Roman Polanski Auf der Mauer auf der Lauer

Seit Roman Polanski mit Fußfessel das Gefängnis verlassen und den Hausarrest in seinem schweizerischen Chalet angetreten hat, steht Gstaad Kopf: Paparazzi lauern vor dem Anwesen auf das erste Foto, vielen Einwohnern tut der Regisseur derweil leid

32 Jahre ist es her, dass Roman Polanski bei einem Fotoshooting sein 13-jähriges Model betrunken und mit Beruhigungsmitteln gefügig machte, sich an ihr verging - 32 Jahre, seit der Regisseur sich der Verurteilung durch ein amerikanisches Gericht entzog und die USA Hals über Kopf verließ.

Seither lebte er unbehelligt als freier Mann in Frankreich, ließ sich für Filme wie "Rosemaries Baby" und "Der Pianist" feiern und entspannte regelmäßig in seinem schweizerischen Chalet Milky Way. Bis er am 26. September völlig überraschend am Züricher Flughafen festgenommen wurde. "Es gab einen gültigen Haftbefehl. Wir wussten wann er ankommen würde. Er bleibt in provisorischer Haft mit Aussicht auf eine Auslieferung", so die Stellungnahme seitens des schweizerischen Justizministeriums.

Nach langem Hin und Her durfte Roman Polanski das Gefängnis am vergangenen Freitag (4. Dezember) dann aber doch verlassen. Die Bedingungen: 3 Millionen Euro Kaution und eine Fußfessel, die den 76-Jährigen während seines Hausarrestes in seinem luxuriösen Anwesen in Gstaad auf Schritt und Tritt überwachen soll. Es soll um jeden Preis verhindert werden, dass sich der Regisseur seiner Strafe erneut durch Flucht entzieht.

Davon hätten ihn nach der Zeit in der Zelle vermutlich aber auch allein die Annehmlichkeiten in seinem Chalet abgehalten. Immerhin begegnen ihm die Bewohner von Gstaad größtenteils ohne jeden Argwohn - sein Weinhändler verkündete im Interview mit RTL "Exclusiv" am Sonntag (6. Dezember) sogar, er würde Polanski notfalls auch den einen oder edlen Tropfen an die Türschwelle bringen. Auch die noblen Restaurants vor Ort warten nur darauf, dass der Filmemacher bei ihnen telefonisch bestellt.

Denn Meinung im Ort ist einhellig: "Er ist längst einer von uns!" Man habe ihn stets als freundlichen und angenehmen Menschen erlebt - die Geschehnisse vor 32 Jahren scheinen für die meisten einfach Schnee von gestern zu sein.

Im Schnee von heute stehen sich derweil die Fotografen die Beine in den Bauch: Etwa 150 belagerten am Freitag das verschneite Areal rund um Polanskis Holz-Chalet und warten auf den großen Bild-Scoop - das erste Foto des Stars nach über zwei Monaten in Haft. Doch bislang zeigte sich am Fenster nur die mitgenommen wirkende Ehefrau des Filmgenies, Emmanuelle Seigner.

Von Roman Polanski gibt es bis jetzt nur einen Schnappschuss aus der Limousine, die ihn gegen 13 Uhr zum Haus brachte, sowie eine Aufnahme seines rechten Armes und der Augen am Fenster. Einige Paparazzi geben dennoch nicht auf und harren in Eiseskälte aus.

Wie die Bewohner von Gstaad steht auch die 46-jährige Emmanuelle Seigner vorbehaltlos hinter ihrem berühmten Ehemann, unmittelbar nach seiner Verhaftung forderte sie Proteste in Hollywood - und fand breite Unterstützung bei berühmten Kollegen wie Monica Bellucci, Harrison Ford und Woody Allen.

Obwohl Roman Polanski weiterhin die Auslieferung in die USA und eine Verurteilung wegen Unzucht mit einer Minderjährigen drohen: Vorerst kann der Mann, der sich einst an einer 13-Jährigen verging, die Annehmlichkeiten seiner eigenen vier Wände und die vorbehaltlose Unterstützung von Dorfbewohnern, Freunden und natürlich seiner Familie genießen.