Inglourious Basterds: Quentin Tarantino über seine Stars
© Getty Images Inglourious Basterds: Quentin Tarantino über seine Stars

Quentin Tarantino Das sind seine Basterds!

Im Gespräch mit Gala verrät Regisseur Quentin Tarantino das Verhältnis zu seinen Schauspielern in "Inglourious Basterds"

Er hat schon was Piratenmäßiges, der Quentin Tarantino.

Fehlt nur noch die Augenklappe. Im Gespräch mit Gala beschreibt der 46-jährige Regisseur sein Verhältnis zu den Schauspielern: "Ich fühle mich wie der Kapitän eines Schiffs, ich führe die Meute an - hoffentlich stets gut und richtig." Ahoi, Captain, dann lassen Sie doch uns bitte über ihre Matrosen sprechen!

Fangen wir an mit Christoph Waltz:
Ich habe mit Christoph auf eine Art zusammengearbeitet wie mit keinem anderen Schauspieler zuvor. Vielleicht war es mit Uma Thurman ähnlich. Obwohl – nein, das ist auch wieder etwas anders. Christoph hat die Rolle des Oberst Landa so genau verstanden, dass ich anfing, ihm Fragen über Landa zu stellen. Es gab Diskussionen wie: "Ich habe mir etwas überlegt, aber ich möchte wissen, was du darüber denkst." Christoph darauf: "Ich bin fest davon überzeugt, dass Landa es auf diese Weise machen würde." Und genau so haben wir es dann auch gemacht.

Tarantino: Oh mein Gott, das ist er! Das ist mein deutscher Vorzeigesoldat
© 2009 Universal StudiosTarantino über Brühl: "Oh mein Gott, das ist er! Das ist mein deutscher Vorzeigesoldat"

Was ist mit Daniel Brühl?
Daniel ist für seine Rolle so wichtig und so geeignet wie Christoph für Oberst Landa. Ich erinnere mich, wie ich "Good Bye, Lenin" zum ersten Mal sah. Der Film ist fantastisch, keine Frage, aber ohne Brühl wäre er nur halb so gut. Er ist einfach wundervoll! Ich hatte damals schon die Figur des Frederick Zoller erfunden, und plötzlich wurde mir klar: Oh mein Gott, das ist er! Das ist mein deutscher Vorzeigesoldat. Glücklicherweise bin ich mit Tom Tykwer befreundet, der Daniel kennt. Also habe ich gesagt: Tom, du musst mir diesen Daniel Brühl vorstellen, ich will ihn für meinen Film. Wir haben ein kleines Vorsprechen veranstaltet, aber das war nur pro forma. Er hatte die Rolle schon längst.

Dann wäre da noch August Diehl.
Wissen Sie, was lustig ist? Jetzt, da wir die ganzen Namen so durchgehen, wird mir bewusst, was für Wahnsinnstalente ich für diesen Film hatte. Die deutschen Schauspieler können sich absolut mit der ersten Garde der internationalen Schauspieler messen. Okay, also August Diehl. Hervorragend in seiner Rolle. Er erinnert mich ein bisschen an Christopher Walken in seinen jungen Jahren. Es ist nicht nur die leichte äußerliche Ähnlichkeit. Die beiden benutzen bi der Arbeit dieselben Methoden. Ich kann das beurteilen, weil ich mit Walken "Pulp Fiction" gedreht habe. Niemand kann seinen Text so präzise auswendig wie Christopher Walken – außer eben August Diehl. Walken hatte einen Drei-Seiten-Monolog und kannte jede Silbe. August hatte fast genauso viel Text und konnte ihn bis auf das Komma genau.

Was ist mit ...
Moment, kann ich bitte noch ein bisschen mehr zu August erzählen? Das ist nämlich eine gute Story: Als wir die Szene in der Taverne geprobt haben, habe ich einen Schauspieler, einen recht berühmten sogar, der ursprünglich in dem Film war, gefeuert. Es hat einfach nicht gepasst zwischen uns. Das löste eine Welle des Entsetzens unter den Crewmitgliedern aus. Plötzlich dachten alle: Oh, Mann, wenn er den feuert, kann er mich auch rausschmeißen! Am nächsten Tag waren alle super vorbereitet, völlig konzentriert, mit aller Energie bei der Sache. Die hatten halt Schiss! Abends waren Eli Roth und August Diehl einen trinken. Da fing August an (er flüstert, klingt atemlos, als er Diehl nachspielt): "Weißt du, seit da einer gefeuert wurde, sitzen wir alle wie auf Kohlen. Ich meine, wir sind so konzentriert, so absolut bei der Sache. Hey, weißt du was? Ich liebe es, auf Kohlen zu sitzen!" (Lacht schallend.)

Tarantino: "Brad und Ich wollten schon lange zusammenarbeiten, haben eigentlich nur noch auf den richtigen Stoff gewartet".
© Getty ImagesTarantino: "Brad und Ich wollten schon lange zusammenarbeiten, haben eigentlich nur noch auf den richtigen Stoff gewartet"

Über Brad Pitt sollten wir auch noch sprechen.
Brad und ich wollten schon lange zusammenarbeiten, haben eigentlich nur noch auf den richtigen Stoff gewartet. Als ich in etwa die Hälfte des Buches geschrieben hatte, dachte ich: Hey, eigentlich ist das genau die Rolle für Brad. Also bin ich zu ihm nach Südfrankreich geflogen, um das Projekt zu besprechen. Er lebt dort auf einem Weinberg und hat er gleich eine Flasche Rosé geöffnet, dann noch eine, später noch eine, und am Ende hatten wir eine Menge leerer Flaschen und ein sehr gutes Gespräch über seine Rolle. Wir begannen am Akzent des Ltd. Aldo Raine zu arbeiten. Das ist mehr als nur ein Dialekt, es ist eine Art Gesang, Tennessee-Mountain-Boy-Singsang. Brad mochte seine Rolle so sehr, dass er irgendwann den Dialekt auch nach Drehschluss nicht mehr ablegte. Ehrlich: Am Set hat er nur so geredet. Das war für mich als Autor wahnsinnig lustig, schließlich habe ich diese Rolle erfunden. Ich konnte also ständig mit meiner eigenen Schöpfung abhängen. Ich habe Brad eine Frage gesellt, und bekam Aldos Antwort. Das war der Hammer!

Alle Bastarde auf einem Blick: Til Schweiger, Diane Kruger, Melanie Laurent, Daniel Bruehl, August Diehl, Quentin Tarantino, Brad Pitt und Christoph Waltz
© 2009 Universal StudiosAlle Bastarde auf einem Blick: Til Schweiger, Diane Kruger, Melanie Laurent, Daniel Bruehl, August Diehl, Quentin Tarantino, Brad Pitt und Christoph Waltz