Robbie Williams Auf die sanfte Tour

Mit wilden Eskapaden hat Robbie Williams viele Fans verschreckt. Jetzt nutzt er seine letzte Chance - und gibt wieder den Romantiker

Klar ist er noch Exzentriker, und was für einer! Als wolle er sich und der Welt beweisen, dass Robbie Williams - der Popstar und Womanizer - immer noch auf sympathische Art und Weise irre ist, schlenderte er im Seidenpyjama, bewaffnet mit Laptop und Star-Wars-Leuchtschwert, durch eine Hotellobby.

Der Auftritt überraschte, denn eigentlich präsentiert sich Robbie seit Wochen bevorzugt brav-erwachsen: Die Rede ist von Hochzeitsplänen mit Ayda, seiner Frau fürs Leben, von Kinderwünschen gar. Und als wäre das alles nicht weich gespült genug, berichtet der 35-Jährige: "Auf Kuscheln fahre ich total ab!" Es ist noch gar nicht lange her, da hätte Robbie jeden Mann, der so redet, belächelt.

Dann hätte er zu seinem Drink oder Stärkerem gegriffen und mit seinem Partyleben weitergemacht. Der alte Robbie war stolz auf die vielen Frauen, die er hatte. Er redete über Herpes - den ihm Fans eingebrockt hätten - und tönte: "Ich habe so ziemlich alle Möglichkeiten der Welt, also sollte ich sie wohl auch nutzen." Neue Prioritäten und neue Berater haben aus Robbie Williams jedoch einen anderen Mann gemacht.

Es ist nämlich nicht nur die Liebe zu seiner Freundin Ayda Field, 30, die Robbie so geerdet und freundlich wirken lässt; es geht auch um seine letzte große Chance: Nur wenn sein neues Album "Reality Killed The Video Star" ein Riesenerfolg wird, kann Robbie auch künftig bei Verhandlungen mit Plattenfirmen die Bedingungen diktieren und seinen Status als Mega-Star erhalten.

Damit alles klappt, hat er sich von seiner alten Vermarktungs-Agentur getrennt und vertraut nun auf den PR-Profi Murray Chalmers, der auch für Lily Allen arbeitet. Für seinen neuesten Klienten ersann der Schotte eine Art "Back-to-the-roots"-Strategie.

Erst zog Robbie zurück nach England, dann begann die Charme-Offensive – als Plattform für seinen ersten großen Auftritt suchte er sich die britische Talentshow "X Factor" aus. Clean und mit viel Liebe im Herzen soll er seine größte Fangruppe erneut verzaubern: europäische Frauen Anfang 30.

Zu viele von ihnen, die ihn seit seiner Zeit als "Take That"-Star verehrten, hatte er mit seinem Umzug nach Amerika und seiner wirren Ufo-Gläubigkeit verschreckt. Robbie berichtet, dass er zwischenzeitlich sogar daran dachte seine Karriere zu beenden, um sich für Charity-Projekte zu engagieren: "Ich wollte ein Menschenfreund werden."

Diese Ersatz-Beschäftigung als Philanthrop ist nun fürs erste vergessen, lieber will er sein Publikum begeistern. Und weil er weiß, dass seine Fans nicht nur seinen smarten Kopf, sondern auch seine wunderlichen Auftritte schätzen, geht er ab und an vor die Tür - wenn es ihm gerade passt, auch im Morgenmantel.