Tanriverdi aus New York. Je nach politischer Couleur beziehen die Amerikaner Stellung, und auch Prominente halten sich nicht zurück. "Den ganzen Morgen schaue ich Nachrichten, und ständig höre ich etwas über Teenager- Schwangerschaften", ließ etwa verlauten. "Damit lenken sie aber doch nur von den wirklich wichtigen Themen ab, von den alltäglichen Problemen, mit denen dieses Land zu kämpfen hat." Sollte das einstige Skandal-Starlett sein politisches Gewissen entdeckt haben? Regisseur dagegen ist seit jeher berüchtigt für seine Kommentare: "Dieses Kind tut mir leid, weil es seine Privatsphäre der Kandidatur der Mutter opfern musste", sagte er.

Ganz anderer Meinung sind da natürlich die Republikaner. So meldete sich beispielsweise Meghan McCain zu Wort, Tochter von Präsidentschaftsbewerber . Was die 23-Jährige qualifiziert, sich zum Thema zu äußern? Sie sei schließlich selbst Kandidaten-Tochter: "Ich kenne Bristol zwar noch nicht lange", schreibt sie, "aber irgendwie fühle ich mich ihr sehr verbunden. Deshalb will ich alle Welt wissen lassen, dass ich voll hinter Bristol und ihrer Familie stehe!"

Solidarität unter Teenager-Mamas zeigte , die selbst vor wenigen Monaten im zarten Alter von 17 Jahren eine Tochter bekam. Großmutter ließ verlauten: " unterstützt Sarah Palin und kann - natürlich - sehr gut mit ihr fühlen." Auch Vater , ein bekennender McCain-Fan, zeigte Verständnis. Er war zum Parteitag der Republikaner nach St. Paul gereist. "So wie alle Familien durchleben auch die Palins ihre Dramen", sagte er und klang dabei ziemlich überzeugend. Schließlich ist er selbst Vater einer Tochter, die wilde Party-, Drogen- und Sex-Eskapaden hinter sich hat. blies mit seiner Aussage voll ins Horn der republikanischen Basis: So etwas komme in den besten Familien vor, war oft zu hören, kein Kind sei perfekt, irgendwann schlügen sie alle über die Stränge. Das Schicksal der Mutter Palin sei menschlich nachvollziehbar.

Jeder scheint eine Meinung zu haben, die sich irgendwo zwischen den Polen "sympathische Schwäche" und "hässliche Doppelmoral" bewegt. Nur einer schweigt: , der Kandidat der Demokraten. "Familen und Kinder der Kandidaten sind tabu", findet er. Bristols sollte kein Wahlkampfthema sein und, by the way: "Meine Mutter war 18 Jahre alt, als sie mich zur Welt brachte."

Obama-Anhänger George Clooney gehorcht: Bei einem Benefiz-Dinner in Genf, bei dem er vergangene Woche mit einer smarten Rede für seinen Kandidaten warb, erwähnte er das Thema nicht. "Später, bei einem privaten Dinner im kleinen Kreis, hat man so dies und das geplaudert", berichtet der Gastgeber, Rechtanwalt Charles C. Adams. "Auch über Mrs. Palin." Die verlor auf dem Parteitag kein Wort über die Schwangerschaft ihrer Tochter. "Einen Sieg hat sie mit ihrem selbstbewussten Auftritt trotzdem schon errungen", so Korrespondentin Tanriverdi. Palin lockte 37,2 Millionen Zuschauer vor die Fernseher - und hält die Republikaner weiter im Gespräch.

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