Roman Polanski
© WireImage.com Roman Polanski

Roman Polanski Gnade oder Gerechtigkeit?

Er hat ein 13-jähriges Mädchen vergewaltigt und seine Tat gestanden - dennoch fordern viele Stars jetzt die Freilassung des in der Schweiz verhafteten Filmemachers Roman Polanski

Seine Tat liegt 32 Jahre zurück und hat dennoch nichts von ihrer Grausamkeit eingebüßt: 1977 machte Roman Polanski Fotos von einer Dreizehnjährigen, gab ihr nach dem Shooting Beruhigungsmittel und vergewaltigte sie.

Die Mutter des Mädchens zeigte Polanski an - da dieser aber bereit war, sich des "Geschlechtsverkehrs mit einer Minderjährigen" schuldig zu bekennen und Schmerzensgeld zu zahlen, verzichtete ihr Anwalt auf eine Anklage wegen Vergewaltigung.

In Hollywood ist Roman Polanski ein gefeierter Star
© WireImage.comIn Hollywood ist Roman Polanski ein gefeierter Star

Zum Gerichtsverfahren kam es im Februar des darauf folgenden Jahres aber dennoch: Der Bezirksrichter Lawrence Rittenband erklärte den Anwälten von Roman Polanski, ihrem Mandanten drohten bis zu 50 Jahre Haft. Schon am nächsten Tag flüchtete der Regisseur aus den USA und entzog sich so seiner Verurteilung - bis zum vergangenen Samstag, als er in der Schweiz verhaftet wurde.

Seither ist unter Promis und Politikern gleichermaßen eine Welle der Entrüstung losgebrochen - und das nicht etwa, weil der 76-Jährige schon viel früher vor Gericht hätte stehen müssen, sondern weil Monica Bellucci, Harrison Ford und andere die sofortige Freilassung Polanskis fordern.

Sie animieren nun sogar ihre Berufskollegen, eine Petition für seine Freiheit zu unterschreiben. Auch die Frau des Regisseurs, Emmanuelle Seigner, fordert Proteste in Hollywood. Solche Reaktionen überraschen. Zum einen in ihrer Heftigkeit, zum anderen aber auch in ihrer Parteilichkeit. Zweifellos ist Roman Polanski ("Der Pianist") ein Genie in seinem Schaffen. Doch darf seine Kunst überblenden, dass er sich eines schweren Verbrechens schuldig gemacht hat?

1977 konnte sich Polanskis Anwalt zunächst eine Anklage wegen Vergewaltigung abwenden
© WireImage.com1977 konnte Polanskis Anwalt zunächst eine Anklage wegen Vergewaltigung abwenden

Wenn nur Jung-Stars wie Jimmy Blue und Wilson Gonzalez Ochsenknecht für den Filmemacher Partei ergreifen und mit "Freiheit für Polanski"-Plakaten demonstrieren würden, könnte man das als unreflektierten Aktionismus abtun. Doch dass gestandene Hollywoodgrößen dafür plädieren, Polanski nicht zur Rechenschaft zu ziehen, der polnische Außenminister sogar ernsthaft daran denkt, ein Gnadengesuch an Barack Obama zu richten, ist wirklich fragwürdig.

Natürlich sind die Umstände von Polanskis Verhaftung 32 Jahre nach der Tat alles andere als glücklich, zumal das Opfer Samantha Geimer Roman Polanski bereits öffentlich verziehen hat - und dennoch bliebe ein schaler Beigeschmack, wenn ein Vergewaltiger nicht vor Gericht gebracht würde, nur weil der ein genialer Filmemacher ist.

gsc