Roman Polanski
© Getty Images Roman Polanski

Roman Polanski Regisseur verhaftet

Kultregisseur Roman Polanski ("Der Pianist") wurde am Züricher Flughafen festgenommen - wegen einer Vergewaltigung von vor über 30 Jahren

Der Regisseur und Oscar-Preisträger Roman Polanski (76) ist am Samstag (26. September) bei der Einreise in die Schweiz verhaftet worden. Das bestätigte der Sprecher des Justizministeriums, Guido Balmer, am Sonntag. Der Filmemacher sei auf Grundlage eines US-Haftbefehls in "provisorischer Haft".

Polanski, der für den Film "Der Pianist" den "Oscar" bekam, war vom Filmfestival Zürich eingeladen worden und sollte dort am Sonntagabend (27. September) für sein Lebenswerk ausgezeichnet werden. Wo sich Polanski derzeit befindet, sagte Balmer nicht. Auf die Frage, warum man den Regisseur, der in den vergangenen Jahren häufig vollkommen unbehelligt in der Schweiz war, gerade jetzt festgenommen habe, sagte der Sprecher: "Wir wussten diesmal genau, wann er einreist." Ob Polanski, der französischer Staatsbürger ist, tatsächlich ausgeliefert wird, müsse nun das Verfahren zeigen.

Die Verhaftung am Flughafen Zürich löste in der Schweizer Filmszene Protest und Empörung aus. Das Vorgehen der Behörden sei nicht nur eine"groteske Justizposse, sondern auch ein ungeheuerer Kulturskandal", schrieb der Verband der Regisseure. Die Verhaftung werde dem Land weltweit Schaden zufügen, kritisierte der Verband Filmregie und Drehbuch. Es sei eine "Ohrfeige ins Gesicht aller Kulturschaffenden in der Schweiz".

Das Festival in Zürich verschob die geplante Ehrung Polanskis "auf einen unbestimmten Zeitpunkt", wollte den Regisseur aber wie geplant mit einer "Tribute to Roman Polanski"-Retrospektive würdigen.

Nach Angaben des schweizer Justizministeriums werfen die US-Behörden Polanski sexuelle Handlungen mit einem minderjährigen Mädchen in Los Angeles vor. Damals hatte der polnisch-französische Filmemacher zugegeben, die 13-Jährige in der Villa seines Freundes Jack Nicholson mit Champagner und Drogen zum Sex verführt zu haben - was in Kalifornien automatisch als Vergewaltigung gilt. Ein US-Haftbefehl liegt bereits seit 1978 vor.

Polanskis Wahlheimat Frankreich zeigt sich betroffen. Im Rundfunk erklärte Kulturminister Frédéric Mitterrand, er sei "höchst erstaunt über das Umgehen mit einem international renommierten Regisseur" und auch Präsident Nicolas Sarcozy wünscht "eine schnelle Lösung der Lage". Auch Polanskis Geburtsland Polen mischt sich ein und will die USA um Gnade ersuchen, bietet ihrem Landsmann auch Konsularhilfe in der Schweiz.

Sein damaliges Opfer hat Polanski längst öffentlich verziehen. Im Mai war der Regisseur dennoch endgültig mit seinem Antrag gescheitert, das Vergewaltigungsverfahren in Kalifornien nach 32 Jahren endlich für geschlossen zu erklären. Ein Gericht in Los Angeles hatte sein Ersuchen abgelehnt und das persönliche Erscheinen von Roman Polanski gefordert.

dpa/dla