Robert Enke + Teresa Enke "Wir dachten, wir schaffen alles"

Depressionen: Auf einer bewegenden Pressekonferenz hat Teresa Enke über die Krankheit gesprochen, wegen der Robert Enke seit Jahren behandelt wurde und die Angst des Paares, die Adoptivtochter zu verlieren

"Wir haben gedacht, wir schaffen alles, mit Liebe schafft man alles, aber es geht eben doch nicht immer", erklärt Teresa Enke auf der Pressekonferenz, die zum Selbstmord von Robert Enke angesetzt worden war. Teresa spricht mit leiser Stimme darüber, wie es war, die Depressionen ihres Ehemannes jahrelang vor der Öffentlichkeit zu verbergen.

Der 32-jährige Nationaltorwart hatte zu viel Angst vor dem Medienrummel, den die Bekanntgabe nach sich gezogen hätte. Und ein noch tragischerer Aspekt hinderte Robert Enke daran, seine Krankheit öffentlich zu machen und sich in stationäre Behandlung zu begeben: die Angst um seine Adoptivtochter Leila. Das Paar hatte Angst, das Sorgerecht zu verlieren, fürchtete die Reaktionen der Öffentlichkeit, wenn ein "kleines Kind einen depressiven Papa hat." Obwohl Robert Enke dem acht Monate alten Mädchen ein großartiger Vater war: "Robert hat sich liebevoll um Leila gekümmert - bis zum Schluss."

Auch Roberts Arzt Dr. Valentin Markser war bei der Pressekonferenz anwesend und berichtete sichtlich geschockt, wie er den Fußballer kennengelernt hat. Demnach hatte sich der Torhüter bereits 2003 in psychiatrische Behandlung gegeben, da er unter Depressionen und Versagensängsten litt. Nachdem sich sein Zustand im Frühjahr 2004 stabilisiert hatte, ließ sich Enke zunächst nicht weiter behandeln, begab sich aber Anfang Oktober dieses Jahres wieder in Behandlung. Dem vorausgegangen war eine Mageninfektion, die wieder eine depressive Phase auslöste. Offenbar litt Robert Enke unter enormen Versagensängsten, die verstärkt wurden, als er krankheitsbedingt nicht so trainieren konnte, wie er wollte. Robert Enkes Arzt bestätigte, dass die lange Spielpause der letzten Monate nicht mit einer Infektion, sondern mit den Depressionen seines Patienten zu erklären seien.

Sichtlich bewegt antwortete Dr. Valentin Markser auf die Frage, ob man den Selbstmord hätte kommen sehen können: "Robert Enke litt nicht an einer typischen endogenen Depression. Er war bis zum Schluss aktiv. Im Nachhinein lässt sich nur feststellen, dass er das Ausmaß seiner Erkrankung erfolgreich verborgen hatte."

In dem Abschiedsbrief, den Robert Enke hinterlassen hatte, entschuldigt sich der 32-Jährige für die "bewusste Täuschung über seinen seelischen Zustand, die nötig war, um seinen Plan in die Tat umzusetzen", erläutert Valentin Markser. Robert Enke hatte bis zuletzt am Training teilgenommen und am Tag seines Selbstmordes noch einen stationären Klinikaufenthalt abgesagt, weil es ihm angeblich besser gehe.

Die Angst hielt Robert Enke davon ab, sich die richtige Hilfe zu holen - diese Angst kostete Teresa Enke ihren Mann und Leila den Vater.

cqu