Sarah Jessica Parker
© Wireimage.com Sarah Jessica Parker

Sarah Jessica Parker Stil-Ikone auf Sparkurs

Sarah Jessica Parker macht Discount-Mode. Und setzt damit ein Statement gegen Markenluxus. Fans sind verwirrt, Fashion-Insider entsetzt. Dabei will sie doch nur alle glücklich machen

Die Vorfreude war riesig:

Ein weiterer Hollywood-Star hatte eine eigene Modekollektion angekündigt. Und nicht irgendwer, sondern die Stil-Ikone schlechthin lud endlich zur Vorpräsentation ihrer Entwürfe. Doch bei dem, was Sarah Jessica Parker dann als Fashion präsentierte, wäre den ausgewählten Gästen im New Yorker Nobelrestaurant "Indochine" vor Schreck fast das Champagnerglas aus der Hand gefallen. Die Mode des "Sex And The City"-Stars, eine Ko-Produktion mit der Billigkaufhauskette "Steve & Barry's", ist sensationell unspektakulär: schlichte Ringel-Shirts, Bieder-Blusen und Camouflagehosen, die schon in der vorvorletzten Saison längst nicht mehr angesagt waren. Zudem verblüffte der Low-Budget-Anspruch der Kreationen - keins der fast 400 Teile kostet mehr als 20 US-Dollar, also umgerechnt 14,80 Euro.

Ausgerechnet Sarah Jessica Parker, die als Sex-Kolumnistin Carrie Bradshaw durch ihren extravaganten New Yorker City-Look über Nacht zum Fashion-Vorbild wurde, macht in Billigmode? Jene Sarah Jessica Parker, der Manolo Blahnik mit seinem "SJP"-Schuhmodell ein modisches Denkmal setzte, und die von der Vereinigung amerikanischer Designer offiziell zur zur bestangezogenen Frau gekürt wurde?

Die Enttäuschung der versammelten Modejournalisten und New Yorker Society-Girls über die wenig elegante Casual-Linie "Bitten" (ein Wortspiel, das darauf anspielt, von Mode gebissen, also "angefixt" zu sein) war denn auch riesig. "Furchtbar!", stöhnte eine Dame verächtlich, um sogleich auf dem Absatz ihrer Jimmy Choos kehrt zumachen und eilig davonzustöckeln. "Die Kollektion hat überhaupt nichts mit Mode zu tun", ätzte eine Fashion-Redakteurin. Neu-Designerin Parker, 42, nimmt die harsche Kritik gelassen. Sie wusste vorher, dass ihre Entwürfe überraschen würden. "Bitten" sei absichtlich an ihrer großen, modebegeisterten Fangruppe vorbeigeschneidert, betonte sie. "Ich wollte Sachen entwerfen, die man jeden Tag tragen kann. Morgens beim Zeitungholen, im Büro oder zur Cocktailparty." Bloß nicht zu sexy oder avantgardistisch, denn das sei nicht das ganze Leben. "Mir ist lieber, dass Frauen ihren Kleiderschrank für 200 Dollar komplett füllen und dann noch Geld übrig haben für den Geburtstag der Kinder." Auf ihrer Internetseite "bittensjp.com" wird diese Philosophie gar als Manifest formuliert, im Stil einer verfassungsrechtlichen Grundsatzerklärung.

Sarah Jessica Parker bei der Präsentation ihrer "Bitten"-Linie in New York
© Wireimage.comSarah Jessica Parker bei der Präsentation ihrer "Bitten"-Linie in New York

Nun ist die Demokratisierung der Modewelt sicher eine gute Sache, aber es ist gar nicht der Preis, der New Yorker Fashionistas die Nase rümpfen lässt, es ist der mangelnde Schick. "Anders als Madonnas oder Kylie Minogues Sachen für H&M, in denen sich Trends widerspiegeln, ist das hier bloß ein langweiliger Haufen von Basics, die man woanders besser kriegt", krittelte ein Designer. Und ein Fan lästerte: "Ist das ihr Ernst? Darin möchte ich nicht mal begraben sein!" Anna Wintours Assistent André Leon Talley ließ sich nicht einmal dazu bewegen, Fotos von der Kollektion anzusehen. Bei "Steve & Barry's" beteuerte man indes, dass die Star-Designerin bei ihrer Arbeit selbst mit Stecknadeln im Mund auf dem Boden herumgekrochen sei und mit ihrem kundenfreundlichen Ansatz die Firmenphilosophie verkörpere, Benachteiligte zu unterstützen. Dass Sarah Jessica Gerüchten zufolge zwischen einer Million und fünf Millionen Dollar für den Vertrag mit der Modekette kassiert hat und bei der "Glamour"-Fotostrecke ihre Mode mit Luxus-Accessoires wie Chaneljacke oder Peeptoes von Christian Louboutin aufpeppte, passt da allerdings weniger zur Rolle einer Sozialhelferin der Mode.

Sarah Jessica Parker setzt sich mit ihrer sparsamen Kollektion konsequent vom Image der fashionsüchtigen Carrie Bradshaw ab. "Bitten" ist sozusagen die exakte Anti-Carrie-Mode. Man konnte schon länger beobachten, dass Sarah Jessica am liebsten Jeans und Schlabber-Shirts trägt, wenn sie mit ihrem Sohn James Wilke, 4, durch die Straßen Manhattans bummelt. "Viele Frauen bitten mich: 'Zeigen Sie doch mal Ihre Schuhe.' Und sind dann verblüfft, dass ich Flipflops anhabe", sagte sie. "Aber ich bin jetzt alt, ich kann nicht mehr in Highheels rumrennen, wenn ich Joghurt für meinen Sohn kaufen will. Alle fragen mich immer nach Fashion, Beziehungen, Schuhen. Aber wisst ihr was? Ich habe keine Antworten. Ich bin nur eine Schauspielerin, für mich muss Fashion praktisch sein." Sie selbst habe als Kind ihre Kleidung mit sieben Geschwistern teilen müssen, Geld sei in der Familie immer ein Problem gewesen. Wohl deshalb sympathisiert sie mit der Durchschnittsamerikanerin, die vermutlich nicht mal weiß, dass Marc Jacobs ein Designer ist - und freut sich am spärlichen Lob derer, die ihre "Bitten"-Kollektion für authentisch halten.

Sogar der geplante "Sex And The City"-Kinofilm wäre fast daran gescheitert, dass Sarah Jessica sich ein für alle Mal von der Rolle des Luxusweibchens verabschieden will. Den zahllosen "Sex And The City"-Anhängerinnen zuliebe hat sie sich jetzt aber doch überreden lassen. Und die Fans können aufatmen: Dass Carrie Bradshaw sich auf der Leinwand in billigen Basics blicken lässt, ist so unwahrscheinlich wie Schnee im August.