Reinhard Mey
© Getty Images Reinhard Mey

Reinhard Mey "Wir sind dankbar für jede Geste"

Bei einem bewegenden Auftritt in Reinhold Beckmanns TV-Show sprach Reinhard Mey über die schwere Erkrankung seines Sohnes Maximilian

"Wir befinden uns in einer schweren Situation, die wir versuchen zu meistern. Jetzt wollen wir die Karten auf den Tisch legen. Wir wollen uns nicht mehr verstecken, aus Angst, auf die Familie angesprochen zu werden." Mit dieser Erklärung begann das Gespräch zwischen Reinhard Mey und Reinhold Beckmann in dessen Talkshow am 7. September. Es ging um Reinhard Meys Sohn Max, der am 13. März dieses Jahres ins Koma gefallen ist und seitdem im Wachkoma liegt.

"Als er nach drei, vier Tagen die Augen aufschlug, dachten wir so geht es jetzt weiter, vielleicht kann er sich morgen schon bewegen", erinnert sich der Liedermacher an die erste Zeit nach Max' Zusammenbruch. Doch die Ärzte warnten die Familie, sich zu große Hoffnungen zu machen. Möglicherweise wird Max nie wieder völlig gesund werden:

"Wahrscheinlich war Max' Gehirn rund acht Minuten ohne Sauerstoff. Das ist eine traurige Diagnose, die wir aber so nicht hinnehmen. Ein Neurolge sprach zwar von einer schweren Schädigung, aber auch von der Möglichkeit, dass sich sein Gehirn regenerieren könne, weil er erst 27 ist. Ich habe den Schwestern und Pflegern DVDs meiner letzten Tour gegeben, auf der mich Max als Bühnentechniker begleitet hatte. Ich sagte zu ihnen: 'Keine Angst, ich will Sie nicht mit meiner Musik langweilen, bitte schauen Sie sich nur die Stelle an, in der Max aufblitzt. Ich möchte, dass Sie sehen, was für ein toller Mensch er ist. Ich möchte, dass Sie wissen, das wir ihn zurückholen müssen."

Was ist mit dem vitalen Mann passiert? "Max lebte immer auf Messers Schneide, wenn er mal krank war, hat er das nicht richtig ernst genommen. Als er ins Krankenhaus eingeliefert wurde, machten die Ärzte viele Tests mit ihm und stellten fest, dass keinerlei Drogen oder Alkohol im Spiel waren, wohl aber ein altes Antiallergikum. Offenbar hatte Max sich das selbst gegen seinen Husten verschrieben." Der Husten, den Reinhard Mey für Raucherhusten hielt, rührte von einer schweren Lungenentzündung, die die Ärzte schließlich diagnostizierten.

Auch wenn die Ärzte nicht viel Hoffnung machen können, tun Reinhard Mey und seine Familie alles, um Max "aus dem Dunkel zu locken": "Sein Zimmer ist praktisch mit persönlichen Gegenständen tapeziert. Wir spielen ihm seine Lieblingsmusik vor, zeigen ihm Erinnerungsstücke wie eine Figur des Elefantengottes, lesen ihm vor oder ich spiele für ihn meine Lieder."

Trotz der schlimmen Zeit kann Reinhard Mey der Situation auch etwas Positives abgewinnen: "Durch dieses Erlebnis ist unsere Familie wie eine Wagenburg zusammengerückt. Wir werden diese Situation gemeinsam meistern."

cqu